Zwischen der Unsichtbarkeit und dem Kampf
Von links nach rechts: Yennifer Uribe Alzate, Jorge Cadena und Sophie Meyer. © André Cordeli, FILMAR 2024

Zwischen der Unsichtbarkeit und dem Kampf

Adrien Kuenzy 21. November 2024

Trotz beachtlicher Fortschritte sind lesbische Frauen im Kino immer noch stark unterrepräsentiert, und ihre Geschichten haben Mühe, Stereotypen oder patriarchalische Zwänge zu überwinden. Sophie Meyer und Yennifer Uribe Alzate sprachen beim Festival Filmar en América Latina in Genf über die noch immer bestehenden Hindernisse.

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In der vom Festival Filmar en América Latina organisierten Podiumsdiskussion zum Thema «Herausforderungen und Entwicklungen bei der Darstellung lesbischer Frauen im zeitgenössischen Kino» haben zwei Film- und Medienschaffende, Sophie Meyer, Schriftstellerin, Dokumentarfilmerin und Aktivistin, und Yennifer Uribe Alzate, kolumbianische Regisseurin von «La piel en primavera» (dessen Film im Rahmen des Festivals gezeigt wurde), markante Überlegungen zur Sichtbarkeit von lesbischen Frauen im Kino vorgetragen. Anhand ihrer persönlichen Erfahrungen beleuchteten sie die strukturellen Herausforderungen, die nach wie vor bestehen.

Eine historische Unsichtbarkeit

Bereits in den ersten Minuten der von Jorge Cadena, Programmgestalter von Filmar und Regisseur, moderierten Diskussion betonte Sophie Meyer die Bedeutung von Archiven als Spiegel der Gesellschaften: «Das Fehlen von Archiven zu diesem Thema sagt viel über die Realitäten aus, die von Minderheiten erlebt werden. Das hat mich dazu inspiriert, mich mehr zu engagieren, insbesondere durch die Leitung eines assoziativen Filmclubs und die Produktion eines Podcasts, der der weiblichen Homosexualität gewidmet ist».

Für Yennifer Uribe Alzate kam das Bewusstsein durch ihre eigenen Werke: «2014 habe ich einen Kurzfilm über eine Frau gedreht, die sich in ihre Friseurin verliebt und beschliesst, ihre Sexualität voll auszuleben. Da wurde mir klar, wie wichtig es ist, diese Frauen ins Rampenlicht zu stellen». Dieser Schritt führte sie auch zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Darstellungsmechanismen im Film, bis hin zu einer Dissertation über dieses Thema.

Erste Bilder

Die beiden Rednerinnen erinnerten sich, wie prägend ihre eigene Identifikation mit lesbischen Figuren auf dem Bildschirm gewesen ist. Sophie Meyer sprach von an einer Szene aus einer Fernsehverfilmung der Romane von Colette, in der sich zwei Frauen umarmen: «Ich war sieben oder acht Jahre alt, meine Mutter schaltete den Fernseher sofort aus. Aber dieses Bild ist mir geblieben, denn ich fühlte mich betroffen, auch wenn es skandalös erschien».

Für Yennifer Uribe Alzate bedeutete das Aufwachsen in Lateinamerika, sich mit einer visuellen Umgebung auseinanderzusetzen, die mit patriarchalen Stereotypen gesättigt war. Erst an der Universität entdeckte sie die Arbeit von Regisseurinnen wie Chantal Akerman und deren «Jeanne Dielman»: «Chantal Akerman bot einen radikal weiblichen Blick auf Frauen, und das hat meine Sicht auf das Kino verändert».

Eine Geschite von Karkassen

Auf die Geschichte der Darstellungen im Kino zurückkommend, erwähnte Sophie Meyer die Auswirkungen des Hays-Codes (1934-1952), der Hollywood eine strenge Zensur auferlegte: «Die Regisseure mussten Ausflüchte nutzen, um bestimmte Themen auszudrücken». Sie erwähnte auch William Wylers «Das Gerücht» (1961), in dem die Liebe zwischen zwei Frauen zwar angedeutet bleibt, aber letztlich tragisch ist.

Sie stellt fest, dass die folgenden Jahrzehnte zwischen Zeiten der Befreiung und Rückschritten schwankten: «Ab den 1970er Jahren geht die Zensur zurück, aber diese sexuelle Befreiung kommt nicht immer den Frauen zugute. Es gibt eine Fülle von Darstellungen homosexueller Realitäten, wie in 'Emmanuelle', aber diese Erzählungen bleiben oft im männlichen, patriarchalischen und eingrenzenden Blick gefangen».

Im europäischen Kontext führt Sophie Meyer auch jüngere Beispiele wie Céline Sciamma an: «Sie hat mit Filmen wie 'Tomboy' oder 'Portrait de la jeune fille en feu' ein kohärentes Werk rund um weibliche und homosexuelle Themen aufgebaut. Diese Art von Kontinuität ist in der Branche selten».

Aktuelle Diskurse und neue Herausforderungen

Allgemein zu den Herausforderungen für Regisseurinnen in Kolumbien befragt, beklagt Yennifer Uribe Alzate eine Industrie, die noch weitgehend von patriarchalischen Strukturen beherrscht wird: «Viele Frauen nehmen männliche Haltungen an, um in diesem Milieu zu überleben. Und obwohl einige Produktionen Frauen einstellen, geschieht dies manchmal nur, um mehr Punkte zu bekommen und Zugang zu Fördermitteln zu erhalten. Diese Instrumentalisierung ist empörend». Sie plädiert für eine respektvollere und gleichberechtigte Arbeitsorganisation, wie ihre Praxis der Horizontalität in ihren Teams beweist.

Sophie Meyer mildert ab, indem sie auf eine langsame Entwicklung verweist: «Ich bin mit einem eklatanten Mangel an lesbischen Darstellungen aufgewachsen. Heute gibt es mehr Vorbilder, auch wenn viele immer noch tragisch sind oder an den Rand gedrängt werden. Wir müssen weiter für positive und vor allem vielfältige Erzählungen kämpfen».

Ein noch langer Kampf

Abschliessend erinnern die beiden Rednerinnen daran, dass der Kampf für eine gerechte und pluralistische Darstellung lesbischer Frauen im Film noch lange nicht abgeschlossen ist. «Die weltweiten Ereignisse zeigen uns, dass nichts selbstverständlich ist, und es bedarf leider der Machtverhältnisse, um unseren Stimmen Gehör zu verschaffen», fasst Sophie Meyer zusammen. Yennifer Uribe Alzate fügt hinzu: «Es ist an der Zeit, dass diese Minderheitenerzählungen nicht mehr nur toleriert, sondern voll und ganz in die kulturelle Vielfalt des zeitgenössischen Kinos integriert werden». In einem Kontext, in dem das Kino nach wie vor eine Kunst der Identifikation ist, ist das Anbieten authentischer und vielfältiger Bilder nicht nur ein politischer Akt, sondern auch ein Akt des kulturellen Überlebens.

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