Der Animationsfilmemacher und Illustrator Nino Christen aus Zürich hat sich nach dem Studium an der HSLU in Luzern eine Karriere im Bereich der Auftragsfilmproduktion aufgebaut. Beim Fantoche erzählte er, wie in jedes Projekt seine eigene Perspektive einfliesst. Exemplarisch dafür präsentiert er hier drei markante Beispiele.
Die 13-teilige Web- und TV-Serie «Filosofix» für SRF Kultur und Sternstunde Philosophie, ist ein wichtiger Meilenstein in meiner Karriere. Als erster grosser Auftrag konnte ich extrem viel lernen und mich mit meinem Animationsstudio richtig etablieren. «Filosofix» ist eine Serie, die grosse philosophische Fragen in Form von animierten Gedankenexperimenten ergründet. Die Themen sollten möglichst abwechslungsreich und mit viel Humor erzählt werden. Ich habe mich für einen reduzierten visuellen Stil entschieden, der eine hohe Wiedererkennbarkeit hat und eine effiziente Technik mit ausdrucksstarken Figuren verbindet. Die Produktion dauerte mehrere Jahre, was eine sehr intensive und bereichernde Zusammenarbeit mit dem Sternstunde Philosophie-Team bedeutete. Dazu kommt der Austausch mit Martin Bezzola, der die Tonspur für die 1- bis 2-minütigen Episoden entwickelt und realisiert hat, die den Filmen eine markante Handschrift geben.
«Only a Child» ist ein visuelles Gedicht, das von über 20 Schweizer Animationsregisseuren und -regisseurinnen unter der künstlerischen Leitung von Simone Giampaolo geschaffen wurde und von Amka Films produziert wurde. Es verleiht den Worten von Severn Cullis-Suzuki beim UN-Gipfel in Rio de Janeiro 1992 – dem verzweifelten Appell eines Kindes für die Zukunft unseres Planeten – Form und Farbe. Der Omnibus-Film, hat an zahlreichen Filmfestivals Preise gewonnen und hat es auf die Shortlist der Oscars 2022 geschafft. Die individuellen Beiträge der Künstler und Künstlerinnen umfassen jeweils rund 10-15 Sekunden, darüber legt sich eine Erzählerstimme, die aus den Originalsprachaufnahmen von Cullis-Suzuki gewonnen wurde. Basierend auf einem rudimentären Storyboard, das Simone Giampaolo bereitstellte, konnte ich mich gestalterisch und dramaturgisch, sehr stark selbst einbringen. Mit einem einfachen aber auffälligen Charakterdesign und flüssigen Übergängen wollte ich die wenigen Sekunden möglichst ausdrucksstark gestalten.
Die Band The Westerns aus Los Angeles hatte die ambitionierte Idee, ein Musikvideo zu produzieren, das sich über ihr gesamtes Album erstreckt. Jedes Stück sollte von unterschiedlichen Animationskünstlern und -künstlerinnen umgesetzt und am Ende zu einem zusammenhängenden Film verbunden werden. Über meinen Kurzfilm «L’Île Noire» (2014), der als «Vimeo Staff Pick» gelistet ist, und auch an internationalen Festivals ausgezeichnet wurde, sind die Musiker auf mich aufmerksam geworden. Ihnen gefiel besonders der markante Schwarz-Weiss-Stil. Für ihr extrem düsteres Stück «Lobo» sollte ich eine ähnlich intensive Bildsprache entwickeln. Das war eine interessante Abwechslung zu meinen meist eher humorvollen und positiven Projekten. Die Produktion meines Musikvideos dauerte zwei Monate. Wie so oft bei kulturellen Projekten war das Budget begrenzt, dafür hatte ich umso mehr kreative Freiheit bei der Gestaltung und dem Schnitt. Einige Videos aus der Serie sind noch in Arbeit, der fertige Film steht daher noch aus.