Gerechte Aufträge
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Gerechte Aufträge

Die Fragen stellte Teresa Vena 19. September 2025

Derya Tuna antwortet auf Gleichstellungsfragen in der Schweizer Auftragsfilmbranche.

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Mit Ihrem Verein Female Film and Advertising Association (FFAA) kämpfen sie für bessere Rahmenbedingungen für Frauen im Auftragsfilm. Wo setzen Sie an?

Die grössten Herausforderungen liegen nach wie vor in den strukturellen Rahmenbedingungen: fehlende Transparenz bei Honoraren, ungleiche Chancen bei Schlüsselpositionen und stereotype Rollenzuschreibungen. Viele Frauen arbeiten im Auftragsfilm in klassischen «Care-Rollen» wie Produktion oder Organisation, während Regie oder Kamera stärker männlich geprägt sind. Hier möchten wir mit der FFAA ansetzen für mehr Sichtbarkeit, klare Massstäbe, verbindliche Standards für faire Anstellungs- und Vergabepraxen.

Sie engagieren sich zudem im Verband für Auftragsfilm Swissfilm Association für diese Themen. Wie unterstützt die Branche dieses Anliegen?

Innerhalb des Verbands diskutieren wir heute, im Vergleich zu noch vor ein paar Jahren, viel selbstverständlicher über Chancengleichheit, «Care»-Verantwortung und Vereinbarkeit. Es gibt Förderinitiativen, vermehrt Netzwerkarbeit und auch einen stärkeren politischen Druck. Aber wir stehen am Anfang. Entscheidend wird sein, diese Diskussionen in konkrete Massnahmen zu übersetzen, die wirklich bei den Arbeitsbedingungen im Alltag ankommen.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie in Ihrer Laufbahn mit Stereotypen oder Barrieren gemacht?

Ich habe sehr oft erlebt, dass mein Fachwissen zunächst unterschätzt wurde und ich mich stärker beweisen musste als männliche Kollegen. Gerade in Verhandlungen oder kreativen Diskussionen wurde ich anfangs eher als «Organisationstalent» wahrgenommen und weniger als strategische Diskussionspartnerin. Gleichzeitig habe ich auch sehr positive Erfahrungen gemacht – dort, wo Teams divers aufgestellt waren, konnte ich schneller Verantwortung übernehmen und nachhaltiger arbeiten. Diese Gegensätze haben mir gezeigt, wie entscheidend Strukturen und Haltungen sind.

Wie setzen Sie sich in Ihrer eigenen Firma konkret für Gleichstellung ein?

Bei TUNA Production AG achten wir auf ausgewogene Teams, flexible Arbeitszeiten und familienfreundliche Lösungen. Wir arbeiten bewusst mit einem breiten Netzwerk von Regisseurinnen, Autorinnen und Gewerken zusammen, um neue Stimmen sichtbar zu machen. Gleichzeitig versuchen wir intern, eine Kultur zu leben, in der Austausch, Weiterentwicklung und gegenseitige Unterstützung selbstverständlich sind.

Wie steht die Schweiz im internationalen Vergleich da?

Die Schweiz ist ein kleines, gut organisiertes Land, aber im Bereich Gleichstellung in der Film- und Werbebranche hinken wir noch hinterher. Skandinavische Länder oder auch Grossbritannien sind deutlich weiter, was Quoten, Transparenz und flexible Arbeitsmodelle betrifft. Wir haben in der Schweiz ein grosses Potenzial, weil unsere Branche sehr gut vernetzt ist und klein genug, um Veränderungen relativ schnell umzusetzen. Aber dazu braucht es den Mut, bestehende Strukturen tatsächlich zu verändern, und nicht nur wohlklingende Absichtserklärungen.

Die Daten sprechen für sich

Um auf eine Diskriminierung von Frauen in der Filmindustrie reagieren zu können, braucht es Daten, die eine Ungleichheit belegen. Vor etwa zehn Jahren hat man in der Schweiz mit der systematischen Erhebung begonnen. Der Anstoss kam durch verschiedene Berufsverbände, wie ARF und Focal, und der dafür innerhalb des Dachverbands Cinésuisse geschaffenen Arbeitsgruppe «Gender Equality». Auf ihre Initiative haben sich die Förderinstitutionen in der Schweiz seitdem zur Datensammlung verpflichtet. Die 2021 vom Bundesamt für Kultur erstellte, umfangreiche Studie zeigt, dass die Verteilung der Geschlechter trotz einer Ausgewogenheit in der Ausbildung in fast allen Bereichen vor und hinter der Kamera deutlich ungleich ist. Der Berufseinstieg und -verbleib scheint bei Frauen herausfordernder zu sein als bei Männern. Die Datenerfassung sowie das Sichtbarmachen dieser Resultate, das Kernziel der AG, sei wesentliche Grundlage um Massnahmen für die Verbesserung der Situation überhaupt anstossen zu können. Sich selbst sieht die AG als beobachtende und begleitende Instanz, die das Thema Gleichstellung immer wieder innerhalb des Sektors aufbringt und Anstösse gibt. So hat sie massgeblich auch den Aufbau einer kulturspartenübergreifende nationalen Anlaufstelle für Missbrauchsfälle angeregt. Während die konkrete Umsetzung noch ausbleibt, hat sich das BAK in der geltenden Kulturbotschaft aber zumindest für eine Evaluation des Bedarfs verpflichtet.

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