Plattformen für Videokunst
Um die Sichtbarkeit experimenteller audiovisueller Arbeiten ist es in der Schweiz gut bestellt. Über den musealen Kontext hinaus gibt es verschiedene Festivals, die sich auf ihre Präsentation spezialisiert haben.
Teresa Vena 1. November 2024
Dient ein Ort als Schauplatz für Dreharbeiten, kann es ihn auf die Wunschliste von Reisenden bringen. Auf diese Weise kam auch jüngst ein Schweizer Dorf zu besonderer Aufmerksamkeit, was zu unerwarteten Konsequenzen führte.
Die Schweiz steht bei den Südkoreanern schon seit längerem an fünfter Stelle der beliebtesten Reiseziele. Das hat sich nur bestätigt, seit eine der auf Netflix erfolgreichsten koreanischen Serien hier spielt. Die Serie hat die Schweiz aber auch für viele andere, nicht nur asiatische Nationen, zusätzlich attraktiv gemacht. In «Crash Landing on You» geht es um die unmögliche Liebesgeschichte zwischen einer reichen Konzernchefin aus Südkorea und einem nordkoreanischen Soldaten. Die Schweiz wird darin zu ihrem Ausweichort. Die Dreharbeiten fanden 2019 für etwa 10 bis 12 Tage mehrheitlich im Kanton Bern statt. Szenen wurden unter anderem auf der Panoramahängebrücke in Sigriswil und an einer Bootsanlegestelle in Iseltwald aufgenommen, beide Orte wurden zu ikonischen Motiven. Nach Iseltwald reisen seitdem tatsächlich viele Tausende Menschen, um sich auf dem Bootssteg fotografieren zu lassen, auf dem in einer Szene der männliche Protagonist auf einem Klavier spielt.
Laut verschiedenen Quellen sollen sich weltweit ungefähr 40 Prozent der Reisewilligen bei der Wahl ihres Ziels durch Filme oder Serien inspirieren lassen. Marie-Theres Tropsch von Wien Tourismus zitiert den Travelsat-Index des Brüsseler Online-Marktforschungsunternehmes TCI Research, nach dem sich eine von zehn Personen aus diesem Grund für einen Besuch von Wien entscheide. Für ihre Dienststelle handle es sich um einen sehr einträglichen Markt, den sie intensiv bearbeite. Vorgemacht haben es etwa Grossbritannien, das «Setjetting» als wichtigen Aspekt seiner «Visit Britain»-Kampagne betrachtet, oder Neuseeland, das die Drehorte von «Herr der Ringe» spezifisch vermarktet hat. In Grossbritannien führt man zum Beispiel die Mehreinnahmen von 5 Millionen Pfund, die der Reiseverkehr in Bath in kurzer Zeit erzielte, auf den Besuch des Küstenortes durch Fans der Serie «Bridgerton» zurück.
Potenzial haben auch die auf 400'000 geschätzten Gäste pro Jahr in Iseltwald. Sie kommen mit dem Schiff über den Brienzersee oder nutzen das Angebot der Postauto AG, das sich seitdem auf über 30 Hin- und Rückfahrten am Tag verdoppelt hat. Ein Abflachen des Interesses ist vorläufig nicht zu erwarten. Ein örtliches Hotel wirbt mit der Serie, die Gäste in den Restaurants haben sich laut Angaben verdoppelt. Das knapp 400 Einwohner zählende Dorf sei durch die Entwicklung überfordert, so heisst es in den Medien. Interlaken Tourismus gibt sich verschwiegen. Erwähnt werden aber ein Mehraufwand bezüglich Abfallentsorgung und die Befürchtung, es würden bald Kosten für Strassensanierung fällig.
Mit der Vergabe von kostenpflichtigen Parkplätzen für Reisebusse, einer Gebühr für die Benutzung der öffentlichen Toilette und einem Eintritt von 5 Franken für den berühmten Steg versucht Iseltwald, einen finanziellen Ausgleich zu erzielen. Alleine der Zugang zum Steg soll nach Angaben der Gemeinde für 2024 100'000 Franken an Einnahmen einbringen.
Mit dem Stichwort «Übertourismus» stopften seriösere wie weniger seriöse Medien mit oft übertriebener Berichterstattung ihr diesjähriges Sommerloch, nicht selten mit einem fremdenfeindlichen Unterton. Massentourismus ist allerdings kein neues Phänomen, mit dem gestiegenen Wohlstand bestimmter Regionen der Welt beteiligt sich einfach nur ein grösserer Teil der Menschheit daran. Wie dem auch sei, für Einheimische kann es zweifelsohne zu negativen Auswirkungen wie Verkehrsstau, Vandalismus oder Preissteigerungen kommen. In der Schweiz zeigen sich Anzeichen des «Übertourismus»-Problems zum Beispiel in Grindelwald, wo die Jungfraubahnen bis zu 4000 Menschen in der Stunde auf die Berge schleusen, oder Lauterbrunnen, dessen Landschaft ebenfalls in verschiedenen international vermarkteten Filmen zu sehen war.
Die Schweiz habe in Bezug auf Tourismusauslastung noch Kapazitäten, meint andererseits Martin Nydegger von Schweiz Tourismus in der Frankfurter Allgemeinen. Alles hänge von der Vermarktung ab. Dafür arbeitet Schweiz Tourismus unter anderem mit Markenbotschaftern zusammen, etwa mit dem indischen Schauspieler Ranveer Singh, der das in den letzten Jahren abflachende Interesse an der Besichtigung von Bollywood-Drehorten wieder stärken soll, oder mit neuen Akteuren wie dem US-amerikanischen Influencer-Paar Amanda und Wally Koval, die mit «Accidentally Wes Anderson» weltweit Reisetipps zu Zielen geben, die an das Anderson-Universum erinnern.