Von Zahlen und Berufen
Bei den Dreharbeiten der Serie «Alter Ego 2», Ko-Regie Erik Bernasconi und Robert Ralston. © Amka Films Productions — Simone Mengan

Von Zahlen und Berufen

Adrien Kuenzy 20. März 2025

Seit dem 1. Januar 2025 gelten neue Richtlöhne für die Schweizer Filmbranche. Trotz einer durchschnittlichen Erhöhung um 6,9 Prozent bestehen nach wie vor Ungleichheiten, die Fragen aufwerfen.

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Wie viel ist ein Beruf in der Schweizer Filmbranche wert? Nach zweijährigen Verhandlungen erzielte die Paritätische Kommission (PK) eine Einigung zwischen dem Schweizer Syndikat Film und Video (SSFV) und verschiedenen Produzierenden-, Autoren- und Autorinnenverbänden zur Anpassung der Richtlöhne im Wochenengagement. Die seit 1. Januar 2025 geltende Richtlohnliste teilt rund 80 Berufe aufgrund ihrer Verantwortung und Kompetenzen in Lohnkategorien ein und erhöht die Löhne im Schnitt um 6,9 Prozent im Vergleich zu 2009. Doch wie wurden die Beträge festgelegt?

«Die genaue Festlegung der Löhne war sehr schwierig», bekennt Chantal Bolzern, Präsidentin des Vorstands des SSFV. «Hinter jeder Zahl steht die Existenzgrundlage der betroffenen Fachkräfte».

Eines der Ziele der Anpassung bestand darin, gewisse Ungleichheiten zu beseitigen. Die immer schon besser entlöhnten technischen Berufe konnten ihre Tarifforderungen dank stetigem Austausch seit längerem durchsetzen. «Einige Berufe schufen eine Kultur der Transparenz, dank der sie zu niedrige Angebote kollektiv ablehnen konnten», so Bolzern weiter. Berufe im organisatorischen und künstlerischen Bereich hingegen, wie Kostümbildner und Kostümbildnerinnnen, oder in der Koordination waren lange unterbewertet. Mit der Anpassung sollten solche Differenzen ausgeglichen werden.

Unterschiedliche Erhöhungen

So erhöhte sich zum Beispiel der Lohn eines Kostümbildners oder einer Kostümbildnerin mit sieben Jahren Erfahrung um merkliche 7,25 Prozent von 2'275 auf 2'440 Franken pro Woche. Der Lohn eines Kameramanns oder einer Kamerafrau hingegen, der von Anfang an hoch war, beträgt neu 4'765 Franken, was einer minimalen Steigerung um 0,3 Prozent im Vergleich zu 2009 entspricht. Regieassistenten und -assistentinnen, deren Verantwortungsbereich sich mit der Internationalisierung der Produktionen erweitert hat, gehören zu den Berufen mit den grössten Erhöhungen.

“Die genaue Festlegung der Löhne war sehr schwierig. Hinter jeder Zahl steht die Existenzgrundlage der betroffenen Fachkräfte.”
Chantal Bolzern, Präsidentin des Vorstands des SSFV

«Neben der Anhebung der Löhne wurden auch die Funktionen neu bewertet und die Strukturen angepasst», so Sophie Toth, Ko-Präsidentin der IG Unabhängige Schweizer Filmproduzenten. Obwohl diese Änderung eine gerechtere Verteilung anstrebt, ruft ihre Umsetzung Bedenken hervor. Die finanziellen Auswirkungen setzen die Produktionsfirmen unter Druck: «Die Produktionskosten steigen, während die Budgets immer knapper werden».

Vor diesem Hintergrund stellt sich die ewige Frage: Müssen wir weniger produzieren und dafür jeden einzelnen Film besser finanzieren?

Das Gleichgewicht finden

2027 wird eine erste Bilanz gezogen. «Dies ist erst der Anfang und noch nicht endgültig», betont Bolzern. Doch damit die Richtlohnliste reale Auswirkungen hat, muss ihre Umsetzung garantiert werden. Da das SSFV keinerlei Sanktionsbefugnis hat, setzt es auf die Zusammenarbeit mit Förderinstitutionen und Geldgebern, damit die Richtlöhne bei der Mittelvergabe berücksichtigt werden.

Zudem fördert der Verband den Austausch unter den Fachleuten, um Lohntransparenz zu gewährleisten. So wurde ein brancheninternes System zum Informationsaustausch geschaffen, um Lohnangebote und -forderungen zu teilen.

Reichen diese Reformen aus, um die audiovisuelle Branche attraktiver zu machen? «Die neuen Richtlöhne sind interessant», so Toth. «In zahlreichen Kategorien, insbesondere im Einstiegs- und Assistenzbereich, liegen die Lohnerhöhungen deutlich über der Teuerung. Doch es gibt noch viel zu tun. Verglichen mit den Nachbarländern stehen dem Film in der Schweiz weniger Mittel zur Verfügung, und er müsste besser gefördert werden». Gemäss Bolzern ist «diese Lohnanpassung nur ein erster Schritt, und in gewissen Berufen sind weitere Erhöhungen notwendig».

Auch andere Probleme bleiben bestehen, insbesondere die langen Arbeitszeiten, die Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben und die teilweise prekären Beschäftigungsverhältnisse. «Es reicht nicht, Nachwuchskräfte für Filmberufe zu begeistern, wir müssen sie auch halten können», so die Präsidentin des SSFV. Lösungen wie «Jobsharing» oder angepasste Arbeitszeiten sind denkbar, doch Reformen am Wirtschaftsmodell der Branche bleiben schwierig. Die Entwicklung der Arbeitsbedingungen bleibt folglich eine grosse Herausforderung, wenn der Schweizer Film seine Wettbewerbsfähigkeit – und seine Nachwuchstalente – nicht verlieren will.

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