Zwischen den Stühlen
Aus der Installation «Das Engadiner Wunder» von Anka Schmid und Tania Stöcklin. © Anka Schmid

Zwischen den Stühlen

Teresa Vena 25. Juli 2025

Es gibt audiovisuelle Arbeiten, die an der Schnittstelle zwischen Film und Bildender Kunst stehen. Nicht nur ihre genaue Definition ist schwierig, sondern auch oft die Bedingungen ihrer Entstehung, Auswertung und Archivierung. In Basel lässt sich auf Seiten der Förderer als auch der Kreativen ein besonderes Engagement für diese Filmform beobachten.

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Die Retrospektive von Roman Signer im Kunsthaus Zürich läuft noch bis zum 17. August. Signer ist bekannt für seine ephemeren Arbeiten, für die der Faktor Zeit zentral ist. Er schafft Objekte und Installationen, die oft vergänglich sind. Die filmische Dokumentation spielt daher eine wesentliche Rolle. «Dank Fotografie und Film überleben Signers Werke», erklärt die Kuratorin Mirjam Varadinis. «Er hat schon früh mit Super 8-Filmaufnahmen gearbeitet». Welche Bedeutung das audiovisuelle Medium für das Verständnis des Künstlers hat, zeigt bis zum 14. September die Kunsthalle Appenzell mit der Präsentation von über 120 Filmen. Noch fliessender überschreitet Pipilotti Rist die Grenzen zwischen Kino und Ausstellungsraum. 2009 erweiterte sie ihr ästhetisches Repertoire mit dem Spielfilm «Pepperminta».

Auch Anka Schmid arbeitet seit den 1980er Jahren in einem ähnlichen Umfeld. Sie ist Filmemacherin genauso wie Medienkünstlerin, realisiert Dokumentar- und Spielfilme, aber eben auch experimentelle kurze Formate, die den Rahmen einer klassischen Kino- oder Fernsehauswertung sprengen. «Oft entstehen solche Arbeiten im Kontext von Wettbewerben oder Einladungen», erklärt Schmid. «Das Engadiner-Wunder» (2000, in Zusammenarbeit mit Tania Stöcklin) zum Beispiel entstand für den Wettbewerb des Festes der Künste in Pontresina als Rauminstallation auf zwei Monitoren, fand danach in eine Einbildschirmform, an den Winterthurer Filmtagen aufgeführt und als bester Schweizer Kurzfilm ausgezeichnet.

Finanzierungsquellen

Nach dieser Flexibilität der Arbeitsweise verlangt die Fördersituation für Medienkunst in der Schweiz. Die Berner Filmförderung unterscheidet nicht zwischen Kunst-, Experimentalfilm und «klassischem» Film, die Zürcher Filmstiftung auch nicht, genauso wenig wie das Bundesamt für Kultur. Bei den beiden letzteren Stellen ist eine Förderung von «transmedialen Arbeiten» möglich, diese müssen aber zwangsläufig einen interaktiven Charakter im Sinne einer VR/XR- oder Computerspiel-Anwendung haben. Bern unterstützt jährlich zwei bis fünf Medienkunstprojekte, das BAK in den letzten Jahren keines.

Diese Situation lässt sich verschieden interpretieren. Die Schwierigkeit einer präzisen Definition solcher Arbeiten spielt mit. Die Positionierung zwischen Film und Bildender Kunst wirft Fragen in der Beurteilung auf. Im akademischen Kontext nehmen diese Werke keine dominante Stellung ein. Für die HSLU sagt Fred Truniger, Leiter Master Film: «In Luzern pflegen wir eher experimentelle Formen im Dokumentarischen. Der Dokumentarfilm steht klar im Zentrum, der Experimentalfilm gibt aber wichtige Impulse im Lernprozess. Experimentelle und künstlerische Arbeitsweisen sind zentral für den Entwicklungsprozess der Filme».

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«Das Engadiner Wunder» © Anka Schmid
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Filmstill aus «Deutsche Landschaft» von Erich Busslinger. © Point de vue
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«Duo Ombrelli», Roman Signer. © Kunsthaus Zürich

Basels Schwerpunkt

Bei den Förderern fehlt es auf jeden Fall an Expertise. Das ist in Basel anders, beide Kantone setzen explizit auf eine Förderung von «Film und Medienkunst», sie halten in Liestal auch eine einschlägige Sammlung, die bisher knapp 230 Titel umfasst. Die Region hat sich seit den 1980er Jahren zu eine Art Kompetenzzentrum für Medienkunst, damals noch dem verwendeten Material geschuldet Videokunst genannt, etabliert. Das zeigt auch eindrücklich ein Forschungsprojekt, das von Memoriav gefördert wurde und von Filmemacher Piet Esch und der Medienwissenschaftlerin Stefanie Bräuer umgesetzt wird. Die 1979 gegründet Videogenossenschaft, heute Point de vue, bietet dafür den Rahmen.

Point de vue ist neben VIA (seit 1988) ein Hafen für alle, die nach einem Ort suchen, in dem «Experimente möglich sind», so Geschäftsführer Andreas Weber. Das schätzt auch Erich Busslinger, der neben dem vor kurzem verstorbenen Mitbegründer Reinhard Manz ein langjähriger Mitwirkender ist. In seinen Anfängen erlaubte der Zusammenschluss unter Gleichgesinnten, finanzielle Hürden zu überwinden und teure Ausstattung und Produktionsmittel zu teilen.

In den letzten 15 Jahren hat sich ein Generationenwechsel vollzogen. Heute leitet Andreas Weber den Betrieb, der keine Strukturförderung erhält. Umgesetzt werden eigene und fremde Produktionen. «Wir produzieren mehrheitlich dokumentarische Arbeiten mit einer gesellschaftlichen Relevanz», sagt Lea Fröhlicher, selbst Filmemacherin und Ko-Präsidentin bei Point de vue. Die Autoren und Autorinnen bekommen ihren Grundfreiraum während der Entwicklung, das Projekt muss aber realistische Chancen auf eine Finanzierung haben», so Weber. Das sichert die finanzielle Grundlage der Genossenschaft, dazu kommen verschiedene Dienstleistungen wie Geräteverleih.

Themen wie Archivierung und Digitalisierung sind mit der Zeit immer präsenter geworden. Point de vue bietet dies für die eigenen Mitglieder oder ebenfalls als Dienst für Auswärtige. Arbeiten von Medienkünstlern und -künstlerinnen werden unterschiedlich aufbewahrt, in filmischen Archiven wie die Cinémathèque suisse oder in Kunstinstitutionen. Aber auch in diesem Zusammenhang können Werke zwischen die Stühle fallen. Umso wichtiger ist der Beitrag, den Point de vue hier leistet.

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