Schlankheitskur für Succès Cinéma

Schlankheitskur für Succès Cinéma

6. Juni 2016

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Die Berechnung der Gutschriften der erfolgsabhängigen Förderung wurde geändert. Dies, um Überraschungen bei der Bekanntgabe der Zahlen zu verhindern und ihre Vorhersehbarkeit zu verbessern.

Von Pascaline Sordet

Die Beträge der erfolgsabhängigen Filmförderung werden dieses Jahr gesenkt, da sie den dafür vorgesehenen Gesamtkredit übersteigen. Das geschieht nicht zum ersten Mal. Die Gutschriften nehmen regelmässig ab und liegen bis zu 40 Prozent unter der vom Fördersystem festgelegten Summe. «Es wäre falsch, die fehlenden Mittel für die erfolgsabhängige Förderung mit Geldern aus der selektiven Förderung zu kompensieren», sagt Ivo Kummer. So beschloss man, diese Förderung zu modifizieren, um eine bessere Planung der Einnahmen zu ermöglichen, was für die Begünstigten wichtig ist: «Heute gibt es immer Überraschungen, wenn die Zahlen publiziert werden. Wenn in einem Jahr viele Kinofilme besonders erfolgreich sind, kann das System aus dem Gleichgewicht geraten.»

Trotzdem ist Succès Cinéma das beliebteste Förderinstrument innerhalb der Branche. Die im vergangenen Jahr veröffentlichte Evaluation zeigt aber, dass die Befragten das Instrument dennoch als ungenügend finanziert erachten. Diese Meinung teilt auch Daniel Howald, der als Mitglied des ARF/FDS-Vorstands in der Arbeitsgruppe Filmförderung mitgewirkt hat: «Das System ist nicht schlecht, es hat nur zu wenig Geld erhalten. Wir hatten bei dessen Ausarbeitung mit sieben, nicht mit fünf Millionen Franken gerechnet.»

Kontinuitätsbonus gefährdet
In der Evaluation wurde empfohlen, den Kontinuitätsbonus zu streichen und die Finanzen dadurch zu stabilisieren. Gemäss den vorliegenden Zahlen sind die Kreditüberschreitungen nämlich am ehesten diesem Mechanismus zuzuschreiben. «Die Branchenverbände protestierten gegen die Streichung, und so suchten wir einen Kompromiss», sagt Ivo Kummer. 

In Zukunft werden beim Dokumentarfilm die ersten 5ʼ000 Referenzeintritte und beim Spielfilm die ersten 10ʼ000 Eintritte für die Berechnung verdoppelt, die folgenden Eintritte werden addiert. Beim Dokumentarfilm ändert sich nichts, beim Spielfilm hingegen schon, die Änderung ist wichtig: Dort war das Verdoppeln vorher bis zu einem Plafond, also einer Obergrenze, von 30’000 Eintritten möglich; dieser Plafond wird neu auf 20ʼ000 gesenkt, beim Dokumentarfilm bleibt er bei 10ʼ000 Eintritten. «Das ist eine Änderung, die nicht mehr die gleiche Wirkung hat wie der Kontinuitätsbonus, die aber das Ergebnis dennoch beeinflusst», fasst der Leiter der Sektion Film zusammen.

Die zweite wichtige Änderung betrifft die Festivals: Die Verdoppelung der Referenzeintritte gilt neu nur für die Kinoeintritte, nicht mehr für die Festivalpunkte. Diese werden zwar für die Mindestschwelle mitgerechnet, jedoch nicht verdoppelt, was ihren Einfluss auf die definitiven Gutschriften vermindert. Kurz: Es ist nicht schwieriger als vorher, Gutschriften von Succès Cinéma zu erhalten, ist man aber im System drin, erhält man weniger Geld. Für den Regisseur und Produzenten Daniel Howald ist dennoch ein Ziel erreicht: «Wir konnten den Kontinuitätsbonus bewahren. Das ist wichtig für uns, weil er nicht nur die grossen Kinoerfolge, sondern die kleinen Filme, die Autorenfilme unterstützt.»

Diplomatische Lösung oder politischer Druck
Gibt es viele Kinoerfolge, wird das Budget von Succès Cinéma arg belastet. Jela Skerlak, die beim BAK für die erfolgsabhängige Förderung zuständig ist, bestätigt den «Heidi-Effekt» zwar, doch die Eintritte, die gewisse Schwellen überstiegen – die nationalen und regionalen Plafonds – würden bekanntlich nicht berücksichtigt. Trotzdem war es keine Option, die Plafonds zu senken und dadurch die Unterstützung von Filmen zu begrenzen, die bereits Geld einbringen. Stattdessen wurde der Zugang zur erfolgsabhängigen Förderung erschwert, obschon gerade die Autorenfilme diesen besonders nötig hätten. Sie sind die wichtigsten Garanten einer Vielfalt der Sprachen, Sichtweisen und Themen.

Gérard Ruey, der Ge­schäftsleiter von Cinéforom, war viele Jahre als Produzent tätig und plädiert ebenfalls für eine Unterstützung des mittleren Segments: «Für die grossen Erfolge funktioniert der Markt, und es ist leicht absurd, von erfolgsabhängiger Filmförderung zu sprechen. Das Ziel war immer, die Kontinui­tät zu gewährleisten und einen reinvestierbaren Fonds zu schaffen.» Doch anstelle einer Modifikation des Berechnungsmodells hätte er sich eine weniger diplomatische Lösung gewünscht: «Ich hätte es vorgezogen, nichts am System zu ändern und nur 70 Prozent der Gutschriften auszurichten, um damit einen politischen Druck aufrechtzuerhalten und auf längere Sicht zusätzliche Gelder zu erwirken, statt sich dem aktuellen Kredit anzupassen.»

Trotz gewisser Vorbehalte ist Daniel Howald grundsätzlich zufrieden mit diesen pragmatischen Änderungen: «Das System orien­tiert sich an den finanziellen Gegebenheiten, doch es funktioniert für alle und favori­siert die Vielfalt.» Mit einem Lächeln fügt er an, es sei doch ein gutes Zeichen,  wenn es an Geld fehle für die Belohnung von Erfolgen im Kino und an Festivals: Das bedeutet, dass es diese Erfolge gibt.

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