In der Schweiz Kinderfilme produzieren
«Mein Name ist Eugen» von Michael Steiner © C-FILMS AG

In der Schweiz Kinderfilme produzieren

Teresa Vena 9. Januar 2026

Alle grossen Förderstellen in der Schweiz sind für Projekte im Bereich Kinder- und Familienfilm offen. Umgesetzt wird dennoch nur eine überschaubare Anzahl von Vorhaben, was zumindest in Teilen an den aktuellen Rahmenbedingungen für die Produktion liegt.

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Im internationalen Vergleich entstehen in der Schweiz auffällig wenig originäre Kinderfilme. Umgesetzt werden einzelne Literaturverfilmungen wie die kaum mehr zählbare Adaptationen von «Heidi» oder auch «Papa Moll». Erfreulich war der Erfolg von «Mein Name ist Eugen», da der Film einerseits den hohen Rang von Klaus Schädelins Vorlage, andererseits aber auch das Potenzial einer eindeutig in der Schweiz verorteten Handlung vor Augen führte. Solche Geschichten zu erzählen, die Identifikationsmöglichkeiten bieten und gleichzeitig ein junges Publikum zur Wertschätzung eines anspruchsvollen Films erziehen, sind von grosser Bedeutung. Wie alles braucht es dafür aber Erfahrung und ein System, das Ideen und Initiativen gedeihen lässt.

Für den Aufbau eines solchen Umfelds hat sich vor ein paar Jahren die AG Kinderfilm formiert, die auf nationaler Ebene breitgefächerte Lobbyarbeit leistet. Betrachtet man die Aktivitäten im Ausland, stecken diese Bemühungen noch in «Kinderschuhen». Es gilt hierzulande, auf allen Ebenen zu sensibilisieren, damit eine Weiterentwicklung der professionellen Befähigung möglich und unterstützende Massnahmen umgesetzt werden.

Bewusstsein schaffen

So gehört es beispielsweise dazu anzuerkennen, dass das Schreiben für ein Kinderpublikum anders ist als das für ein erwachsenes. In diesem Sinne hat das Migros-Kulturprozent im Rahmen seines «Double Film»-Mentoratsprogramms das Thema «Erzählen für Kinder» 2023 aufgegriffen (siehe CB 538) und der Filmemacherin Mirjam von Arx für ihr Projekt eine Beratung durch den Deutschen Dramaturgen Rüdiger Hillmer ermöglicht. Den Experten hat auch die Stiftung Suissimage für ihr vierjähriges Programm «Stoffentwicklung für Kinderfilme» zu Rate gezogen. Von 58 eingereichten Langfilmideen wurden 19 ausgewählt, die von Hillmer und anderen internationalen Fachleuten begleitet wurden. Dass Suissimage damit auf ein reales Bedürfnis reagiert, zeigt die relativ hohe Zahl der Anfangsgesuche (siehe CB 548). Die Stiftung setzt zudem ein Zeichen, indem auf die Förderung der Stoffentwicklung nun auch eine der Herstellung folgt. Bei Redaktionsschluss war noch nicht klar, welche Projekte über das Gesamtbudget von 1,5 Millionen Franken unterstützt werden, doch in Gesprächen mit Aspiranten und Aspirantinnen wurde klar, dass grosse Hoffnungen in diese Förderung gelegt werden. Auch weil das Vertrauen in die Anerkennung solcher Stoffe bei anderen Förderstellen eher gering ist.

In ihrem Jahresbericht von 2024 gibt die Zürcher Filmstiftung an, dass von 2021 bis 2024 insgesamt 47 Förderanträge für Filme für ein junges Publikum eingegangen sind. 17 wurden in der Entwicklung, 8 in der Herstellung gefördert. Proportional viele, nämlich 19 eingereichte Projekte, davon 4 in der Entwicklung und 3 in der Herstellung gefördert, fallen allein auf das Jahr 2024. Anträge für Kinderfilme machen insgesamt aber nur 5 Prozent aller eingereichten Fördergesuche aus. Bei Media Desk Suisse sehen die Zahlen nicht anders aus, obwohl Stoffe für ein junges Publikum von einem Bonus profitieren könnten. Jährlich werden zwischen bis zu fünf Projekte eingereicht und bis zu drei gefördert.

