Gleich mehrere afrikanische Förderungen kamen bei «Djeliya, mémoire du Mandé» zusammen. Der Dokumentarfilm von Boubacar Sangaré begleitet den jungen malischen Griot Sékou Timité auf seiner Bildungsreise durch Westafrika. «Dies ist das erste Projekt, dem mindestens drei nationale Fonds unabhängig voneinander ihre Unterstützung zusagten», so die burkinische Produzentin Mamounata Nikièma.
Die Zusammenarbeit ist nicht nur finanzieller Natur. «Es ist kein rein burkinischer Film», betont die Produzentin. Die Handlung zieht sich über sieben Länder hinweg, von Mail über Gambia bis Senegal und Guinea.
Ein entscheidender Moment für «Djeliya» war der Beitritt zu Sentoo im Jahr 2019. Das Programm zur Förderung der Zusammenarbeit unter afrikanischen Staaten unterstützt Langfilme in Entwicklung. «Die Koproduktionsphase begann, als das Projekt für dieses Programm ausgewählt wurde», erklärt Nikièma.
Am Ende beteiligten sich Burkina Faso, Senegal, Elfenbeinküste, Mali und Frankreich. Die erste Förderung kam aus Senegal: 2021 können dank der Unterstützung von FOPICA die Dreharbeiten beginnen. Weitere Förderungen aus Burkina Faso und der Elfenbeinküste folgten, sodass in Afrika insgesamt rund 300’000 Euro zusammenkamen. In Burkina Faso ermöglichte ein Beitrag des von der Europäischen Union finanzierten Kulturförderprogramms PAIC/GC-FDCT den Kauf von Filmausrüstung.
Später kamen internationale Partner dazu: Der Dokumentarfilm erhielt Unterstützung durch den Fonds Image de la Francophonie, den Fonds Jeune Création Francophone sowie einen Vorabkauf von TV5 Monde. Die französische Produktionsfirma Ladybirds Films stiess 2024 hinzu, als die Dreharbeiten schon weit fortgeschritten sind. Dadurch erhielt das Projekt Zugang zum Förderprogramm Aide aux cinémas du monde und zu einem ACP-Bonus. Alles in allem ergab es ein Budget von rund 600’000 Euro. Nach seiner Vorführung am diesjährigen Visions du Réel, wo er im internationalen Langfilm-Wettbewerb eine spezielle Erwähnung erhielt, beginnt der Film nun seine Festivalkarriere.
Erst absichern, dann überzeugen
Einen Film über so viele Länder hinweg zu produzieren, erfordert eine komplexe Logistik. Die Elfenbeinküste beteiligte sich in erster Linie finanziell, während Mali dem Filmteam den Zugang zu Hochburgen der Griot-Tradition wie San, Kéla, Kita und Siby erleichterte.
Von 2021 bis 2025 wurde insgesamt 24 Wochen gedreht. «Jeder Moment in einem Land ist schon fast ein eigener Film», so die Produzentin. Um möglichen internationalen Partnern Sicherheit zu vermitteln, wird ein grosser Teil des Projekts im Voraus abgesichert. Bis zu 80 Prozent der Dreharbeiten werden so bereits vor dem Einstieg ausländischer Koproduzenten fertiggestellt. «Um einen internationalen Produktionspartner zu überzeugen, muss man belegen können, dass der Film realisierbar und abgesichert ist.»
Sentoo spielte hier eine entscheidende Rolle. Durch die Koordination verschiedener afrikanischer Finanzierungen konnten 40 bis 50 Prozent des Budgets direkt auf dem Kontinent gesichert werden. Für Nikièma verändert dies auch das Kräfteverhältnis zu den internationalen Partnern. Afrikanische Produktionsfirmen erscheinen oft «als minoritär, selbst wenn sie das Projekt lanciert haben».
Afrikanische Koproduktionen bleiben schwierig zu organisieren. «Wir wenden uns an dieselben Förderinstitutionen», erklärt die Produzentin und verweist auf die Konzentration der Förderungen rund um nationale Fonds, die OIF, TV5 Monde oder das CNC. Partnerschaften ergeben nur Sinn, wenn jeder einen nicht-finanziellen Beitrag einbringt, wie Zugang zum Gebiet, technische Kompetenz oder eine künstlerische Perspektive.
Trotz des späten Einstiegs des französischen Partners gab es keine künstlerischen Spannungen. Ladybirds Films beteiligte sich hauptsächlich an der späten Produktions- und Postproduktionsphase, die in Frankreich stattfand, während die Projektleitung weitgehend in den Händen des burkinischen Teams blieb. «Sie haben mir freie Hand gelassen», betont Nikièma.
Selbst wenn diese Art von Zusammenarbeit im Dokumentarfilm noch selten ist, stellt die Produzentin in Westafrika den Beginn einer Dynamik fest, mit der Entstehung neuer nationaler Fonds und Diskussionen rund um regionale Fonds in der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion. Das grösste Hindernis sieht sie jedoch innerhalb der Branche: «Was fehlt, ist der Wille der Produzenten und Produzentinnen zur Zusammenarbeit», bekräftigt sie.
Nikièma versucht, daraus konkrete Lösungen abzuleiten. So arbeitet sie zurzeit an einem von afrikanischen Tontinen inspirierten Kollektiv namens «Tantine cinéma», wo mehrere Produzenten und Produzentinnen einen Teil ihrer Mittel zusammenlegen, um die Entwicklung des afrikanischen Films zu fördern.