Wie verliefen die Dreharbeiten zu «Log-out», die im September 2024 begannen?
Für mich war es eine neue Erfahrung, mit zwei verschiedenen Regisseuren an einer Serie zu arbeiten. Louis Farge übernahm die Folgen 1, 2 und 5, während Luc Walpoth für die Folgen 3, 4 und 6 verantwortlich war. Jeder von ihnen brachte seine eigenen Vorstellungen ein, ohne dabei die Grundlage der Serie aus den Augen zu verlieren. Die Muster sind vielversprechend, und die ersten Reaktionen der Vertriebe sehr positiv. Mit Ami Cohen und Raphaël Meyer hatten wir glücklicherweise zwei sehr talentierte Drehbuchautoren, die der Serie eine klare, starke Ausrichtung gaben. «Log-out» thematisiert die Gefahren der digitalen Gesellschaft vor dem Hintergrund eines Familiendramas – ein hochaktuelles Thema.
Was waren die grössten Hürden, die Sie überwinden mussten?
Davon gab es einige. Es begann schon mit den Kulissen und Drehorten. In der Schweiz wollten wir ursprünglich mehr in Genf drehen, doch das erwies sich aufgrund der hohen Unterkunftskosten, der komplexen Logistik und der schwer zu erlangenden Bewilligungen als kompliziert. Der Mangel an geeigneter Infrastruktur erschwerte die Situation zusätzlich, sodass wir auf einen anderen Kanton ausweichen mussten. Das Wallis bot uns eine interessante Alternative, mit einem direkteren Austausch und einem unterstützenden Umfeld. Neben den menschlichen Aspekten spielte auch der Zugang zu Finanzierungen und Subventionen eine entscheidende Rolle.
Ist es einfach, das Budget einzuhalten und zugleich den künstlerischen Ansprüchen gerecht zu werden?
Das ist ein wahrer Balanceakt, der Druck ist allgegenwärtig. Man muss mit den Ressourcen jonglieren, jede Ausgabe optimieren und vor allem niemals Kompromisse in Bezug auf die Qualität der Geschichte und der Produktion machen. In meinem Beruf muss man erfinderisch sein. Wir versuchen stets, durch Bündelungen Kosten zu sparen. So ist es zum Beispiel günstiger, mehrere Szenen vor der gleichen Kulisse zu drehen. Massgeblich ist auch die richtige Auswahl der Mitarbeitenden und Partner. Wir hatten das Glück, auf sehr talentierte technische Fachkräfte zurückgreifen zu können, die mit Einschränkungen umzugehen wissen. Das Ziel bleibt immer das gleiche: mit begrenzten Mitteln eine qualitativ hochstehende Serie zu erschaffen. Dabei ist die menschliche Komponente entscheidend. Es reicht nicht, ein Kostenmanager zu sein. Man muss auch vor Ort sein, die Teams unterstützen und gute Arbeitsbedingungen bieten. In Saillon, zum Beispiel, brachten wir alle in einem Hotel mit Thermalbad unter. Solche kleinen Aufmerksamkeiten machen einen grossen Unterschied.
Verlief die Zusammenarbeit mit TF1 reibungslos?
Ja, absolut. TF1 ist ein grosser Sender und hat dementsprechend hohe Erwartungen, doch seine Arbeitsweise ist konstruktiv und ergänzt die unseres Schweizer Koproduzenten RTS sehr gut. Als TF1 in das Projekt einstieg, waren alle sechs Drehbücher bereits weit fortgeschritten, sodass wir uns auf kleine Anpassungen konzentrieren und viel Zeit sparen konnten. Eine der grossen Stärken von TF1 als Koproduzent besteht darin, dass er sich nicht nur finanziell, sondern auch kreativ beteiligt und an der künstlerischen Gestaltung mitwirkt. Zudem trägt er massgeblich zur Wertschöpfung der Projekte bei. TF1 bietet einer Serie wie «Log-out» enorme Sichtbarkeit. Wenn die Serie beim Publikum ankommt, wird sie von umfangreichen Werbekampagnen begleitet: Plakate in der Pariser Metro, Werbespots und eine breite Promotion über alle Kommunikationskanäle. Nur wenige Vertriebe können sich heutzutage eine solche Präsenz leisten.
Wenn Sie an die 2022 erschienene Serie «Hors-saison» zurückdenken, was hat Sie an dieser ersten Erfahrung am meisten geprägt?
