Alexandra Lebret: Die Entwicklung der Ressourcen begleiten
Alexandra Lebret © Sandrine Expilly

Alexandra Lebret: Die Entwicklung der Ressourcen begleiten

Die Fragen stellte Adrien Kuenzy 26. September 2024

Die Geschäftsführerin des European Producers Club spricht über die Aufgabe des Verbandes und die aktuellen Herausforderungen in der Filmfinanzierung.

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Wie würden Sie die Hauptaufgabe des European Producers Club beschreiben?

Der European Producers Club (EPC) wurde 1993 gegründet, um die kulturelle Vielfalt in Europa gegen den internationalen Druck zu verteidigen und mit dem Ziel audiovisuelle Formate in das General Agreement on Trade in Services (GATS) aufnehmen zu lassen. Seitdem sind unsere Aufgaben stetig gewachsen. Wir kämpfen für den Erhalt der inhaltlichen Vielfalt und unterstützen unabhängige Produzenten und Produzentinnen, indem wir ihnen Finanzierungsmöglichkeiten und Handlungsfreiheit bieten. Wir sind ein europäisches Netzwerk mit fast 200 Mitgliedern.

Wie unterstützt der EPC seine Mitglieder gegenüber den Herausforderungen des globalen Marktes und der internationalen Plattformen?

Der EPC unterstützt seine Mitglieder, indem er ihnen den Zugang zu Plattformen und zum internationalen Wettbewerb erleichtert. Wir fungieren als «Vermittler», indem wir unsere hervorragenden Kontakte zu Streamern nutzen. Diese haben wir aufgebaut, weil wir uns mit den Plattformen auf politischer Ebene gegenübertreten müssen, und wir ebenfalls ihre Kunden sind. Wir organisieren regelmässig Online-Veranstaltungen mit Verantwortlichen für Fiktion, die erklären, was sie wo suchen. Das hilft unseren Mitgliedern, sich auf dem globalen Markt zurechtzufinden. Darüber hinaus fungiert der EPC als Marke und bietet seinen Mitgliedern eine erhöhte Sichtbarkeit und schnelle Antworten. Wir fördern auch den Austausch zwischen Produzenten und Produzentinnen, um Innovationen zu teilen. In diesem Jahr haben wir Arbeitsgruppen zu künstlicher Intelligenz ins Leben gerufen, die es den Produzenten ermöglichen, KI-Lösungen zu testen und auszutauschen. Diese Initiativen waren sehr erfolgreich und wir werden diesen Weg weitergehen.

Können Sie erklären, wie der EPC seinen Ruf aufgebaut hat?

Das war ein langer Prozess. Öffentliche Auftritte und Sichtbarkeit spielen eine entscheidende Rolle. Heute sind wir aufgrund unserer Grösse, nicht mehr von der Filmlandschaft wegzudenken. Wir arbeiten mit Produzenten und Produzentinnen zusammen, die die grössten Erfolge in Europa erzielen, was unsere Position ebenfalls stärkt. Wir sind auch für unsere Flexibilität bekannt; wir verschliessen uns nie vor neuen Ansätzen. Wir verteidigen nicht nur eine Position, sondern arbeiten daran, den audiovisuellen Sektor als Ganzes zu verbessern.

Welche sind die grössten Probleme, denen Produzenten und Produzentinnen bei der Finanzierung ihrer Filme begegnen?

