Die RTS baut in Ecublens ihre  neue Produktionsmaschine
Das neue Gebäude von RTS bei Lausanne-Écublens. © RTS/Jay Louvion

Die RTS baut in Ecublens ihre neue Produktionsmaschine

Adrien Kuenzy 24. Juli 2026

Der neue Standort auf dem Campus der EPFL vereint Radio, Fernsehen und Digitales unter einem Dach. Der Fokus liegt auf Öffnung gegenüber dem Publikum, Modularität und Bündelung der Mittel.

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Von aussen sticht als erstes die Silhouette des neuen RTS-Gebäudes in Lausanne-Ecublens, nahe dem Rolex Learning Center, ins Auge. RTS-Sprecher Marco Ferrara beschreibt es als «eine an vier Pfeilern aufgehängte Plattform.» Projektleiter Marc Bueler betont den Gegensatz dieser grossen Arbeitsfläche zu den vertikaler und kleinflächiger strukturierten Räumlichkeiten in La Sallaz.

Im Inneren der 5500 Quadratmeter grossen Plattform sind die Redaktionsteams untergebracht. Bueler fährt fort: «Darin nur ein Gebäude zu sehen, greift zu kurz. Wir verändern den gesamten Produktionsprozess der RTS.» Räume, Sitzungszimmer und Arbeitsplätze können im Lauf der Zeit umfunktioniert werden.

Das Erdgeschoss steht im Zeichen der Öffnung gegenüber dem Publikum. Es bietet ein Foyer für Besucher, ein öffentlich zugängliches Restaurant, Angebote zur Medienkompetenz und direkten Zugang zu den Studios.

Eine Besonderheit des neuen Standorts ist auch seine Produktionsinfrastruktur. Das 505 Quadratmeter grosse und 11 Meter hohe Studio 1 ersetzt das alte Studio 4 in Genf, das zu gross, zu teuer und veraltet war. Mit einer minimalen festinstallierten Ausstattung bietet es bis zu 600 Steh- respektive 400 Sitzplätze. Tribünen, Bildschirme, Mobiliar und Lichtanlagen werden je nach Bedarf eingesetzt. Statt schwerer Kulissen gibt es hängende Bildschirme und bewegliche Module. Die Studios 2 und 3 vervollständigen das Angebot, wobei eines hauptsächlich für Radiosendungen mit Publikum und das andere für Sport und Magazine gedacht ist.

Eine weitere Änderung besteht darin, dass feste Regieplätze nicht mehr die Regel sind. Die RTS kann neu ihre Übertragungswagen mit dem Gebäude verbinden und so Doppelungen bei gewissen Ausrüstungen vermeiden.

Das Radio folgt dem gleichen Prinzip. Die Studios sind nicht mehr, wie in La Sallaz, einem Sender zugeteilt, sondern werden je nach Komplexität der Sendung abwechselnd genutzt. Laut Nicolas Kaeser, Projektverantwortlicher RTS Campus, können so rund 20 Prozent der Übertragungsstudios eingespart werden, unter anderem mit demontierbaren Wänden. Couleur 3 geht noch weiter: Das neue Studio des Senders wurde «in erster Linie für das Radio» konzipiert, aber auch «für Videoproduktionen». Es verbindet fest installierte und bewegliche Kameras, automatische Regie sowie die Möglichkeit, Sendungen allein vom Studio aus zu steuern. Für Yann Zitouni, Programmleiter bei Couleur 3, brauchte es ein «vielseitiges» Werkzeug, das dem derzeitigen Angebot des Senders sowie «allem, was in Zukunft kommen könnte», gerecht wird.

Flexibilität

Ein Wort fällt während unseres Besuchs immer wieder: Flexibilität. «Wir arbeiten mit IP, nicht mehr mit Punkt-zu-Punkt-Kabeln», so Bueler. Das bedeutet, dass Audio- und Videosignale nicht mehr über feste Verbindungen, sondern als Daten im Netz übertragen werden. Dadurch verändern sich auch Berufsbilder, insbesondere im Nachrichtenbereich.

Seit dem 29. Juni wird von La Sallaz aus nicht mehr gesendet. Die letzten Radiosendungen sind nach Ecublens umgezogen, selbst wenn die Zusammenlegung sich schrittweise vollzieht. Die Nachrichtensendungen, darunter die «19h30», werden bis zum Umzug im November noch in Genf produziert. Im «Newsroom» sagt man dazu: «Drei Redaktionen werden zu einer zusammengelegt». Radio, Fernsehen und Digitales müssen interdisziplinär zusammenarbeiten, mit einem «starken Fokus auf digitale Inhalte». Rund 250 Personen sind davon betroffen.

Mit der Zusammenlegung wird auch rationalisiert. Am neuen Standort sollen an rund 500 Arbeitsplätzen etwa 950 Personen arbeiten. Bueler spricht von einem Arbeitsplatz für zwei Angestellte, in sogenannten «dynamischen Räumen». So wird die Gesamtfläche der Räumlichkeiten der RTS um 35 bis 40 Prozent reduziert. Dies gilt auch für die Mobilität: Die Parkplätze für Mitarbeitende sind begrenzt und werden je nach beruflichen Bedürfnissen, Arbeitszeiten und Reservierungen zugeteilt.

Am Ende des Durchgangs kommt Pascal Crittin auf die drei Schwerpunkte des Projekts zurück: «Silos aufbrechen», interdisziplinären Austausch fördern, «totale Flexibilität» sicherstellen und sich vermehrt dem Publikum öffnen. Der RTS-Direktor erwähnt auch die Finanzierung: 130 Millionen Franken für den Bau und rund 35 Millionen für die technische Ausrüstung. Die Kosten von insgesamt 165 Millionen Franken sind laut Crittin durch den Verkauf der ehemaligen RTS-Gebäude gedeckt, ohne die Veräusserung des RTS-Turms in Genf einzubeziehen.

Eine Frage kann das Gebäude allein jedoch nicht beantworten: Führt diese Interdisziplinarität zu mehr Kreativität oder vor allem zu mehr Dichte? In Ecublens hat sich der Westschweizer öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Werkzeugkasten für die kommenden Jahrzehnte erschaffen. Welche Auswirkungen dies auf die betroffenen Berufsgruppen hat, bleibt abzuwarten.

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