Wieviel Prozent euer Kundschaft sind Schweizer und wieviel ausländische Unternehmen?
80 Prozent Schweiz, 20 Prozent Ausland
Wie viel produziert und vergebt ihr innerhalb der Schweiz?
98 Prozent
Wie hoch ist der Druck ins Ausland auszuweichen? Für welche Bereiche? Und welche Länder kommen in Frage?
Eigentlich gibt es keinen direkten Druck an sich. Er entsteht vielmehr durch den Budgetmangel der Produktionen. Da Kunden immer weniger ausgeben, aber gleichzeitig mehr Leistungen erwarten, greifen wir gelegentlich auf ausländische Unterstützung zurück. Dabei handelt es sich jedoch um kleinere Aufgaben wie Übersetzungen, Transkriptionsarbeiten oder Retuschen.
Wie schätzt ihr die Konkurrenz ausländischer Firmen innerhalb des Schweizer Markts ein?
Ich denke, es gibt eine gewisse Konkurrenz aus dem Ausland, speziell in Basel. Da Deutschland direkt nebenan liegt, ist der Weg für Filmproduktionen nicht weit. Dennoch spüre ich, dass Schweizer Unternehmen grossen Wert darauf legen, mit Schweizer Produktionen zusammenzuarbeiten.
Für den Edi-Preis verpflichtet man sich neu offenzulegen, wie hoch der Anteil der Produktion im Ausland ist. Wie steht ihr dazu?
Ich finde das eine sehr gute Einstellung. Wir hören und sehen oft, dass viele Produktionen auf das Ausland zurückgreifen oder sogar ganze Projekte dort abwickeln. Der Schweizer Markt besitzt enorm viele Talente in der Filmproduktion. Die Schweiz ist jedoch teuer und manche Ideen lassen sich mit dem vorhandenen Budget schlicht nicht umsetzen.
Ich denke, das Hauptproblem liegt darin, dass alles immer erschwinglicher werden muss. Dadurch sinkt der Anspruch an die Qualität enorm, was wiederum den Druck auf die Filmproduktionen erhöht, Ressourcen im Ausland zu suchen. Viele Produktionen sind sich einen hohen Qualitätsstandard gewöhnt, den sie gerne beibehalten möchten, doch im gegebenen Rahmen fehlen oft die Mittel dazu. Man wird also gezwungen, sich entweder einer geringeren Qualität zu beugen oder günstigere Wege im Ausland zu finden. Mit solchen Produktionen einen schweizer Preis zu gewinnen finde ich nicht ganz fair.
Wie schätzt ihr die Nachwuchssituation im Bereich Auftragsfilm ein?
Es kommt sehr viel Nachwuchs nach. Wir beobachten jedoch auch, dass extrem viele Content Creator heranwachsen, insbesondere ausgebildete Mediamatiker. Viele dieser Mediamatiker arbeiten direkt in Unternehmen und übernehmen dort die interne Kommunikation. Aus unternehmerischer Sicht ergibt das durchaus Sinn, doch für uns macht es den Markt gewissermassen kaputt.
Wir stellen allerdings fest, dass viele dieser Produktionen einen sehr geringen Qualitätsstandard aufweisen. Langsam bemerken dies auch die Unternehmen selbst und greifen daher wieder vermehrt auf professionelle Filmproduktionen zurück, die einen höheren Qualitätsanspruch erfüllen. Hier kommen wir als Spezialisten wieder ins Spiel. Allgemein sinkt jedoch der Anspruch an die Qualität, weil viele Unternehmen primär auf günstigen Social-Media-Content setzen, anstatt sich mit gezielten, hochwertigen Produktionen klar zu positionieren.
Dies hat auch zur Folge, dass sich momentan extrem viele Produktionen aufgrund mangelnder Aufträge verkleinern müssen. Diese Entwicklung ist natürlich besonders schwierig für den Nachwuchs, vor allem für Hochschulabgänger, die einen Einstieg in die Branche suchen. Es gibt momentan zu viele Talente und zu wenige Stellenangebote, was auf die tiefgreifenden Veränderungen innerhalb der Branche zurückzuführen ist.
Welche sind euerer Meinung nach die grössten aktuellen Herausforderungen im Bereich Auftragsfilm in der Schweiz?
Wie oben bereits angesprochen, erleben wir momentan einen extremen Wandel in der Branche. Dies liegt am sich verändernden Qualitätsanspruch der Unternehmen, aber auch an der allgemeinen Zugänglichkeit der Technologie. Professionelle Technik ist mittlerweile erschwinglich und für jeden verfügbar. Man benötigt keinen Profi mehr, um ein kurzes Video mit dem iPhone zusammenzustellen.
Ich denke, genau dieser einfache Zugang zu Programmen und Equipment senkt den Qualitätsanspruch bei den Unternehmen. Vielen ist nicht mehr bewusst, wie viel Arbeit tatsächlich hinter einer Produktion steckt, und das eigentliche Handwerk wird oft nicht mehr erkannt. Für einfache Zwecke reicht diese Vorgehensweise aus, und momentan werden hauptsächlich simple Content-Formate produziert. In der Werbung sieht das anders aus, dort muss man weiterhin auf professionelle Produktionen setzen. Es wird jedoch immer weniger aufwendige Werbung produziert, da der kleine Content für die tägliche Kommunikation oft als ausreichend erachtet wird.
Wir sind gespannt, in welche Richtung sich dies weiterentwickelt. Die künstliche Intelligenz spielt dabei natürlich ebenfalls eine Rolle. Die rasant wachsende Qualität der KI bereitet uns durchaus Sorgen, speziell im Bereich der Werbung und bei Produktfilmen. Gleichzeitig spüren wir jedoch eine gewisse Abneigung gegenüber KI-generierten Videos. Die Menschen möchten letztlich doch wieder echte Personen sehen und nicht von künstlichen Inhalten angesprochen werden. In diesem Kontext erzielt ein authentisches iPhone-Video oft eine deutlich grössere Wirkung.