«Hors-saison» war für Akka Films und für mich ein Sprungbrett. Es war meine erste Serie als Koproduzent. Was mich am meisten verblüfft hat, war die Komplexität des Produktionsprozesses. Wir hatten das Glück, dass «Hors-saison» für die Co-Pro Pitching Sessions von Series Mania ausgewählt wurde. Dies hat uns viele Türen geöffnet. Wir befanden uns in einem Saal voller Entscheidungsträger und -trägerinnen, was unserem Projekt sofort Glaubwürdigkeit verlieh. Es geschieht nicht oft, dass eine Serie – vor allem eine Schweizer Serie – auf so viel Interesse stösst. Die andere wichtige Lektion, die ich gelernt habe, ist der Umgang mit den Koproduktionspartnernn. Gaumont, France Télévisions und RTS waren interessante Partner. Jeder brachte seine Erfahrung ein, doch es war viel Arbeit nötig, um die künstlerischen Vorstellungen, die Erwartungen der aller Vertriebsplattformen und die finanziellen Zwänge unter einen Hut zu bringen. Dank dieser Erfahrung konnte ich einen reiferen und strukturierteren Ansatz entwickeln, insbesondere für internationale Koproduktionen.
Welche grundlegenden Werte vertreten Sie in Ihrer Arbeit als Produzent?
Im Zentrum steht immer das Wohl aller Beteiligten. Ich denke, man kann diesen Beruf nicht ausüben, wenn man keine Leidenschaft für Menschen hat. Produktion ist Teamarbeit, und jedes Teammitglied, von der Regie bis zur Technik, leistet einen wertvollen Beitrag. Jeder und jede muss sich respektiert und unterstützt fühlen. Ein Filmset ist ein Mikrokosmos, in dem zwischenmenschliche Beziehungen genauso wichtig sind wie die Qualität der geleisteten Arbeit. Zudem ist die Sinnsuche in meinem Beruf allgegenwärtig. Natürlich machen wir Unterhaltung, doch hinter den Geschichten, die wir erzählen, steckt immer eine Aussage, und mir ist es wichtig, dass sie authentisch ist. Jenseits von Zahlen, Budgets und Quoten lasse ich mich von der Überzeugung lenken, dass wir das Publikum berühren, bewegen und zum Nachdenken anregen können. Das ist es, was die künstlerische und gesellschaftliche Bedeutung von Filmen und Serien ausmacht – und was mich antreibt, diesen Weg zu verfolgen.
Wie sehen Sie die Zukunft der Schweizer Serien-Produktion?
Wir stehen alle vor grossen Herausforderungen. Zurzeit wird viel über die zunehmende Produktion von Serien gesprochen, doch die Mittel nehmen nicht in gleichem Masse zu. Bei RTS zum Beispiel reichen die Mittel des Pacte de l’audiovisuel gerade einmal, um zwei bis drei Serien pro Jahr zu finanzieren, und dies wird sich nicht ändern. Da die Budgets nicht mehr an die Teuerung angepasst werden, ist es sogar fraglich, ob die SRG langfristig in ihrer aktuellen Form weiterexistieren wird. Zudem werden immer mehr Projekte eingereicht, doch die Ressourcen bleiben gleich oder nehmen sogar ab. Die wahre Herausforderung für uns besteht darin, grössere Budgets zu erhalten, denn wir können von den Fachkräften nicht verlangen, dass sie von Löhnen, die nicht an die Teuerung angepasst werden, anständig leben können. Die Mittel für die Produktion stagnieren (und nehmen folglich inflationsbedingt ab), was jede Entscheidung noch schwieriger macht. Wir müssen uns anpassen, indem wir Projekte vorschlagen, die kostengünstiger zu realisieren sind, mit weniger Folgen, weniger Kulissen und einer effizienteren Nutzung der Ressourcen. Und uns weiterhin einsetzen, um immer stärkere Koproduktionspartner zu finden.
Welche Art von Projekt würden Sie in Ihren kühnsten Träumen gerne verwirklichen?
Mein grösster Traum wäre es, eine grosse Fantasy-Serie zu produzieren. Dieses Genre hat mich schon immer fasziniert, sei es als Buch oder als Film. Doch auch dem Krimi fühle ich mich stark verbunden, in diesem Bereich werde ich bestimmt weiterarbeiten. Was mich interessiert ist die Verbindung von Unterhaltung und Tiefgang, indem gesellschaftliche und politische Fragen im Rahmen einer fesselnden Geschichte thematisiert werden. Ich habe einige Projekte in Entwicklung und hoffe, sie in den kommenden Jahren umsetzen zu können. Doch dazu braucht es noch viel Zeit und Arbeit. Filme und Serien zu produzieren, erfordert Geduld und Gemeinschaftssinn, aber auch Vorausplanung und Durchhaltewillen.
«Futura!» an den Solothurner Filmtagen
Während Philippe Coeytaux über die Zukunftspläne und die Philosophie von Akka Films spricht, macht die Produktionsfirma mit «Futura! Volume 2» von sich reden. Die in Zusammenarbeit mit Cinédokké und Dschoint Ventschr und mit Unterstützung von Play Suisse, RTS, SRF und RSI produzierte Doku-Serie von Regisseur Nicolas Wadimoff feiert an den Solothurner Filmtagen ihre Premiere. Zehn junge Schweizer Filmschaffende erkunden darin unterschiedliche Gemeinschaften, deren Schwierigkeiten und Perspektiven und werfen einen umfassenden und kollaborativen Blick auf zahlreiche gesellschaftliche Themen.