Der Spoutnik im Orbit
Von links nach rechts: Karin Schlageter, Maryam Esmaïl Zavieh und Nakita Lameiras Ah-kite. © eden levi am

Der Spoutnik im Orbit

Alexandre Ducommun 7. Mai 2024

Der Genfer Kinosaal, der sich der Erforschung der unbekanntesten Konstellationen der Filmgeschichte widmet, erneuert sein Programmteam.

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Das Spoutnik, ein ikonisches Kino in der Stadt Genf, wird 1989 zu einem Satelliten des selbstverwalteten Kulturzentrums Usine. Es präsentiert ein Programm, das sich marginalisierten, ignorierten oder unbekannten Filmen widmet. Als Raum für filmische oder künstlerische Auseinandersetzungen im Allgemeinen hat der Spoutnik im Laufe seiner Geschichte Brücken zwischen verschiedenen Genfer Kulturakteuren wie dem Festival de la Bâtie, dem alternativen Raum Îlot 13 oder dem Mapping Festival geschlagen. Mit dem Wunsch, die Interaktion zwischen den gezeigten Filmen und dem Publikum zu zu intensivieren, hat sich das Kino Spoutnik auch durch seine experimentellen Vorführungen an ungewöhnlichen Orten (Schwimmbad, Teilchenbeschleuniger, Autodeponie) oder durch originelle Formate wie die Freilichtvorstellungen „écran libre“ (das Publikum wird aufgefordert, die zu zeigenden Filme mitzubringen) hervorgetan.

35 Jahre später erfindet sich das Spoutnik-Kino mit einem neuen Mandat und einem neuen Team noch einmal neu. Nakita Lameiras Ah-kite, Dokumentarfilmerin mit mazedonischen Wurzeln, Maryam Esmaïl Zavieh, schweizerisch-iranische Filmkuratorin, und Karin Schlageter, französisch-schweizerische Kuratorin für zeitgenössische Kunst, werden sich künftig um die Gestaltung des Kinoprogramms kümmern. «Es ist ein historisches Kino, das seinem Geist des Widerstands treu geblieben ist. Es ist eine Verantwortung, seine Vision fortzuführen, und eine Freude, an dessen Erneuerung mitzuwirken», erklärten sie in einer Pressemitteilung.

Es ist ihre aktivistische künstlerische Vision und ihr interdisziplinärer Ansatz, die sie zusammenbringen und ihre Bemühungen leiten, das Kino für neue Horizonte zu öffnen. Das Team will bemüht sich um eine engagierte Perspektive, die sie als «dekolonialen» Aktivismus bezeichnen, über die Emanzipation von LGBTQ+-Personen bis hin zu Bauernkämpfen reichen soll. Das neue Team des Spoutnik ist um die Diversifizierung ihres Publikums bemüht und plant, das Programm um Vorführungen für Gehörlose und Hörgeschädigte oder Programme mit Ateliers für Kinder zu erweitern. Darüber hinaus werden mehrere Programmschwerpunkte dem Dialog zwischen Film und anderen Künsten wie Bildender Kunst, Tanz oder Kochen gewidmet. „Spoutnik ist für uns ein Kino der verschiedenen Film-Organismen-Lebensformen - auf der Suche nach ‚anderen Erzählungen‘ und ‚anderen Formen‘.“

Das Team

Nakita Lameiras Ah-kite, die Filmgeschichte und -theorie studiert hat, hat bereits mehrere Kurzfilme gedreht und entwickelt derzeit ihren ersten Spielfilm in Kunming, China. Parallel dazu engagiert sie sich in verschiedenen aktivistischen Vereinigungen. Maryam Esmaïl Zavieh, Absolventin des Masters Critical Curatorial Cybermedia der Haute Ecole d'Art et de Design (HEAD) und des Studiengangs Filmgeschichte und Filmästhetik der Universität Lausanne, arbeitete als Filmvorführerin, Programmgestalterin und Projektleiterin in verschiedenen Festivals, Kinos und Kunsträumen zwischen Genf, Marseille und Teheran. Karin Schlageter hingegen, die 2011 ihren Abschluss an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) machte, arbeitet seit 2012 mit verschiedenen internationalen kulturellen Institutionen zusammen und bringt ihre Expertise in zeitgenössischer Kunst in das Sputnik-Team ein.

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