Wir haben mit Dominik Locher und Honeylyn Joy Alipio, Regisseur und Ko-Drehbuchautorin von «Enjoy Your Stay» gesprochen. Sie haben ihr Drama, das sowohl professionelle Schauspielerinnen, eine Grosszahl aus den Philippinen, als auch Laiendarsteller vereint. Gemeinsam haben sie Recherchen gemacht und Erfahrungen zusammengetragen, die die Perspektiven beider Kulturen, Schweiz und Philippinen, sichtbar machen sollten.
Wie kam die Geschichte zu Ihnen? Wie haben Sie sich kennengelernt?
Dominik Locher: Wir haben uns beim Busan International Film Festival kennengelernt, als mein Film «Goliath» dort gezeigt wurde und wo Honeylyn mit einem Drehbuch präsent war. Zu dieser Zeit wollte ich eine Geschichte über eine papierlose Person in der Schweiz erzählen, das hätte jemand aus der Landwirtschaft, vom Bau oder aus der Reinigungsbranche sein können. Ich erinnerte mich an Honeylyn und dachte: Diese Geschichte kann ich nicht allein erzählen; ich brauche eine andere Perspektive. Uns gefiel das Konzept einer globalen Autorschaft, bei der unterschiedliche Blickwinkel zusammenkommen. Dann entdeckte Honeylyn in einem Onlineartikel eine Geschichte über serbische Reinigungskräfte in einem Luxusresort in der Schweiz. Wir dachten, das wäre ein grossartiger Schauplatz, und begannen mit unserer Recherche.
Honeylyn Joy Alipio: Mit der serbischen Kultur waren wir allerdings nicht vertraut. Deshalb beschlossen wir, mit einer philippinischen Perspektive zu arbeiten. Wir begannen, philippinische Märkte und Migrantenläden zu erkunden und dort Filipinos zu interviewen.
Gibt es eine philippinische Gemeinschaft in der Schweiz?
Dominik Locher: In Skigebieten sagte man uns, es gebe dort keine Asiaten - speziell keine Filipinos. Aber wir dachten: Wir müssen nur eine Person finden, und sie führt uns dann zu den anderen. Genau so ist es dann auch passiert. Viele Filipinos leben in Genf; einige haben legale Papiere, viele nicht. Manche kommen mit Diplomaten ins Land. Während der Corona-Pandemie verloren viele ihre Stellen und zogen in andere Regionen der Schweiz, um dort Arbeit zu finden.
Können Sie das visuelle Konzept des Films erläutern und wie Sie zusammengearbeitet haben?
Dominik Locher: Unsere Kamerafrau Jeanne Lapoirie ist eine Meisterin. Sie gibt den Schauspielenden Freiheit und filmt, was sie im Moment interessant findet. Dieser Instinkt half dabei, sowohl unsere Protagonistin Luz als auch die Gruppe darzustellen. Unsere erzählerische Perspektive spiegelt auch unsere filmischen Hintergründe wider: Aus dem philippinischen Kino habe ich die Bedeutung eines Ensembles gelernt, in dem jede Figur zählt. Mein europäischer Hintergrund neigt dazu, einer einzelnen Hauptfigur zu folgen. Wir versuchten, beides zu verbinden: unserer Protagonistin Luz zu folgen und zugleich den anderen Raum zu geben.
Honeylyn Joy Alipio: Wir liessen die Dinge sich entfalten. Ich war am Set wie eine betreuende Autorin präsent. Ich griff meistens dann ein, wenn das Spiel zu explizit wurde oder Dialoge zu viel Subtext verrieten. Ausserdem achtete ich darauf, dass die kulturellen Details stimmten.