Simon Ottos Weg nach Hollywood
Filmstillaus «ThatChristmas» © Netflix

Simon Ottos Weg nach Hollywood

Max Borg 1. November 2024

Der Schweizer Filmschaffende, der jahrelang als Animator bei DreamWorks tätig war, stellt demnächst seinen ersten Langfilm auf Netflix vor.

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Als Simon Otto beschloss, sich der Animation zu widmen, stiess er rasch auf ein Hindernis: Es gab in der Schweiz keine spezialisierte Ausbildung. Also ging Otto nach Paris. «Die Animationsfilme von Disney haben mir immer schon gefallen, sowie Tim und Struppi oder auch Asterix», verrät er uns anlässlich eines Treffens im Juni am Festival International du Film d’Animation d’Annecy. «Seit meiner Kindheit wusste ich, dass ich Animator werden möchte. Doch in der Schweiz war das damals etwa so, wie wenn ich gesagt hätte, ich wolle Astronaut werden. Ich konnte an der Gobelins-Schule in Paris studieren und hatte danach das Glück, unter den drei Studierenden meiner Gruppe zu sein, die ausgewählt wurden, um bei DreamWorks in Hollywood zu arbeiten».

Chancen nutzen

Während dieser Phase seiner Karriere, die 21 Jahre dauerte, war er insbesondere als Chef-Animator für die Trilogie «Dragons» von Dean DeBlois tätig. Was ist die wichtigste Erkenntnis, die er aus dieser Zeit gewonnen hat? «Man muss Gelegenheiten nutzen, wenn sie sich bieten. Ich habe das zu Beginn versäumt. Als ich in Paris studierte, suchte das damals noch unbekannte Studio Pixar nach Personal für den ersten Teil von ‹Toy Story›. Ich lehnte ab, weil ich keine digitale Animation machen wollte. Es war ein Fehler, mich dieser Vorstellung komplett zu verschliessen».

Während Otto immer noch in Los Angeles lebt – wo er auch seinen ersten eigenen, von Richard Curtis geschriebenen Langfilm «That Christmas» realisierte, der ab 4. Dezember auf Netflix zu sehen ist – bringt er sich auch in der Schweiz aktiv ein. So wirkte er an der Einführung der Animationskurse an der Hochschule Luzern mit, um zukünftigen Animatoren und Animatorinnen eine Möglichkeit zu bieten, die er nicht hatte. «Ich bin ein Aussenstehender und zugleich dank der Schule voll in das System integriert», erklärt er. «Das schönste Erlebnis, das ich dieses Jahr in Annecy hatte, war im Übrigen eine Begegnung mit einem jungen Schweizer Studenten, der mir verriet, dass er mich als Elfjähriger auf Google gesucht hatte. Er war auf ein Interview gestossen, in dem ich die Schule in Luzern erwähnte. Heute kann er seine Träume verwirklichen. Als ich Kind war, gab es noch kein Internet, um andere Kunstschaffende zu entdecken und ihren Werdegang zu verfolgen. Es ist grossartig, dass ich den jungen Animatoren und Animatorinnen von heute helfen kann».

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Simon Otto. © Locksmith Animation

Finanzielle Hürden

Die Finanzierung von Animation in der Schweiz ist ausbaufähig. Die Bundesbeiträge für Langfilme stammen aus dem Budget für Spielfilme, was erkläre, wieso pro Jahr nicht mehr als zwei Projekte unterstützt würden. Gemäss Otto wird sich das so bald nicht ändern, denn Animation ist sehr personalintensiv, und in der Schweiz sind die Löhne höher. «Deshalb werden Animatoren und Animatorinnen in London oder Vancouver rekrutiert, denn dort gibt es Steuervorteile. Doch das Talent ist hier bei uns vorhanden, und genau deshalb gibt es die Schule: Um diesen jungen Leuten den Einstieg in die Branche zu erleichtern, auch wenn sie dafür ins Ausland gehen müssen. Und einige von ihnen haben eines Tages Lust, in die Schweiz zurückzukehren, um ihr im Ausland erworbenes Können weiterzugeben».

Otto ist im Übrigen nicht der einzige Schweizer im Team von «That Christmas» – eine Tatsache, auf die er recht stolz ist. Zwei seiner Haupt-Animatoren und -Animatorinnen, Ramón Arango (siehe Interview in Cinébulletin Nr. 547) und Heidi Marburger, haben an der Hochschule Luzern studiert. Zudem wurden die Szenenbücher von Sarah Vettori gezeichnet, die von ihrem Wohnort in der Schweiz aus an dem Projekt arbeitete. «Es freut mich sehr, dass diese talentierten Schweizer Fachkräfte im Team einer grossen internationalen Produktion mitwirken konnten. Das wäre zu Beginn meiner Laufbahn unvorstellbar gewesen».

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