Heute stellt die Inflation die grösste Herausforderung dar. Die Herstellungskosten sind in die Höhe geschnellt und die verspätete Erneuerung von Steuergutschriften, wie in Italien unter Giorgia Meloni, hat dazu geführt, dass Techniker monatelang arbeitslos waren. Obwohl es wichtig ist, etwas gegen diese Situation zu unternehmen, bleiben die Lösungen ungewiss. Da das Produktionsvolumen sinkt, wird es notwendig, die Belegschaft anzupassen. Künstliche Intelligenz wird auch als Hebel zur Kostensenkung gesehen, während die Finanzierung für viele Projekte immer knapper wird. Trotzdem zeigen Erfolge wie die Serie «Marie Antoinette», die international erhebliche Einnahmen generiert hat, dass es immer noch möglich ist, neue Investoren zu gewinnen. Der Markt wird umstrukturiert, wobei die private Finanzierung zunimmt. Wenn diese Mittel jedoch projektbezogen investiert werden, bleiben die Schwierigkeiten, die mit der Koordinierung der Investitionsrendite und der Mindestgarantie eines internationalen Verleihers verbunden sind. Die Mindestgarantien der nationalen und internationalen Verleiher werden tendenziell abgeschafft und durch private Finanzierungen ersetzt. Diese Investitionen bleiben ehrgeizigen Projekten vorbehalten, während sich neue Fonds herausbilden, die bereit sind, gemessene Risiken einzugehen und bestimmte «Slates» oder Genres zu unterstützen.

Welches sind die Hauptprofile von Privatinvestoren in der Filmindustrie und wie unterscheiden sich ihre Motive von denen traditioneller Geldgeber?

Im Allgemeinen unterscheidet man drei Motivationen für einen Investor: emotional, industriell und finanziell. Das emotionale Kriterium betrifft diejenigen, die investieren, um bei Festivals wie Venedig oder Cannes präsent zu sein, ohne notwendigerweise eine finanzielle Rendite anzustreben; diese Art von Investition bleibt in der Minderheit. Zweitens betrifft das industrielle Kriterium Marken wie Chanel oder Cartier, die hauptsächlich für die Produktplatzierung und die Aufwertung ihres Rufs investieren. Das finanzielle Kriterium schliesslich konzentriert sich auf die Rendite. Investoren, die sich von diesem Kriterium leiten lassen, führen strenge Berechnungen durch und kennen sich in der Branche gut aus.

Welche Forderungen bezüglich Rendite und kreative Kontrolle bestehen seitens privater Investoren im Vergleich zu öffentlichen Geldergebern?

In der Regel tritt der private Investor am Ende der Finanzierung auf und finanziert die letzten 20 bis 30 Prozent. Die Analyse des Investors basiert hauptsächlich auf dem Potenzial des Projekts, wie es in einem bereits fortgeschrittenen Zustand präsentiert wird; ihr kreativer Beitrag ist nicht unbedingt von grosser Tragweite. In Frankreich hingegen arbeitet ein Unternehmen wie Logical Pictures, das Geld vom Europäischen Investitionsfonds (EIF) erhalten hat, um in Projekte zu investieren, partnerschaftlich mit Pathé zusammen. Sie können im Vorfeld Informationen über die internationale Rentabilität austauschen. Die eigentliche Frage ist heute, wie die Rückzahlungskorridore aller beteiligten Akteure koordiniert werden können. Das ist eine wirklich komplexe Frage. Am einfachsten ist die Situation, wenn es noch keinen internationalen Verleiher gibt oder wenn der internationale Verleiher keine Mindestgarantie festlegt. Dies bedeutet jedoch, dass das Projekt noch nicht weit fortgeschritten ist. Hier liegt ein Widerspruch vor, den der Markt sicherlich korrigieren wird. Der private Investor verlangt immer, dass er als erster zurückgezahlt wird, sobald er der ersten Franken geflossen ist. Dies steht in Konkurrenz zum internationalen Verkäufer.

Was sind Ihrer Meinung nach die zukünftigen Entwicklungen im Bereich der alternativen Filmfinanzierung in Europa?

Der Begriff «alternativ» ist nie wirklich angemessen. Alles entwickelt sich weiter, nichts geht verloren, alles wird umgewandelt, um eine grundlegende Lektion aus der Chemie zu bemühen. Wir erleben auch einen harten Wettbewerb von Fernsehsendern und Online-Plattformen um den Zugang zu öffentlichen Geldern, was überraschend erscheinen mag, sich aber durch die derzeitige inflationäre Situation erklären lässt. Diese Fonds müssen unbedingt um jeden Preis erhalten werden, da sie zur Unterstützung des unabhängigen Sektors konzipiert wurden.

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