Das junge Publikum mitdenken
© Festival Cinéma Jeune Public / Angini Pai

Das junge Publikum mitdenken

Alexandre Ducommun und Teresa Vena 9. Januar 2026

Während sich einige Festivals ganz einem jungen Publikum widmen, beziehen es auch viele andere in ihre Programmgestaltung mit ein. Die Initiativen nehmen dabei unterschiedlichen Raum ein.

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Um das Publikum von morgen zu begleiten und zu binden, braucht es vielfältige Massnahmen.

Das Festival Black Movie in Genf bietet seit 2005 parallel zu seinem Erwachsenenprogramm ein ambitioniertes Programm für Kinder und Jugendliche. Unter dem Namen «Petit Black Movie» verfolgt es ähnliche Ziele wie die anderen Sektionen: Filme zu zeigen, die in den Vertriebskanälen untervertreten sind, und für Erzählformen sensibilisieren, die gerade dem jüngsten Publikum oft noch nicht bekannt sind. «Natürlich enthält das Kinderprogramm viele Animationsfilme, und wir versuchen, die Neugier für andere Formen wie digitale und japanische Animation zu wecken», erklärt der Programmverantwortliche des «Petit Black Movie», Victor Teta.

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Schulvorstellung des Petit Black Movie, präsentiert von Victor Teta. © Kenza Wadimoff

Es geht nicht darum, Formate für Kinder zu hierarchisieren, sondern das junge Publikum an die Filmvielfalt zu gewöhnen. Diese Arbeit kann im frühesten Kindesalter beginnen und setzt sich in der Jugend fort. Gemäss Teta bietet das Programm den Kindern einen «Raum zwischen Bildschirmen zu Hause und Kinosaal», in dem sie unterschiedlichste Gefühle – darunter auch unangenehme wie Angst – in einem geschützten Rahmen erkunden können.

Das Festival erreicht ein breites Publikum, indem es teilnehmenden Kinderkrippen und Schulklassen des Kantons Genf pädagogische Hilfsmittel und Vorschläge für Aktivitäten rund um die Filme bietet, die Begleitung der Vorführungen jedoch den Lehrpersonen überlässt.

Begegnung mit Filmberufen

Im Rahmen des Festivals werden auch Vermittlungsaktivitäten organisiert. Im Zentrum des Programms stehen zum Beispiel vom Festivalteam organisierte Workshops, in denen das junge Publikum gemeinsam mit einer Fachkraft einen Filmberuf entdecken kann.

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Solothurner Filmtage. © Solothurner Filmtage 2024 / Module Plus

Bei den Solothurner Filmtagen übernimmt diesen Bereich Sanja Möll. Gemeinsam mit der Programmkommission wählt sie Filme für die Familienvorführungen während des Festivals aus und koordiniert in Zusammenarbeit mit Lehrpersonen Filmprojektionen in verschiedenen Schulen unterschiedlicher Stufen in und um Solothurn. Sie betreut auch die Workshops, in den Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren an die Techniken der Animation herangeführt werden. 

Geleitet werden diese Ateliers in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal von Kaspar Flückiger. «Im Animationsfilm ist alles möglich», sagt er. «Auch mit sehr einfachen Mitteln, kann man verrückte und fantasievolle Geschichten erzählen.» Flückigers Beobachtungen darüber, für welche Themen sich Kinder in einem solchen Rahmen interessieren, sind aufschlussreich: «Es sind oft sehr klassische Stoffe, von Banditen und Helden. Das Ausloten von Gut und Böse ist auch immer Thema. Aber auch Geschichten aus ihrer Lebenswelt werden oft erzählt.» 

“Es sind oft sehr klassische Stoffe, von Banditen und Helden. Das Ausloten von Gut und Böse ist auch immer Thema. Aber auch Geschichten aus ihrer Lebenswelt werden oft erzählt.”
Kaspar Flückiger

Das bezeugt auch Filmemacher Pablo Callisaya, der regelmässig Workshops für junge Menschen leitet und zuletzt an den Zuger Filmtagen Einblick darin gab, wie sich kostengünstig Filme der Realfilmgattung herstellen lassen. «Das erreicht man beispielsweise damit, wenn man Szenen mit möglichst wenigen Einstellungen dreht oder lernt, Schauplätze zu nutzen, die kostenlos vorhanden sind», so Callisaya. Mit solchen praktischen Übungen schaffe man die Möglichkeit, das Medium auszuprobieren und kennenzulernen. «Und nicht zuletzt, erfahren Kinder und Jugendliche, wie viel es im Film überhaupt zu tun gibt», ergänzt Flückiger. 

Ergänzung des Schulunterrichts

Die Zuger Filmtage legen einen Schwerpunkt auf den Nachwuchs und engagieren sich ganzjährig unter anderem über das Jungfilmnetz, Filminteressierte bis 25 Jahren mit einem breitgefächerten Austausch über spezifische Veranstaltungen, Ausrüstungsvermietung und Stelleninseraten zusammenzubringen. Solche Angebote erlauben einen niederschwelligen und spielerischen Zugang zum Film. Für Callisaya antworten sie auf ein Bedürfnis, dem im normalen Unterricht nicht nachgegangen werden kann. «Das hätte ich mir als Jugendlicher selbst gewünscht.» 

Das Festival Cinéma Jeune Public in Lausanne bietet ein vielfältiges, auf aktive Teilnahme ausgerichtetes Vermittlungsprogramm und entwickelt Hilfsmittel für Schulen und schulergänzende Einrichtungen. Das Festival bietet sogar kurze Ausbildungen in Filmvermittlung an, um «die Einrichtungen unabhängiger zu machen», so Cécilia Bovet, Co-Leiterin und Verantwortliche für die Vermittlung.

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© Festival Cinéma Jeune Public / Angini Pai

Das Festival arbeitet zudem mit anderen Institutionen wie Cinéculture oder e-Media zusammen, um Lehrmaterial für Schulen und Schulvorführungen zu gestalten. Dank diesem Austausch können die Begleitmaterialien zu den Filmen direkt mit den Zielen des Westschweizer Lehrplans abgestimmt werden, um die Arbeit der Lehrpersonen zu vereinfachen.

Bilderziehung

Bovet bedauert jedoch, dass Filme im Unterricht nicht mehr zur Sensibilisierung für den künstlerischen filmischen Ausdruck verwendet werden: «Wir versuchen immer, den Fokus auf Bildvermittlung und nicht Vermittlung durch Bilder zu legen». Dabei werden die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen so weit wie möglich mit einbezogen. So können sie sich beispielsweise als Programmverantwortliche versuchen: «Eine Gruppe aus 18- bis 25-Jährigen wirkt aktiv an der langfristigen Programmgestaltung mit. Auf diese Weise bilden wir auch künftige Fachkräfte aus», erklärt Delphine Jeanneret, Co-Leiterin des Festivals.

Die Aktivitäten des Festivals werden von einem grossen Team von Filmschaffenden und ausgebildeten Fachleuten betreut. In der Schweiz gebe es keine spezifische Ausbildung in Filmvermittlung, doch Bovet betont, dass « Film äusserst wertvoll ist für die pädagogische Begleitung des jungen Publikums.»

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Delphine Jeanneret und Cécilia Bovet © Festival Cinéma Jeune Public / Angini Pai

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