Verleiher, Journalist und Journalistinnen und Festivalleiter sprachen dabei über die zunehmende Marginalisierung fundierter Filmkritik. Christian Jungen, Direktor und neu Miteigentümer des Zurich Film Festival, verteidigte die restriktivere Akkreditierungspolitik seines Hauses mit dem Argument, dass nur diejenigen freien Zugang erhalten sollten, die tatsächlich journalistisch arbeiten – nicht bloss «Filmliebhaber».
Im Zentrum der Diskussion stand jedoch ein tieferliegendes Problem: Der wachsende ökonomische Druck auf Redaktionen führt dazu, dass vertiefte Auseinandersetzungen mit künstlerisch anspruchsvollen Filmen immer seltener Platz finden. Filmjournalistin Denise Bucher schilderte eindrücklich, wie sich in den grossen Medienhäusern die Kulturberichterstattung stark verändert habe: Statt einer differenzierten Kritik dominiere heute der Wunsch nach klickstarken Themen. Anspruchsvolle Filme hätten es dadurch zunehmend schwer, Gehör zu finden.
Filmjournalist Patrick Wellinski wies zudem auf die wachsende Zurückhaltung grosser Studios hin, ihre Filme bei Festivals wie Venedig zu zeigen – aus Sorge vor negativen Kritiken, die sich wirtschaftlich auswirken könnten. So würden Festivals nicht mehr als Plattform zur ernsthaften Diskussion genutzt, sondern zunehmend gemieden. Die Folge: Gleichförmigkeit in der Berichterstattung, standardisierte Interviewformate und ein Verlust an Vielfalt und Tiefe in der Filmkritik.