Für eine starke Standortförderung
Matthias Michel über eine Stärkung des Standorts Schweiz.
Marcel Barelli 25. Juli 2025
Standpunkt von Marcel Barelli, Animationsfilmemacher.
Ich bin Animationsfilmemacher, und in dieser Branche ist das Interesse an generativer künstlicher Intelligenz (KI) sehr gross. Ich denke, das liegt vor allem daran, dass sie oft als «einfacher» technologischer Fortschritt betrachtet wird.
Vor einem Jahr machten wir uns über die Fehler generativer KI lustig, die mangels Training Bilder von Personen mit sechs Zehen hervorbrachte. Heute, am 6. Juni 2025, beteuert Lionsgate-Vizepräsident Michael Burns, er könne dank KI in drei Stunden einen Animationsfilm produzieren, und morgen können wir Filme und Animationen, die von Menschen geschaffen wurden, nicht mehr von KI-Produkten unterscheiden.
Die Technologie hat sich so rasant entwickelt, dass die Gesetzgebung hinterherhinkt. Es ist jedoch wichtig, Urheberrechte und Filme vor dem Gebrauch durch KI zu schützen, denn generative künstliche «Intelligenzen» erschaffen nichts Neues, sondern generieren lediglich Inhalte aus existierendem Material. Sie plündern das, was andere erschaffen haben, und stellen es auf Anweisung der Nutzer und Nutzerinnen (die oft keine Ahnung haben, wie die KI das bewerkstelligt) neu zusammen. Das ist nicht Inspiration, sondern Aneignung.
Mir wurde gesagt: «Ach weisst du, das war schon immer so. Das ist einfach eine weitere technologische Entwicklung, wie damals die Computer.» Es ist tatsächlich verlockend, Kritiker und Kritikerinnen generativer KI als reaktionär abzustempeln.
Doch in der langen Geschichte der Beziehung zwischen Kunst und Technologie, vom Buchdruck bis zum Streaming, vermochte noch keine Innovation das Prinzip der menschlichen Schöpfung in Frage zu stellen.
Generative KI ist reaktionär, mit ihrem Traum eines kreativen Fordismus, einer Automatisierung und Standardisierung des künstlerischen Schaffens, wo Menschen nicht mehr im Dienst des Werks, sondern der KI stehen. Die Nutzung generativer KI ist ein Irrweg, der zwischen algorithmischen Verzerrungen, Verletzung von Urheberrechten, Ausbeutung unterbezahlter Arbeitskräfte und kolossalen Umweltkosten zu einem Werkzeug des Kapitalismus, der rasanten Globalisierung und der künstlerischen Gleichmacherei wird. In der Folge verkümmern Kreativität und Vorstellungskraft. Gemäss dem Schriftsteller Matteo Meschiari wird «eine Gruppe, ein Volk, eine Person ohne Vorstellungskraft automatisch zum Opfer derjenigen, die die Bilder an ihrer Stelle kontrollieren.» Deshalb ist «Fantasie und kreatives Schaffen in erster Linie ein politischer Akt» und eine Stellungnahme. Dennoch ist es sinnlos, den Einsatz generativer KI verhindern oder zumindest einschränken zu wollen, auch wenn ich einen kurzen Moment lang daran geglaubt habe.
Ich für meinen Teil werde weiterhin versuchen, die Welt zu verstehen und meine Erfahrungen als Grundlage für mein künstlerisches Schaffen zu nutzen.
Dazu muss ich, in Anlehnung an Gramscis Worte, den Pessimismus, den mir die (künstliche) Intelligenz auferlegt, mit dem Optimismus des Willens paaren. Es wird immer Menschen geben, die von Menschen gemachte Filme sehen wollen.