Der Medianlohn im Kultursektor betrug 2016 40'000 CHF pro Jahr. Sechs Jahre später, im Jahr 2021, lag gemäss dem Verein Suisseculture Sociale, der diese Statistik seit 2006 führt, das Einkommen von 60 Prozent der Kulturschaffenden unterhalb dieser Schwelle. Unter solchen Bedingungen ist es schwierig, sich auf Schicksalsschläge vorzubereiten oder den Ruhestand zu planen. Chamsi Diba, die im vergangenen Sommer die Westschweizer Antenne des Schweizer Syndikats Film und Video SSFV übernahm, stellt unter den Mitgliedern tatsächlich folgende Priorisierung fest: «Man denkt zuerst an gegenwärtige Risiken wie Arbeitslosigkeit oder Unfälle und weniger an die Zukunft. Viele wissen nicht einmal, was die zweite Säule ist und wozu sie dient.»
Zum Glück haben Suisseculture Sociale und die Berufsverbände des Kultursektors die Internetseite «Artists Take Action» (artists-take-action.ch) ins Leben gerufen – einen Online-Ratgeber, der erklärt, wie man sich versichert, und Licht in den Dschungel der Sozialversicherungen bringt. Die Seite bietet auch eine sehr nützliche Rubrik «Beratung», wo man spezifische Fragen stellen kann und an den entsprechenden Berufsverband weitergeleitet wird, um Unterstützung zu erhalten. Diese Initiative entstand aus der Erkenntnis, insbesondere während der Corona-Pandemie, dass viele Kulturschaffende in immer grösserer Prekarität leben.
An die Zukunft denken
Die Rente ist eines der Themen, das viele beschäftigt. Emmanuelle Fournier-Lorentz, Drehbuchautorin und Mitglied der SSA, findet es «grossartig, dass die Verwertungsgesellschaft sich der Prekarität der Renten der Autoren und Autorinnen bewusst ist und uns deshalb aufgrund der Urheberrechte, die wir erhalten, einer dritten Säule anschliesst.» Ein Auffangnetz, das jedoch leider nicht ausreicht.
Auch beim SSFV ist die Altersvorsorge ein grosses Thema, zumal man sich nicht erst im letzten Moment darauf vorbereiten kann: «Was mich beunruhigt», so Diba, «sind die Leute, die sich nie um Sozialversicherungen gekümmert haben und mit fünfzig Jahren feststellen, dass sie grosse Beitragslücken in ihrer Rentenversicherung haben – dies obwohl die audiovisuelle Branche vor 30 Jahren eine speziell auf die Bedürfnisse von Freischaffenden der Filmbranche ausgerichtete Pensionskasse (VFA-FPA) gegründet hat.» Um das Problem an der Wurzel anzugehen, leistet der SSFV an den Hochschulen der ganzen Schweiz Aufklärungsarbeit: «Man muss sich vom Beginn der Karriere an um die Rente kümmern und die Unterschiede zwischen dem Status von Angestellten und Selbständigen gut kennen.»
Dieser administrative Unterschied hat grosse Auswirkungen auf die soziale Sicherheit: Angestellte sind gegen Unfall versichert, leisten Beiträge an die AHV und, je nach Einkommen, an die zweite Säule. Selbständige hingegen müssen sich selbst absichern, zum Beispiel über eine Erwerbsausfallversicherung, und auf freiwilliger Basis in die zweite und dritte Säule einzahlen. Die Regisseurin Céline Pernet traf ihre Entscheidung aufgrund der Erfahrungen anderer: «Im Gespräch mit älteren Kollegen und Kolleginnen, die lange selbständig erwerbend waren und feststellten, dass sie wenig für ihre Rente einbezahlt hatten, wurde mir rasch klar, dass ich als Angestellte arbeiten muss.»
Doch in einer Branche, in der man oft im Auftragsverhältnis arbeitet, häufig den Arbeitgeber wechselt, zwischendurch immer wieder arbeitslos ist und starke Einkommensschwankungen hat, bietet auch das Angestelltenverhältnis keinen absoluten Schutz. Gemäss der Einkommensstudie von Suisseculture Sociale zahlen nur 69 Prozent der Selbständigerwerbenden Beiträge an die AHV, und auch bei den unselbstständig Erwerbenden liegt der Anteil nur bei 86 Prozent.
Niedrige Löhne
Das wachsende Bewusstsein als Folge der Pandemie und die Anstrengungen der letzten 25 Jahre, um die Arbeitsbedingungen im Kulturbereich sichtbar zu machen, tragen dennoch Früchte – insbesondere in der Kulturbotschaft 2025-2028, die Massnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen vorsieht. So hat der Bund Mittel bereitgestellt, um die Tätigkeit von Suisseculture Sociale dauerhaft zu sichern und daraus ein «nationales Kompetenzzentrum» zu machen. Gemäss dem Generalsekretär des Vereins, Etrit Hasler, eine gute Gelegenheit, um Informationslücken zu schliessen: «Es ist zum Beispiel wichtig, den Ratgeber auszuweiten für all jene, die im Ausland arbeiten. Derzeit gibt es keine einzige Schweizer Internetseite, die solche Informationen zur grenzüberschreitenden Tätigkeit in der Kulturszene bietet.»
Allen Anstrengungen zum Trotz bleibt das Geld ein Knackpunkt. Für Hasler liegt das grösste Problem «bei den niedrigen Einkommen. Man kann vieles in der Funktionsweise der AHV oder der Arbeitslosenversicherung ändern, doch wenn die Löhne nicht steigen, bringt das keine Lösung.»