Die RTS baut in Ecublens ihre neue Produktionsmaschine
Der neue Standort auf dem Campus der EPFL vereint Radio, Fernsehen und Digitales unter einem Dach. Der Fokus liegt auf Öffnung gegenüber dem Publikum, Modularität und Bündelung der Mittel.
Teresa Vena 10. Januar 2025
Der Bund überlegt, seinen Beitrag am Auslandsangebot der SRG zu streichen. Das bringt unter anderem die Beteiligung der Schweiz an den internationalen Sendern 3sat und TV5 Monde in Gefahr. Der Fortbestand von 3sat ist zusätzlich von der aktuellen deutschen Medienpolitik bedroht.
Vor genau 40 Jahren hat sich die Schweiz mit ihren Nachbarländern verpflichtet, bei den beiden Fernsehsendern 3sat und TV5 Monde mitzuwirken und audiovisuelle Inhalte auszutauschen. Die Schweizer Beteiligung am Programm beträgt 10 beziehungsweise 9 Prozent, und die Verantwortung dafür übernimmt jeweils eine eigene Stelle innerhalb des SRG-Apparats. Die SRG trägt auch die Hälfte der Kosten für die Zusammenarbeit mit den Sendern, die andere Hälfte übernimmt der Bund.
Das Budget für das medienpolitische sogenannte Auslandsangebot, das zusätzlich die Betreibung der italienischsprachigen Internetplattform Tvsvizzera.it und das mehrsprachige Onlinemagazin Swissinfo beinhaltet, möchte der Bund nun ab 2027 allerdings nicht mehr aufbringen und damit insgesamt 18,9 Millionen Franken im Jahr einsparen. Der Bund bringt damit die Gesamtheit dieser Aktivitäten in Gefahr, denn dass es für die SRG schwierig sein wird, sie alleine fortzuführen, sagte bereits der ehemalige SRG-Generaldirektor Gilles Marchand im Interview vor Ende seiner Amtszeit.
Das Angebot richtet sich an die aktuell 800'000 Auslandsschweizer und -schweizerinnen, indem man ihnen mit dem auf Informationsformate fokussierten Programm die Verbindung zur Schweiz erleichtern will. Darüber hinaus ist es ein einflussreiches kulturpolitisches Instrument.
«Im deutschsprachigen Raum ist dies ein einmaliges Angebot, bei dem die länderspezifischen Sichtweisen, gesellschaftliche Strömungen, wissenschaftliche Forschung und kulturelle Produktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vereint sichtbar werden. Es zeigt eindrücklich die Vielfalt und den kulturellen Reichtum des Sprachraums», erklärt Rajan Autze als Projektleiter von 3sat beim SRF. Das Gleiche gelte auch für TV5 Monde. «Wir profitieren von der Tatsache, dass die frankophone Gemeinschaft die fünftgrösste der Welt ist (380 Millionen Menschen sprechen weltweit Französisch). TV5 Monde geniesst zudem grosses Vertrauen und Ansehen», sagt Sylvie Fasel Berger, die Verantwortliche für TV5 Monde beim RTS. Die Sendungen erreichen über 400 Millionen Haushalte im Jahr, die höchsten Einschaltquoten mit 730'000 Zuschauern und Zuschauerinnen pro Ausstrahlung fallen auf die Tagesnachrichten von 19:30 Uhr. Zum Programm gehören zudem Formate, die gesellschaftliche und kulturelle Themen behandeln. In der Regel werden dafür Sendungen ausgestrahlt und allenfalls angepasst, die bereits bei der SRG produziert worden sind. Gleich verhält es sich auch bei den gezeigten Filmen und Serien.
“Schweizer Inhalte werden sehr geschätzt, wie das Auslandsmandat zeigt”Sylvie Fasel Berger
Beide Sender bieten also Schweizer Inhalten eine grosse Sichtbarkeit, die angesichts des bescheidenen Heimmarktanteils von Schweizer Produktionen nicht zu vernachlässigen ist. «Das eröffnet unseren Autoren, Künstlern und Technikern neue Perspektiven», sagt Marchand, und Autze präzisiert: «Auf Produktionsebene fördert 3sat die Zusammenarbeit unter ARD, ZDF, ORF und SRG und schafft Synergien». Auf der Mediathek von TV5 Monde konnte eine Schweizer Serie grossen Erfolg verbuchen: «Wilder» war zwei Jahre lang an der Spitze der meist abgerufenen fiktionalen Serien. «Schweizer Inhalte werden sehr geschätzt, wie das Auslandsmandat zeigt», so Fasel Berger. Ein anderes Beispiel, in Bezug auf 3sat, ist der Schweizer Tatort «Von Affen und Menschen»: Er wurde für den diesjährigen Publikumspreis nominiert.

Nun möchte der Bund auf diese Kanäle verzichten. Bei den Einsparungen hier anzusetzen, scheint einfach. Doch abgesehen davon, dass natürlich mehrere Stellen gefährdet sind (die Abschaffung des Auslandsangebots soll 100 Festangestellte und weitere 100 freie Mitarbeiter betreffen), sind solche Aktivitäten im Bereich der Aussenkulturpolitik von grossem Wert: «Wir haben Jahre gebraucht, um dieses einzigartige Netzwerk aufzubauen, das meiner Meinung nach der Schweiz viel mehr bietet, als es den Bund kostet», fasst Gilles Marchand zusammen.
Wie sich der Bund bezüglich der Subventionen nun entscheiden wird, ist das eine. Der Weiterbestand von 3sat hängt in hohem Masse auch von der deutschen Medienpolitik ab. Seit der Einführung des obligatorischen Rundfunkbeitrags 2013 (aktuell 220,32 Euro im Jahr) begehren die Sender eine stetige Erhöhung, um ihrem Auftrag gerecht werden zu können. Darüber entscheiden die Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer gemeinsam und bisher immer zugunsten der Sender. Verlangt werden nun aber als Voraussetzung einer erneuten Erhöhung des Beitrags ab 2025 interne Umstrukturierungen - und 3sat könnte diesen zum Opfer fallen.