Gender Diversity in der Schweizer Filmförderung

Gender Diversity in der Schweizer Filmförderung

29. Juli 2015

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Am 28. Januar 2015 präsentierten Ursula Häberlin und Nicole Schroeder in Solo­thurn die Erhebung von ARF/FDS, Cinésuisse und FOCAL zur Chancengleichheit in der selektiven Filmförderung. Diese wurden im Anschluss von  Matthias Aebischer, Nationalrat und Präsident Cinésuisse, Gabriel Baur, Regisseurin, Vorstandsmitglied ARF/FDS und Delegierte im europäischen Regiedachverband FERA, Susa Katz, Leiterin Filmförderung, Sektion Film (BAK), Patrizia Pesko, Verantwortliche für die selektive Filmförderung Cinéforom, Rachel Schmid, Script Editor und Project Advisor, Delegierte Eurimages, Ambassador EWA, Sven Wälti, Verantwortlicher Koproduktionen SRG und Daniel Waser, Geschäfts­leiter Zürcher Filmstiftung ZFS unter der Leitung von Marcy Goldberg, Filmwissenschaftlerin und Medienberaterin, diskutiert. „Die Gender-Frage: Zahlen und Fakten aus der Schweizer Filmförderung“ war die meistbesuchte Branchen­veranstaltung der diesjährigen Filmtage.

Die Studie bezieht sich auf die Kinofilmförderung von 2012 bis 2014. BAK, SRG (Pacte de l’audiovisuel), Zürcher Filmstiftung, Migros-Kulturprozent (Dokumentarfilm­­­förderung), Cinéforom, Berner und St. Galler Filmförderung steuerten die Daten bei, welche Matthias Bürcher statistisch auswertete.

Keine Chancengleichheit

In der selektiven Filmförderung des Kinofilms in den Jahren 2012 – 2014 zeigt die Studie eine deutliche Chancenungleichheit. Projekte von Urheberinnen und Produzentinnen wurden – vor allem in der Herstellung – weniger oft und mit deutlich weniger Mitteln gefördert als Männerprojekte. Da diese Ergebnisse bei allen Filmförderern übereinstimmen, handelt es sich um eine übergreifende Benach­teiligung, die sich kumuliert, was die Realisierung eines Werkes für Filmurheberinnen umso schwieriger macht.

Nachfolgend die wichtigsten Punkte (weitere Infos sind in der Studie nachzulesen, siehe Link): 

  1. Regisseurinnen (hochgerechneter Anteil 34%) und Produzentinnen (hochge­rechneter Anteil 42%) erhielten bei allen Förderinstitutionen proportional weniger Fördergelder als Regisseure und Produzenten: In den Jahren 2013 und 2014 Projekte von Männern 55.3 Mio. Franken, Projekte von Frauen 14,8 Mio. Franken, rund 40 Mio. Franken weniger
  2. Der Frauenanteil an der Filmförderung nahm kontinuierlich von den Eingaben (31%) über die Zusagen (28%) bis zur Höhe der Förderbeiträge (22%) ab.
  3. Der Frauenanteil war bei der Entwicklung grösser als bei der Herstellung: Projekte von Frauen erhielten 35% Zusagen bei Treatment und Drehbuch, bei der Herstellung Regie waren es jedoch nur noch 24%.
  4. Es besteht eine unterschiedliche Förderquote nach Genre, die beim BAK besonders ausgeprägt war: von 2012 – 2014 erhielten beim BAK 33% der Dokumentarfilmeingaben von Frauen 26% Zusagen. Beim Spielfilm erhielten 32% Eingaben nur 19% Zusagen – dies trotz dem hohen Frauenanteil in den Begutachtungs­ausschüssen.
  5. Die Untervertretung von Frauen in der Filmherstellung hat Konsequenzen auf die Urheberrechtsentschädigungen, wie Zahlen der SUISSIMAGE zeigen: 30% weibliche SUISSIMAGE-Mitglieder erhalten in den Kategorien Drehbuch und Regie nur 23% der Auszahlungen. Männer erhalten insgesamt 77%, davon gehen 47% an Männer über 50 (Frauen über 50: 13%). 

Kontinuierliche Datenerhebung nötig

Die Studie zeigt, dass es viel Verbes­serungsbedarf gibt, um Chancengleichheit zu erlangen. Was aber nach wie vor als Voraussetzung dafür fehlt, ist die kon­tinuierliche und umfassende Datenerfassung und -auswertung nach Gender für alle Formate durch die Filmförderer. Cinésuisse-Präsident Matthias Aebischer hat denn auch einen entsprechenden Vorstoss im Parlament gemacht.

Coming up: Panel „Women in the Industry: Spotlight on Success Stories“ am 10. August in Locarno

Auf Einladung von FOCAL und den Industry Days des Locarno Film Festival findet am 10. August 2015 das Panel „Women in the Industry: Spotlight on Success Stories“ statt. Anna Serner, CEO des Swedish Film Fund, Diana Elbaum, Produzentin Entre Chien et Loup (BE) und Bettina Oberli, Regisseurin und Drehbuchautorin (CH) werden über erfolgreiche Frauenförderung sprechen und diese institutionell, anhand des Beispiels Schweden, wie auch persönlich, in Bezug auf eigene Erfahrungen, reflektieren. Die Branche ist herzlich eingeladen mitzudiskutieren. Die Veranstaltung ist frei, Infos unterwww.focal.ch/women_in_the_industry.

Ursula Häberlin, Geschäftsleiterin ARF/FDS und Nicole Schroeder, Head of Department Technique Métier Cinéma FOCAL

Download Studie:http://www.arf-fds.ch/wp-content/uploads/2015/01/gender-diversity.pdf
Podcast zur Präsentation:http://www.dexmusic.ch/download/sft2015/2015-01-28-gender.mp3
Podcast anschliessende Podiumsdiskussion und Voten der TeilnehmerInnen:http://www.dexmusic.ch/download/sft2015/2015-01-28-gender-podium.mp3

 

 

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