Die im Rahmen eines Koproduktionsabkommens produzierten Filme profitieren von einem Anschluss an die Filmförderstellen, von der Finanzierung bis zum Vertrieb, der jeweiligen Länder. Solche Abkommen abzuschliessen, kann ein langwieriger Prozess sein. Bei der Wahl dieser Partnerschaften kommt es auf verschiedene Faktoren an: Gemeinsamkeiten auf institutioneller Ebene und kulturelle sowie soziopolitische Verbundenheit.
Im Dezember unterzeichneten die Niederlande ein Abkommen mit Indonesien, nachdem 2015 eines mit Südafrika zustande gekommen war. Auch im Verhältnis mit Surinam wachsen die Bemühungen einer kulturellen Zusammenarbeit über den Film (ein Dokumentarfilmprojekt und der Aufbau von Infrastruktur), und schliesslich entstehen Programme (die Ausschreibung für Kurzfilme «Studio Caribe»), die künstlerische Stimmen aus den niederländischen Karibik-Inseln gezielt fördern sollen.
Ilse Ronteltap, die Leiterin der internationalen Abteilung des Nederlands Filmfonds, des nationalen niederländischen Filminstituts, betreut all diese Initiativen. «Es dauerte drei Jahre, bis das Abkommen mit Südafrika zustande kam, und das war nur der Anfang», erinnert sie sich. Nach der Unterzeichnung ging es darum, gemeinsame Massnahmen für eine fruchtbare Zusammenarbeit zu entwickeln. 2021 trat das entsprechende Thuthuka-Programm in Kraft, das seitdem 14 Projekte in ihrer Entwicklung und eins in seiner Herstellung förderte. «Brace Yourself» wird das Langfilmdebüt der südafrikanischen Regisseurin Thati Pele sein und wartet auf seine Veröffentlichung. «Wir wollen Stoffe unterstützen, die sich für ein breiteres Publikum in beiden Ländern eignen», erklärt Ronteltap. Es sollen Werke entstehen, an denen beide Seiten in der Autorschaft und in der Produktion involviert sind.
Für ein breites Publikum
Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit Indonesien. Das Ziel ist auch hier, geeignete Förderprogramme zu entwickeln. Mangels einer strukturellen lokalen öffentlichen Filmförderung iegt der Fokus im Aufbau von internationalen Netzwerken zwischen Produktionsunternehmen. Es sind denn auch Produzenten und Produzentinnen, die überhaupt am Ursprung dieser Bemühungen um offizielle Koproduktionsabkommen stehen, betont Ronteltap: «Sie sind es, die Geschichten umsetzen wollen, die einen Bezug zu diesen Ländern haben».
So ergeht es auch Produzent Sander Verdonk von New Amsterdam, der 2021 «De Oost» des indonesisch-stämmigen niederländischen Regisseurs Jim Taihuttu in Indonesien drehte. Das Drama, das den indonesischen Unabhängigkeitskrieg thematisiert, hat beim niederländischen Filmpreis und in der Auswertung, unter anderem über Amazon, grossen Erfolg erzielt. In Indonesien ist er so angesehen, dass er vielerorts am Tag der Unabhängigkeit vorgeführt wird. Verdonk bereitet gerade die Verfilmung des Romans «Pulang» der Indonesierin Leila Chudori und die Serie «Hemelrijk», verantwortet wiederum von Taihuttu, vor: «Für die Serie bauen wir eine Teeplantage bei Bandung auf», sagt er. «Arbeitskräfte sind günstig und sehr effizient». Weil es aber an offiziellen Fördermassnahmen, wie etwa einer Standortförderung, fehlt und die Finanzierung aus den Niederlanden kommt, müssen die Mittel den Vorgaben gemäss auch mehrheitlich in niederländische Mitarbeiter investiert werden. Das bedeutet bisher für Verdonks Projekte, dass Einheimische nur in untergeordneten Positionen eingesetzt werden können. «Die Koproduktionsvereinbarung soll eine ausgewogenere Zusammenarbeit zwischen niederländischen und indonesischen Filmschaffenden gewährleisten», hält nochmals Rondeltap fest. «Die indonesische Industrie befindet sich im Ausbau. Das Potenzial ist riesig. Hier haben einheimische Filme einen Marktanteil zwischen 60 und 70 Prozent, in den Niederlanden sind es 17 Prozent», schwärmt Verdonk weiter. Die Affinität zum Genrefilm, die Indonesien mit den Niederlanden teilt, sieht er ebenfalls als Vorteil für eine längerfristige Zusammenarbeit.
Dass die Stoffe ihr Publikum finden, zeigen Filme wie «Sweet Dreams» von Ena Sendijarević (Indonesien) und «Buladò» von Eché Janga (Curaçao), die beide als niederländische Oscar-Beiträge für den besten fremdsprachigen Film ausgewählt wurden. Beide liefen auf dem wichtigsten Festival für niederländische Filme in Utrecht und gewannen dort mehrere Auszeichnungen. «Carissa» von Jason Jacobs und Devon Delmar (Südafrika) feierte seine Premiere am Festival von Venedig. Die Niederlande tragen mit diesen Initiativen aktiv dazu bei, dass ihre audiovisuellen Produkte vielschichtige Geschichten transportieren und Personen mit verschiedenen Wurzeln vor und hinter der Kamera eine Stimme geben.