Susanne  Regina Meures
Susanne Regina Meures. © Rosa Merk

Susanne Regina Meures

Selina Hangartner 29. Oktober 2024

Die Suche nach dem Leben der Regisseurin und ihrer Protagonisten.

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Die Flucht nach vorne. Sie treibt die Menschen in Susanne Meures’ Filmen voran. In «Raving Iran» (2016) kämpft sich ein DJ-Duo an der iranischen Zensur ab und landet in der Schweiz, um hier ohne Restriktionen die Plattenteller kreisen zu lassen. «Saudi Runaway» (2020) zeigt die Flucht einer jungen Frau vor dem repressiven Regime Saudi-Arabiens. Die soll ihr gelingen, aber der Weg ist – gelinde gesagt – steinig. In «Girl Gang» (2022) offenbart sich der wenig glamouröse Alltag einer Influencerin, die den wankelmütigen Widerstand im Kleinen übt. Gegen eine Struktur, die die erst 14-Jährige miterschaffen hat, sie nun aber Tag für Tag, Social-Media-Post für Social-Media-Post in Fängen hält. Was für Fans wie ein gelebter Traum aussieht, erweist sich unter dem geduldigen Blick Meures’ als kein leichtes Schicksal.

Meures macht es sich selbst nicht leicht mit der Wahl ihrer Themen, wenn sie das wenig Sichtbare vor die Linse, das kaum je Gehörte ans Mikrofon holt. Die 1977 in Deutschland geborene, nach einer Zwischenstation in London nun seit langem in der Schweiz lebende Regisseurin reizen Protagonisten und Protagonistinnen, die auf der Suche nach dem «Mehr» sind – mehr Selbstbestimmung, mehr Selbstausdruck. Darin gleichen sich Meures und die Menschen, die sie zeigt: Die Regisseurin fand zum Film, weil sie nach einer Essenz des Lebens Ausschau hielt. Davor war sie als Arts Editor hochkarätiger Publikationen tätig, doch beim statisch Visuellen stiess Meures an mediale Grenzen.

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«Raving Iran», 2016 war Meures’ Durchbruch. © Susanne Regina Meures
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«Raving Iran» wurde unter anderem bei Visions du Réel mit dem Preis des innovativsten Schweizer Films. ausgezeichnet. © Susanne Regina Meures
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«Girl Gang», 2020. © Susanne Regina Meures,

Auch hier scheinen Parallelen zwischen Geschichten und Erzählerin auf: Für Meures war es kein schwerer Entscheid, sich trotz Erfolgs nochmals Wege zu bahnen. Ihr Enthusiasmus, der sich im Gespräch mit der Regisseurin evident macht, zog sie mit. Zunächst durch ein Filmstudium an der ZHdK, dann hinein ins Schweizer Filmschaffen. Mit Erfolg: «Raving Iran» schlug Wellen, auch weil die heimlich gedrehten Aufnahmen auf den Behörden im Iran faszinieren und verblüffen. Auch der pointierte Schluss, bei dem Arash und Anoosh im Schweizer Taxi zu hören, nach einer Schwarzblende aber nicht mehr zu sehen sind: Sie bitten um das Anhalten des Fahrzeugs, weil sie aussteigen und die Heimreise nicht antreten wollen. Freiheit, dann Abspann. An internationalen Festivals gewannen alle drei Filme ihre verdienten Preise. «Saudi Runaway» feierte am Sundance Premiere, und war etwa für den Europäischen Filmpreis nominiert, genau wie «Girl Gang». «Saudi Runaway» zeichnete die Akademie mit dem European University Film Award aus.

Es ist die stilistische Freiheit, die evident macht, weshalb sich Meures ungern aufs Etikett «Dokumentarfilm» festlegen lässt. Auch wenn ihre langjährigen Recherchen den Ansprüchen der Kategorie entsprechen würden. Der rote Faden in Meures’ Filmschaffen ist aber nicht so sehr die Dokumentation, sondern lebensbejahende Narrative, die das Leben selbst eben immer noch am besten schreibt. Wohin Meures’ Weg als Nächstes führt, bleibt spannend. Angebote von Streamern gibt es, eigene Projekte sind in Entwicklung, darunter Kollaborationen mit Kollegen und Kolleginnen. Sie freut sich auf ein Experimentieren mit neuen Formen.

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