Freddy Macdonald ist ein junger US-amerikanischer Filmemacher mit Schweizer Wurzeln. Sein erster Langspielfilm und Thriller «Sew Torn», der dieses Jahr auf der Piazza Grande in Locarno gezeigt wurde, spielt in der Schweiz und wurde hier gedreht.
Die Schweizer Produktionsfirma Orisono aus Luzern ist am Film beteiligt. Das 2020 gegründete Unternehmen hat bereits gemeinsam mit der Schwesterfirma 89 Productions Erfahrungen mit ähnlichen Projekten. Neben «Sew Torn» gehört auch «Color of Heaven» des spanischen Regisseurs Joan-Marc Zapata, der ebenfalls in der Schweiz gedreht wurde, zu ihrem Repertoire. Die Herstellung beider Filme kam ohne finanzielle Mittel aus der öffentlichen Filmförderung zustande. Dass das Partnerland USA kein offizielles Koproduktionsland gemäss den Richtlinien des Bundesamtes für Kultur sind, war einer der Gründe dafür. So qualifizierte man sich beispielsweise nicht für Gelder aus dem FiSS-Programm, obwohl im Fall von «Sew Torn» alles, inklusive Postproduktion, in der Schweiz entstanden ist. Nur den Schnitt machte der Regisseur selbst in den USA.
Zwischen Unabhängigkeit und Risiko
Um das Projekt dennoch zu realisieren, fuhr man mit dem Prinzip der Privatfinanzierung fort, das man bereits bei «Color of Heaven» umgesetzt hatte. Dabei kommen verschiedene Geldquellen zusammen: Lizenzvorverkauf, Lohnrückstellungen, Sponsorenbeiträgen (wie Produktplatzierungen) und Investitionen. Investoren spielen eine wesentliche Rolle. «Mit jedem Projekt wächst das Netzwerk», erklärt Timothy Ross, Gründer und Produzent bei Orisono. Bei «Sew Torn» waren etwa 20 bis 25 Investoren beteiligt. Die Privatpersonen und Unternehmen stammen aus der Schweiz wie auch aus dem Ausland, sie gehören der oberen Mittelklasse an.
Bei diesem Finanzierungsmodell muss man von einer Wirtschaftlichkeit des Filmprojekts ausgehen, damit sich Investitionen eben als solche lohnen. «Im Falle eines Misserfolgs verlieren Investoren Geld, und die Produktionsfirma büsst Vertrauen für zukünftige, privat finanzierte Projekte ein», so Ross. Bei allem Risiko gehöre es zu den Vorteilen einer solchen Finanzierungsweise, dass man unabhängig von den Vorgaben und Richtlinien von Förderinstitutionen sei. «Ein Projekt kann auch in einem kürzeren Zeitrahmen umgesetzt werden. Gesuche bei der Filmförderung brauchen viel Zeit». Ohne deren Beteiligung allerdings sei es wiederum schwieriger, einen Film national zu vermarkten. Langfristig wäre es deshalb wünschenswert, öffentliche Förderung systematischer mit einem Modell von privaten Investitionen zu vereinbaren. Gespräche mit dem BAK, wie beispielsweise Investitionen aus den USA und aus anderen, nicht offiziellen Koproduktionspartnerländern die bestehende Förderpraxis ergänzen könnten, sind bereits im Gange.