Diana Bolzonello Garnier: «Ohne Medienpräsenz kann ein Film unbemerkt bleiben»
Seit über zwanzig Jahren begleitet die Pressesprecherin Filmstarts in der Westschweiz in einer sich rasch wandelnden Medienlandschaft.
Teresa Vena 10. Januar 2025
Kino appelliert an die Emotionen des Publikums. Damit ist es das ideale Medium, um die Gesellschaft für bestimmte politische Themen zu sensibilisieren. Mit der entsprechenden Kommunikationsstrategie, die die übliche Auswertung über Kinos oder Festivals ergänzt, lässt sich eine gleichzeitig gezielte und breite Wirkung erzielen.
Nach der erfolgreichen Pilotphase von 2022 geht das Programm «Impact Accelerator» von Swiss Films in die zweite Runde. Damals wurden drei Projekte unterstützt, der Dokumentarfilm «Je suis noires» von Rachel M'Bon und Juliana Fanjul, dem eine umfangreiche Tournee durch die USA gelang, war eines davon. Drei neue Filmprojekte profitieren nun erneut von einer Förderung für die Entwicklung einer sogenannten «Impact»-Kampagne. Das Programm besteht aus einer professionellen Beratung, verschiedenen praktischen Seminaren und einem finanziellen Zuschuss von 30.000 Franken. Swiss Films ist für die Fortführung ihres Förderinstruments eine Zusammenarbeit mit der philanthropischen Stiftung The Story Board Collective aus Genf eingegangen. Deren Ausrichtung gibt Aufschluss über die Zielsetzungen einer «Impact»-Kampagne: Beabsichtigt ist nämlich, durch die entsprechende Promotionsarbeit über den Film auf die Gesellschaft Einfluss zu nehmen, etwas zu verändern.
Das Konzept des «Impact»-Produzierens stammt aus dem englischsprachigen und skandinavischen Raum. Zögerlich bilden sich in den letzten Jahren im übrigen Westeuropa Initiativen und treten Fachpersonen hervor. Das Internationale Filmfestival und Forum für Menschenrechte, kurz FIFDH, in Genf gehört mit seinen «Impact Days» in diesem Kontext zu den Pionieren. «Wir machen uns die besondere Lage von Genf als Sitz verschiedener internationaler Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zum Vorteil», sagt die Ko-Leiterin Laura Longobardi. Um eine möglichst vielfältige Wirkung zu erzielen, richten sich die Filmvorführungen sowohl an das breite Publikum als auch gezielt an einschlägige Interessengruppen. In diesem Jahr stand unter anderem Lisa Gerigs Dokumentarfilm «Die Anhörung» im Fokus. Um für das Thema Asylpolitik zu sensibilisieren, ging das FIFDH eine Zusammenarbeit beispielsweise mit Caritas und dem protestantischen Sozialzentrum (CSP) ein. Man organisierte eine Präsentation des Films vor kantonalen Politikern, darunter der Genfer Stadtpräsidentin.
Im Kinosaal führte man eine Umfrage vor und nach der Projektion durch. Über die Hälfte der Besucher und Besucherinnen gab an, dass ihre Meinung zum Thema Asylpolitik durch das Anschauen des Films beeinflusst worden sei. Es gelte, sich diesen «emotionalen Zugang» zunutze zu machen, erklärt Longobardi.
“Es ist unumgänglich, mit Personen zusammenzuarbeiten, die sich auskennen. Man muss vor Ort Netzwerke und Partnerschaften aufbauen. ”Vivian Schröder, «Impact»-Produzentin.
Mit diesem Potenzial beschäftigt sich auch Vivian Schröder, die in Berlin das Good Media Network gegründet hat. Die «Impact»-Produzentin hat auch die Projekte beraten, die von Swiss Films ausgewählt wurden. Der Fokus liegt hier auf einem Zielpublikum ausserhalb der Kinos. Die Filme sollen Menschen erreichen, die von den Themen der jeweiligen Filme direkt betroffen sind und damit helfen, einen sozialen Wandel zu begünstigen. Das Erreichen von Interessengruppen oder Gemeinschaften in bestimmten Ländern geht über die klassische Promotionskampagne eines Filmes hinaus, dort setzt eben die «Impact»-Kampagne an. «Es ist unumgänglich, mit Personen zusammenzuarbeiten, die sich auskennen. Man muss vor Ort Netzwerke und Partnerschaften aufbauen», bestätigt Schröder.
«Ein Film muss immer für sich selbst stehen», gibt Schröder zu bedenken. Ihre Arbeit als «Impact»-Produzentin kann aber dennoch nicht früh genug beginnen. Hilfreich sei es dabei, einen Kinostart zu haben, denn das gelte als Gütesiegel. Im Vergleich zur klassischen Auswertungsspanne eines Films, insbesondere eines Dokumentarfilms, könne über eine «Impact»-Kampagne seine Laufzeit entschieden verlängert werden. Bei aller Planung müsse man allerdings bedenken, dass die geopolitische Lage sich ändern und die Realität eine Kampagne einholen könne. Das zeigt, dass Schröders Arbeit mit viel Geduld und nicht ohne eine Portion an Idealismus einhergeht – unter anderem auch weil diese Aktivitäten bisher kaum gefördert werden.