«Der Kinofilm steht mit der Digitalisierung stark unter Druck, aber mit über 10 Mio. Eintritten bleibt das Kino zentral»
Thomas Tribolet. © Adrian Moser

«Der Kinofilm steht mit der Digitalisierung stark unter Druck, aber mit über 10 Mio. Eintritten bleibt das Kino zentral»

Adrien Kuenzy 10. Juni 2025

Im Anschluss an den BAK-Newsletter vom April 2025 analysiert Thomas Tribolet, Koordinator des Bureau de liaison GARP-IG-SFP die Auswirkungen der Haushaltsankündigungen. Interview.

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Am 17. April 2025 hat die Sektion Film des Bundesamtes für Kultur (BAK) durch ihre Co-Leiter Nadine Adler Spiegel und Laurent Steiert die Branche über mehrere Budgetanpassungen informiert. Der Newsletter erläutert im Detail die Auswirkungen auf die Unterstützung des Kulturschaffens und die interne Funktionsweise vor dem Hintergrund umfassenderer Einschränkungen auf Bundesebene.

Auch wenn der Wille zur Transparenz begrüsst wird, fragen sich die Filmschaffenden, welche konkreten Auswirkungen diese Massnahmen kurz- und mittelfristig haben werden. Um die Herausforderungen besser zu verstehen, haben wir die Meinung von Thomas Tribolet, Rechtsberater der Erzeugerverbände und Koordinator des Verbindungsbüros GARP-IG-SFP, eingeholt.

Was halten Sie von den angekündigten Kürzungen?

Die Verwaltung ist mit den «von oben diktierten» Sparmassnahmen stark unter Druck, das ist zweifellos eine schwierige Ausgangslage. Dass die Verwaltung unmittelbar vor der Vernehmlassung zu den Filmförderkonzepten 2026 ff entschieden hat, die Organisation der selektiven Filmförderung anzupassen hat für viel Unruhe gesorgt und war voreilig. Hingegen ist es nachvollziehbar, dass bei Anlässen gespart wird. Bei der Diskussion um die neuen Filmförderkonzepte ab 2026 müssen die finanziellen Rahmenbedingungen unbedingt auch mitgedacht werden. Dabei kann sich auch die Frage stellen, welche Geld vom Bund kommen und welche direkt aus der Filmbranche.

Wie sehen Sie die Rolle der Branche selbst, um mit dieser Situation umzugehen?

Ich glaube wir müssen verstehen, dass das BAK in den nächsten Jahren finanziell stark unter Druck sein wird. Gemeinsam mit der Sektion Film müssen wir hier nach sinnvollen Lösungen suchen. Wir haben mit Succès cinéma und dem FiSS neben der selektiven Filmförderung spannenden Instrumente. Wir müssen uns darauf konzentrieren, dass diese drei guten Pfeiler nicht abgebaut werden.

Welche Auswirkungen erwarten Sie mittelfristig in Bezug auf die Vernehmlassung zur Verordnung über die Filmförderung und die Umsetzung der «Lex Netflix»?

Der Kinofilm steht mit der Digitalisierung stark unter Druck, aber mit über 10 Mio. Eintritten bleibt das Kino zentral. Der Schweizer Film hatte 2024 einen Marktanteil von über 9 Prozent. Diese guten Entwicklungen sollten durch den Bund gestärkt werden und das bedeutet auch, dass Succès cinéma eher aus- als abgebaut werden soll. Mit der neuen Verordnung zur Investitionspflicht verfügen wir über eine gute Grundlage, hier müssen wir vor allem beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Nach Ablauf der ersten vier Jahre (2024 – 2027) müssen wir Schlussfolgerungen ziehen und danach entscheiden, wo Anpassungen in der Filmförderung notwendig werden.

Welche Lehren ziehen Sie aus dieser Situation?

Die Sparmassnahmen des Bundes müssen irgendwie durch die Verwaltung umgesetzt werden. Dabei hat die Verwaltung aber leider einen sehr engen Spielraum wo die Sparmassnahmen richtig umgesetzt werden können. Wir müssen längerfristig die Struktur anpassen. Hätten wir bereits heute ein eigenständiges «Centre national du cinéma», könnten Sparmassnahmen gezielter eingesetzt werden.

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