Vertrauen und Transparenz
Dea Gjinovci © Annika Schönfeldt
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Vertrauen und Transparenz

Teresa Vena 9. Januar 2026

Das Verhältnis zwischen Produktionsfirmen und jungen Filmschaffenden ist ein Schwerpunktthema der Solothurner Filmtage.

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Die Gründung verschiedener Filmkollektive in letzter Zeit sei ein Zeichen dafür, dass die junge Generation von Filmschaffenden in der Schweiz Schwierigkeiten habe, geeignete Produktionsfirmen zu finden. Dabei spiele ein mangelndes Verständnis für die Vielfalt der Perspektiven der jungen Kreativen und ihre Haltung zu Arbeitsabläufen eine wesentliche Rolle. Der Grund dafür könnte ein Generationenkonflikt sein.

Dies ist die Prämisse, von der die Solothurner Filmtage ausgehen und die sie im Rahmen eines Podiumsgesprächs während des Branchentreffens SoPro diskutieren wollen. Migros Story Lab unterstützt das Vorhaben mit einer eigenen Gesprächsrunde. Einige der Teilnehmenden kommen bereits hier zu Wort.

Sich verstanden zu fühlen, das ist sicher eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Dass dies aufgrund von unterschiedlichen kulturellen Horizonten Schwierigkeiten bereiten kann, ist nicht ausgeschlossen und kann sich schon in der Ausbildung manifestieren. So erzählte eine junge Studentin von einem Konflikt mit einer Dozentin, die bei einem Projekt, das ein persönliches Porträt eines der Studentin nahestehenden Menschen werden sollte, auf die ausdrückliche Thematisierung von Herkunft und Migration drängte. Die Reproduktion eines einseitigen gesellschaftlichen Diskurses stand dem künstlerischen Ansatz im Weg. Das ist aber kein Problem der jungen Generation: Die Filmemacherin und Autorin aus Zimbabwe Tsitsi Dangaremba studierte Ende 1980er Jahre in Berlin. Ihr Dozent wies ihr dokumentarisches Projekt über die Beziehung schwarzer Frauen zum Thema Haare mit der Begründung ab, «ihre Leute» hätten existentiellere Probleme, denen solle sie sich widmen.

Die junge Generation des Schweizer Filmnachwuchs weist mittlerweile eine markant grössere Vielfalt an Herkunftsgeschichten auf. Dass diese erzählt werden wollen und Einfluss auf das Bild des Schweizer Films haben werden, versteht sich von selbst.

“Es ist nicht an uns junger Generation, uns den Erwartungen der älteren anzupassen, sondern umgekehrt”
Tabarak Allah Abbas

Mut beweisen

«Es ist nicht an uns junger Generation, uns den Erwartungen der älteren anzupassen, sondern umgekehrt», sagt Tabarak Allah Abbas im Cinébulletin-Podcast «Relève». Damit meint sie, dass sie einer Generation angehöre, die mit anderen Referenzen und künstlerischer wie gesellschaftlicher Prägung aufgewachsen sei. «Als ich für meinem Animationsfilm im Stile der japanischen Animes eine Produktionsfirma suchte, wurde ich mit der Begründung man mache sowas in der Schweiz nicht, abgewiesen», erzählt sie. Mit Hartnäckigkeit und aus Notwendigkeit wurde sie zu ihrer eigenen Produzentin. Ihr Film «Mawtini» feierte internationale Erfolge, Abbas arbeitet jetzt an ihrem ersten Langspielfilm «Kiosk», nach ihren Angaben eine Tragikomödie. Unterstützt wird sie von Akka Films, die den Mut bewiesen, «aus der eigenen Komfortzone herauszukommen».

Davor scheut auch der Produzent Michael Graf von Cloud Haze Pictures nicht zurück. «Ich interessiere mich zuerst für Stimmen und dann für Stoffe», sagt er. Sein Portfolio ist sehr vielseitig, er ist offen für verschiedene Perspektiven. Er arbeitet mit Luis De Filippis, die sich mit Geschlechteridentität auseinandersetzt, mit Loïc Hobi an seinem «queeren» Thriller «Bad Gays», oder mit Davide Tisato an dessen erstem langen Dokumentarfilm, um nur einige jüngere Filmschaffende zu nennen. Aus seiner Sicht liegen die Herausforderungen bei der Arbeit mit Nachwuchsfilmschaffenden unter anderem am langwierigen Finanzierungsprozess. Das müsste schneller und einfacher möglich sein. Eine lange Entwicklungszeit könne daher zur Bewährungsprobe werden.

Vertrauensverhältnis

Für die Projekte mit «punkigem» Charakter, meint Ciel Sourdeau, sei es nicht immer sinnvoll, eine Produktionsfirma hinzuzuziehen. Diese Arbeiten verfolgen eine radikale Ästhetik - beispielsweise über den Einsatz von Camcordern - die ein Publikum ansprechen, das sich für experimentelle oder fantastische Filme sowie für Fragen der Geschlechtsidentität interessiert. Um aber ein grösseres Publikum für diese Themen zu sensibilisieren, arbeitet Sourdeau mit Flavia Zanon von Close Up Films zusammen, die Sourdeau während der Ausbildung kennenlernte und Sourdeaus Kurzfilm «Sky Rogers: manager de star» produzierte. «Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, Arbeitspartner zu diesen Fragen zu erziehen.» Deswegen sei es wesentlich sich mit Menschen zusammen zu tun, die eine Sensibilität dafür bereits mitbrächten. Auf diese Weise entstünden Synergien abseits eines opportunistischen Zeitgeistes, wie es für den Kurzfilm «Drains of You», koproduziert von Close Up Films und einem französischen Partner, geplant ist.

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Ciel Sourdeau © zvg

Vertrauen stehe für sie an erster Stelle, sagt Dea Gijnovci. Sie arbeitet gerade mit Produzent Ivan Madeo von Contrast Film an ihrem dritten langen Dokumentarfilm «Sisters Act». Bei ihrem Erstling habe ihre Unerfahrenheit mit den Gepflogenheiten in der Industrie für Reibereien gesorgt. «Ich kannte mich mit Verträgen nicht aus», sagt sie. Die Arbeitsabläufe waren ihr auch nicht vertraut, was zu Missverständnissen und der Verkomplizierung von einzelnen Prozessen führte. «Mir hat in erster Linie Transparenz gefehlt», erklärt sie. Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie ihre eigene Produktionsfirma, mit der sie ihren zweiten Film «La beauté de l'âne» realisierte. Sie will damit auch für andere junge Filmschaffende dasein, die eine Arbeitsweise auf Augenhöhe suchen. Bei Madeo habe sie dieses gegenseitige Verständnis ebenfalls gefunden. Sie schätzt bei diesem Projekt, das umfangreicher Recherchen bedarf, den Austausch und dass sie jemanden mit einer grösseren Erfahrung zur Seite hat. «Seit ich Deas Erstlingsfilm gesehen habe, weiss ich, dass sie ihren Weg machen wird», so Madeo.

Während SoPro der 61. Solothurner Filmtage finden zwei Podiumsgespräche (am Freitag 23.1. um 11.30 Uhr und Samstag 24.1. um 16 Uhr) zu diesem Thema statt.

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