Boris Lojkine und Souleymanes Geschichte
Unser Gespräch mit dem Regisseur von «L'histoire de Souleymane» über die Verantwortung für die Geschichte eines anderen. Der Film wird in der Schweiz über Trigon-Film vertrieben.
Teresa Vena 29. Juli 2024
Am 7. Dezember 2024 richtet die Schweiz zum ersten Mal die Verleihung der europäischen Filmpreise aus. Mitte Juni fand eine Begehung des KKL in Luzern statt, das als Veranstaltungsort dienen wird.
Die Europäische Filmakademie hat ihren Sitz in Berlin. Hierhin lädt sie jedes zweite Jahr zu den European Film Awards ein. In den Jahren dazwischen beherbergt jeweils eine andere europäische Stadt die Feierlichkeiten um die Preisverleihung. 2022 war Reykjavik an der Reihe, dieses Jahr ist es Luzern.
Die Bemühungen, die Veranstaltung in die Schweiz zu holen, gingen ursprünglich auf die Initiative des Bundesamts für Kultur und Swiss Films zurück. Als Austragungsort waren entweder Genf oder Zürich vorgesehen. Die Film Commission Luzern-Zentralschweiz erreichte allerdings, dass es 2018 zu einer Ausschreibung kam, um die Gastgeberstadt zu ermitteln. Auf diese Weise konnte sich Luzern den Zuschlag im innerschweizerischen Wettbewerb sichern. Zwei Jahre später folgte die Zusage der Akademie an die Schweiz, seitdem laufen die Vorbereitungen.
Das Bundesamt für Kultur, die Stadt und der Kanton Luzern sowie die SRG bilden die Trägerschaft der Veranstaltung. Das Bundesamt für Kultur übernimmt die Verantwortung für das Rahmenprogramm, die Promotionsarbeit und das Protokollarische, die SRG ist die offizielle Medienpartnerin, und Luzern kümmert sich um die Ausrichtung der Preisverleihung vor Ort. Die Projektleitung haben Stadt und Kanton dem Verein Film und Fernsehen Luzern-Zentralschweiz und der Trägerschaft der gleichnamigen Film Commission übertragen.
Mitte Juni begrüsste die Luzerner Projektleitung mit Lili Kaelin und Niklaus Zeier von der Film Commission eine Delegation der Europäischen Filmakademie aus Berlin in Luzern. Bei der Begehung des KKL ging es darum, die logistischen und technischen Bedürfnisse der Veranstaltung zu besprechen. Das gesamte Gebäude wird vor und hinter den Kulissen bespielt werden.
Ein wichtiges Thema betrifft die Wegführung für die Gäste. Prominente Gesichter und insbesondere Nominierte sowie Preisträger und Preisträgerinnen sollen einen gesonderten Empfang bekommen. Dafür wird ein VIP-Teppich ausgerollt werden - ein blauer. Das Motto der Preisverleihung heisst nämlich «Wasser und Bewegung» («Water - Motion»). Es greift die Bedeutung, die Wasser für Luzern hat, auf und will gleichzeitig auf dessen symbolische Kraft verweisen. Flüsse verbinden Orte, sie verbinden Menschen, genauso wie Filme das zu tun vermögen. Wasser soll als Leitmotiv auf möglichst vielen Ebenen sichtbar sein. Neben des farblichen Einflusses auf das visuelle Konzept schlägt es eine Brücke zum Wunsch, eine möglichst umweltbewusste Veranstaltung zu organisieren. So wird, beispielsweise, das regionale kulinarische Angebot durch Leitungswasser ergänzt werden. «Wir möchten anregen, darüber zu reflektieren, wie unsere Gesellschaft mit diesem lebenswichtigen Grundstoff umgeht», sagt Zeier.
“Wir bevorzugen richtige Konzertsäle wegen ihres besonderen Charmes im Vergleich zu vielleicht technisch flexibleren Mehrzweckhallen”Jürgen Biesinger
Kernstück des KKL ist der Konzertsaal. Hier wird die Preisverleihung durchgeführt, von hier aus wird sie als Direktübertragung in die Welt gesendet werden. Um das zu bewerkstelligen, braucht es eine entsprechende technische Ausstattung. Die Akademie, stellvertretend durch Jürgen Biesinger, der die Verantwortung für die Produktion trägt, wird dabei vor Ort von der Firma Auvisio unterstützt. Letztere funktioniert als Bindeglied zwischen der Akademie und dem KKL, klärt welche sicherheitstechnischen Richtlinien eingehalten werden müssen, und stimmt Zeitpläne ab. «Wir bevorzugen richtige Konzertsäle wegen ihres besonderen Charmes im Vergleich zu vielleicht technisch flexibleren Mehrzweckhallen», so Biesinger.
Für Luzern bedeutet das, dass die Kamerapositionen nicht beliebig gewählt werden können. Die Möglichkeit, Sitzreihen auszubauen, oder die Einhaltung von Fluchtwegen müssen genau evaluiert werden. Vermutlich wird es schwieriger sein, mit einem Kran zu arbeiten. Lösungen werden in den nächsten Wochen ausgearbeitet werden. Einige Dinge sind allerdings nicht verhandelbar: Es dürfen weder Wasser noch Feuer, aber auch keine Laserstrahlen oder Drohnen verwendet werden. Im Saal sind zudem keine Getränke erlaubt, Mäntel und Jacken müssen in der Garderobe abgegeben werden.
Über das Konzept auf der Bühne, das der Schweizer Bühnenregisseur Harry Heusser und der deutsche Autor Volker Ferenz gemeinsam ausarbeiten, ist noch nicht viel bekannt. Sie überlegen, aus den modulierbaren Einzelbestandteilen der Bühne Stufen auszuarbeiten, um ein Arenagefühl zu erzeugen. Sicher ist, dass die Schweiz visuell und inhaltlich erkennbar sein soll, dass die Moderation des Abends Schweizer Persönlichkeiten übernehmen werden und die schweizerische Mehrsprachigkeit zum Tragen kommen wird. Schweizer Talente sollen auch in den Musikeinlagen und den vorgesehenen Videoeinspielern präsent sein.
Für die Veranstaltung ist das KKL insgesamt eine Woche gebucht. Diese beginnt am Montag mit dem Aufbau der Technik und den gestalterischen Elementen. Bevor am Samstag die Preisverleihung stattfindet, wird es verschiedene Proben geben. Ein Tag ist für den Abbau eingeplant, die Übergabe muss im Laufe des Sonntags geschehen, da bereits an dem Abend das reguläre Programm des Konzertsaals weitergehen wird.
Eine effiziente Planung ist nicht zuletzt aus Kostengründen essenziell. Für die Preisverleihung werden von Schweizer Seite 2,18 Millionen Franken und von der Akademie nochmal eine ähnliche Summe aufgeworfen. Beschäftigt werden bis zu 200 Angestellte, wovon die Mehrheit vor Ort rekrutiert werden wird.