Animationsfilm: Das Wichtigste sind die Begegnungen
Podiumsdiskussion mit dem Studio „Centro Generativo“. Lugano Animation Days 2025 ©️ Igor Grbesic

Animationsfilm: Das Wichtigste sind die Begegnungen

Chiara Fanetti 29. Oktober 2026

Die Lugano Animation Days bieten die Gelegenheit, sich kennenzulernen, Erfahrungen zu teilen und Beziehungen aufzubauen. Wir haben uns mit dem Regisseur und Mitgründer Ivan Nurchis über das Festival für Animationsfilm unterhalten, das vom 10. bis 15. November in Lugano stattfindet.

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Wie entstand die Idee, im Tessin ein Festival für Animationsfilm zu organisieren?

Ich habe etwa zehn Jahre als Regisseur bei der RSI gearbeitet, wo man schon in den 1970er und 1980er Jahren im Bereich Animation tätig war, zog dann nach Asien, gründete dort ein kleines Studio und fing an, Kurzfilme zu drehen. Ich versuchte aus der Ferne zu beobachten, was in der italienischsprachigen Schweiz lief, und merkte, dass es kein Gefäss gab, das Berufsleute aus dem Bereich Animationsfilm miteinander in Kontakt brachte. 2019 widmete sich das Fantoche unter anderem der Geschichte des Animationsfilms in der italienischsprachigen Schweiz. Bei dieser Gelegenheit trafen wir uns und merkten, wie isoliert wir voneinander waren. So begannen wir, Netzwerktreffen zu organisieren, und daraus entstanden dann die Lugano Animation Days, die in diesem Jahr zum sechsten Mal stattfinden.

Pflegt ihr im Rahmen der Lugano Animation Days weiterhin Kontakte zur nationalen Szene?

Selbstverständlich. Wir luden von Anfang an Schweizer Branchenleute und Schulen zur Teilnahme an unseren Masterclasses und anderen Aktivitäten ein. Das wichtigste ist aber das Format KineticLAD: Jedes Jahr beauftragen wir acht Schweizer Künstler und Künstlerinnen mit einer frei wählbaren Animation für das Festival, es gibt keine Vorgaben oder Einschränkungen. Mit diesen Arbeiten eröffnen wir das Festival, es gibt eine Art Vernissage, bei der die Werke vertikal auf Bildschirmen präsentiert werden. Die Ausstellung findet im Studio Foce in Lugano statt und bleibt einige Monate offen. Das ist eine ganz konkrete Form der Zusammenarbeit, die Verbindungen schafft. Auch der Berufsverband der professionellen Animationsfilmschaffenden GSFA hat diese Initiative immer unterstützt.

Ein zentraler Aspekt der Lugano Animation Days ist der Fokus auf Berufskollegen und -kolleginnen. Wie läuft das genau ab?

Wir versuchen, Situationen zu schaffen, die über eine rein berufliche Begegnung hinausgehen: Es geht uns um einen authentischen Austausch zwischen den Teilnehmenden. Das gilt auch für die Masterclasses. Wir wollen keinen Frontalunterricht, unsere Gäste sollen nicht einfach ihren Werdegang erzählen, wir möchten Offenheit und ein Gespräch. Entsprechend ist der Raum im Studio Foce eingerichtet: In der Mitte die Gäste, umgeben von Elementen, die sie bei der Präsentation ihrer Arbeit unterstützen, unsere Gäste interagieren direkt mit den Teilnehmenden, halten nicht einfach einen Monolog.

Thema der Masterclass ist dieses Jahr der Ton, ein essenzieller Aspekt, der oft vernachlässigt wird. Wir haben dazu Thomas Gassmann vom Zürcher Kollektiv Noisy Neighbours eingeladen, einem der führenden Schweizer Studios für Sounddesign. Am Festival sollen nicht einfach Videos präsentiert und die Menschen danach wieder nach Hause entlassen werden. Wir versuchen, die Kunstschaffenden in Vorführungen, Diskussionen und auch in die geselligen Programmpunkte einzubeziehen, etwa die Konzerte am Samstagabend.

Euer Engagement endet nicht mit dem Festival. Was organisiert ihr im Laufe des Jahres?

Hinter den Lugano Animation Days stecken vier Personen: Alessia Passoni, Omar El Araby, Bruno Machado und ich. Wir sind das ganze Jahr über aktiv, organisieren Veranstaltungen im Sommer und Frühling und führen an Schulen Animationstage durch. Seit einem Jahr entwickeln wir eine Kooperation mit der Fachhochschule für angewandte Kunst SSSAA in Lugano, die über die Festivalwoche hinaus Bestand haben soll. Uns liegt daran, die Sparte Animation bekannter zu machen und unsere Türen für alle zu öffnen. Deswegen ist das ganze Festival kostenlos. Das möchten wir so beibehalten, solange es finanziell möglich ist.

Vor dem Festival sichtet ihr jeweils Hunderte von Kurzfilmen. Sind euch Tendenzen oder Veränderungen im internationalen Animationsfilm aufgefallen?

Beeindruckend ist die Zunahme an Stop-Motion-Filmen. Künstliche Intelligenz ist heute in aller Munde, aber uns erreichen Stop-Motion-Filme aus der ganzen Welt, oftmals hochkarätige Werke. Diese Tendenz hat sich in den vergangenen sechs Jahren gefestigt. Es könnte interessanterweise auch eine Reaktion auf künstliche Intelligenz sein. Eine weitere Tendenz, die immer offensichtlicher wird, betrifft die Tonlage und die Inhalte. Wir schauen uns Hunderte von Kurzfilmen an und stellen fest, dass die Geschichten immer melancholischer, trauriger werden. Das ist ein ganz deutliches Phänomen: Es geht immer wieder um persönliche oder kollektive Verlorenheit, oft um den Verlust der Orientierung als einzelne Person oder Gesellschaft.

