Sich stark machen für nationale Kinder- und Jugendfilme
Filmstill aus der Serie «The Unreal» von Bonnie Dempsey. © Dyehouse Films

Sich stark machen für nationale Kinder- und Jugendfilme

Alexandre Ducommun 8. Januar 2026

In Irland verfolgt eine Produktionsfirma seit 15 Jahren ihren ganz eigenen Weg: Dyehouse Films produziert Realspielfilme mit starkem regionalem Bezug für das junge Publikum. Eine künstlerische Entscheidung, die fast gegen den Strom geht – und dennoch immer notwendiger wird.

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Dyehouse hat sich eine einzigartige Identität erschaffen: Weitab der vorherrschenden kommerziellen Muster erzählt die Produktionsfirma in Realverfilmungen Geschichten für Kinder und Jugendliche. Für Bonnie Dempsey und David O’Sullivan, Mitgründerin und Mitgründer des Studios, entstand diese Entscheidung aus einer gewissen Ermüdung: Nach Jahren, in denen sie formatierte Fernsehsendungen produzierten. «Wir haben aus einer Unzufriedenheit heraus begonnen, für ein junges Publikum zu produzieren», erzählt Bonnie. «Gleichzeitig war es aber auch eine Chance, sich Filmen zuzuwenden, die menschlicher sind und bei denen die Freude die treibende Kraft ist.»

Ein unlauterer Wettbewerb

In Irland Kinderfilme zu produzieren sei eine Herausforderung. In einem von internationalen Grosskonzernen gesättigten Markt hat das junge Publikum direkten Zugang zu unendlich vielen globalisierten Inhalten. Die grösste Hürde besteht darin, die Geldgeber zu überzeugen, dass auch eine viel bescheidenere regionale Geschichte die Herzen des Publikums erobern kann. Bonnie spricht von einem «gewissen Minderwertigkeitskomplex der Medien», der die positive Entwicklung des Kinder- und Jugendfilms behindert.

Dieses Ungleichgewicht verschärft sich in einem Land, wo Animationsfilme unter den Produktionen für das junge Publikum weit stärker vertreten sind als Realfilme. In Irland ist die Produktion von Animationsfilmen aufgeteilt in nationale Projekte und weitaus industriellere Produktionen, bei denen die Animation oft ins Ausland ausgelagert wird – ein Modell, das sich schlecht auf vor realen Kulissen gedrehte Spielfilme übertragen lässt. Um überhaupt bestehen zu können, erklärt David, setze ihre Produktionsstrategie auf das Konzept des «Co-Viewing» – ein Format, das für Kinder gedacht ist, aber zugleich auch die Eltern erreicht.

“Wir geben den Kindern das Gefühl, dass ihre Stimme zählt”
Bonnie Dempsey

Auf der Finanzierungsebene stützt sich Dyehouse auf ein Ökosystem mit verschiedenen Hebeln: den halböffentlichen Sender RTÉ Kids, die Coimisiún na Meán (Irlands Medienaufsichtsbehörde), den audiovisuellen Fonds Screen Ireland sowie die «Section 481», eine Steuergutschrift von bis zu 32 Prozent für Ausgaben auf irischem Staatsgebiet. «Immer mehr Förderstellen verlangen eine internationale Finanzierung», erklärt David. «Ziel ist es, eine gewisse wirtschaftliche Tragfähigkeit zu gewährleisten» – eine Dynamik, die vielversprechend ist, aber bisweilen die künstlerische Integrität unter Druck setzt.

Lokale Verankerung, internationales Echo

Trotz dieser Herausforderungen hält Dyehouse an der Bedeutung lokal verankerter Geschichten fest. Entgegen der vorherrschenden Meinung betrachtet die Produktionsfirma kulturelle Besonderheiten nicht als Hindernis, sondern als Stärke: Das junge Publikum interessiert sich für Geschichten, die in fremden Welten spielen. Die Teilnahme am Programm «Children’s Drama Exchange» der Europäischen Rundfunkunion, wo ein irischer Kurzfilm nebst Kinder- und Jugendfilmen aus ganz Europa gezeigt wurde, beweist, dass nationale Projekte international Anklang finden.

Die Tendenz einiger Länder, ihre heimische Kinder- und Jugendfilmproduktion zu reduzieren, beunruhigt Dyehouse: Wenn man Kindern keine Geschichten aus ihrer Umgebung bietet, entsteht ein «kulturelles Defizit». Gemäss Dempsey kommt genau hier das Engagement der Produktionsfirma zum Tragen: «Wir geben den Kindern das Gefühl, dass ihre Stimme zählt».

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Bonnie Dempsey und David O'Sullivan © Dyehouse Films
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Filmstill aus «Glitch» von Bonnie Dempsey. © Dyehouse Films
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Filmstill aus der Serie «The Unreal» von Bonnie Dempsey. © Dyehouse Films

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