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«Mein Name ist Eugen» von Michael Steiner © C-FILMS AG

Man kann sich fragen: Werden wenig Kinderfilmstoffe gefördert, weil aus mangelndem Interesse wenig Unterstützungsgesuche eingereicht werden? Oder werden wenig Gesuche eingereicht, weil man sich zu tiefe Erfolgschancen verspricht? Grundsätzlich sind Schweizer Förderinstitutionen offen für solche Stoffe. Diese konkurrieren aber immer mit allen anderen, werden von den gleichen Kommissionen beurteilt und unterliegen den gleichen Erfolgs- und Auswertungsevaluationen.

Gezielt fördern?

Katrin Renz, Produzentin bei Tellfilm, hat zunehmend Erfahrung mit Kinder- und Familienfilmen. «Der Prank» ist eine Ko-Produktion mit Deutschland und ist entstanden dank des Programms «Der besondere Kinderfilm», das von allen deutschen Förderern und Fernsehsendern getragen wird und für jedes geförderte Projekt ein Budget von 3 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Hier zeigt sich sowohl eine eindeutige Positionierung für diese Filmgattung als auch der Wille entsprechendes Fachwissen zu bündeln.

Hoffnungen, so Renz, seien hochgekommen, dass auch in der Filmförderung des Bundesamts für Kultur ein neues Bewusstsein diesbezüglich entstehe, als die Sektionsleitung ankündigte, künftig den Kinder- und Familienfilm mehr als bisher zu bevorzugen. In den neuen Förderkonzepten 2026-2028 wird allerdings nur pauschal von einer «Genre-Vielfalt» gesprochen werden, worunter auch Kinderfilme fallen. Eine entsprechende Sensibilisierung der Kommissionen soll dahingehend stattfinden, dass auch kommerziellere Projekte ausserhalb des Festivalfilms gefördert werden können, erklärt Nadine Adler Spiegel, Co-Leiterin Sektion Film. Ausdrücklich Gewicht auf den Kinderfilm werde man also nicht legen. «Mit Sicherheit sind Familienfilme prädestiniert dazu ein breites Publikum zu erreichen, da sie mit ihrer Doppeladressierung sowohl junge als auch ältere Generationen anlocken. Wir wollen aber keine spezifischen Vorgaben machen. Die Branche soll frei sein, ihren Fokus selbst zu legen», sagt Adler Spiegel weiter.

“Die Branche soll frei sein, ihren Fokus selbst zu legen”
Nadine Adler Spiegel

Für Renz ist die Situation komplexer. Ein Kinderfilm ist automatisch teurer als andere Filme, weil die Produktion durch die, bedingt durch Vorschriften, reduzierten Drehzeiten für Kinder länger geht oder weil Kinder eine zusätzliche Betreuung benötigen. Gibt es bei den Entscheidungsträgern kein Verständnis für solche Bedürfnisse, konkurrieren diese Projekte mit anderen, die diesen Bedingungen nicht unterliegen, um das gleiche Budget. Gemäss der Erfahrung der Produzentin sei es auch unwahrscheinlich, dass man Onlineplattformen über «Lex Netflix»-Gelder für originäre Kinderfilmstoffe interessieren könne. Für Renz’ aktuelle Projekte, den Kinderfilm «Nella und das verrückte Haus an der Magnusstrasse» (Buch Julia Tal, Regie Karin Heberlein) sowie die minoritäre Koproduktion «Heart Beats» der Schweizer Regisseurin Johanna Lietha, sei die SRG bisher der vielversprechendste Partner.

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