À propos Stop Motion: Bekommt diese Technik angesichts ihrer Beliebtheit vielleicht bald einen eigenen Platz im Programm?

Stop Motion ist bereits in allen Sektionen gut vertreten, aber wir denken tatsächlich darüber nach, einen eigenen Bereich daraus zu machen. Die analogen Aspekte von Animation faszinieren uns immer mehr. Wir haben schon einige Geräte angeschafft und möchten in diese Richtung weiterarbeiten. Seit einigen Jahren laden wir jeweils Basil Vogt ans Festival ein, einen Zürcher Künstler, der interaktive, analoge optische Apparate für Museen und Schulen entwirft und baut, inspiriert von den Geräten, die am Ursprung dieser Ausdrucksform stehen. Dieses Jahr kommt er mit einem Praxinoskop, das er eigens für die LAD angefertigt hat.

Welche Position vertretet ihr in Bezug auf künstliche Intelligenz und wie beeinflusst sie eure Auswahl?

Letztes Jahr haben wir zusammen mit dem Luganeser Studio Centro Generativo eine Diskussionsveranstaltung über die Interaktion zwischen Animation und KI organisiert, Thema waren die beruflichen, rechtlichen und ethischen Chancen und Herausforderungen. Das war interessant, aber was die Auswahl der Filme betrifft, vertreten wir eine klare Position: Wir nehmen keine Werke an, die KI-generierte Inhalte enthalten, auch nicht in geringem Umfang. Wir sind nicht per se gegen KI, aber die Kraft der Animationsfilme liegt unserer Meinung nach im Handwerklichen und in der Zeit, die ihnen gewidmet wird. Es braucht auch dann eine künstlerische Grundlage, wenn man am Computer arbeitet. Einen Animationsfilm zu drehen, dauert lange, und während dieser Zeit denkt man nicht nur über die Geschichte nach, sondern auch über die Bewegungen, die Mimik, jede einzelne Geste. Der Prozess führt zu einer tiefen Verbindung zwischen der persönlichen Erfahrung und dem Erschaffenen. KI droht diese handwerkliche Dimension in den Hintergrund zu drängen, uns interessieren aber nicht möglichst einfach produzierbare Animationsfilme, sondern solche, die menschliche Ideen und Ausdrucksformen transportieren. Gleichzeitig nehmen wir aber auch eine gewisse Hysterie wahr, KI-generierte Filme sind sich bisher oft zu ähnlich.

Wo siehst du heute Stärken im Schweizer Animationsfilmschaffen, und woran könnte man noch arbeiten?

In der Schweiz gibt es Schulen, Kompetenzen, Instrumente und Gelegenheiten, ausserdem herausragende Studios wie etwa Hélium Films von Claude Barras und Élie Chapuis in Lausanne. Jedes Jahr bilden die Schulen viele Menschen aus und werden zahlreiche Projekte entwickelt, besonders in der Romandie und in der Region Zürich, in der italienischen Schweiz gibt es dafür weniger Unterstützung. Wachstumspotenzial gibt es wohl bei den Geschichten. Oft sind die technischen Fähigkeiten hervorragend, aber inhaltlich fehlt es manchmal an Tiefe, wenn es darum geht, eine persönliche Erfahrung zu erzählen und etwas Universelles daraus zu machen. Das gilt für den ganzen audiovisuellen Sektor. Ausserdem sollten mehr Gelegenheiten zur Berufsausübung geschaffen werden, damit ausgebildete Filmschaffende weiterarbeiten und zur Entwicklung des Bereichs Animation beitragen können. An Fähigkeiten und Exzellenz, auf denen man aufbauen kann, mangelt es nicht.

Versione originale italiana

L’animazione, prima di tutto un incontro

I Lugano Animation Days sono uno spazio in cui conoscersi, condividere esperienze e costruire legami attraverso l'animazione. Ne abbiamo parlato con Ivan Nurchis, regista e cofondatore del festival, in programma a Lugano dal 10 al 15 novembre.

Di Chiara Fanetti

Come è nata l'idea di organizzare un festival dedicato all'animazione in Ticino?

Dopo una decina d'anni come regista alla RSI, dove già negli anni Settanta e Ottanta si lavorava sull'animazione, mi sono trasferito in Asia, dove ho aperto un piccolo studio e cominciato a realizzare cortometraggi. Da lontano mi sono chiesto che cosa stesse succedendo nell'animazione della Svizzera italiana e ho capito che mancava una realtà capace di mettere in contatto i professionisti del settore.

Nel 2019 il Fantoche ha dedicato una sezione alla storia dell'animazione della Svizzera italiana. È stata l'occasione per incontrarci, ma anche per renderci conto di quanto fossimo isolati gli uni dagli altri. Abbiamo cominciato a organizzare serate per conoscerci e da quegli incontri è nato il Lugano Animation Days, che oggi è alla sua sesta edizione.

Lugano Animation Days ha mantenuto questo legame con la scena nazionale?

Certo. Fin dall'inizio abbiamo invitato professionisti e scuole svizzere a partecipare a masterclass e altre attività, ma l’esempio più significativo è KineticLAD, una sezione con cui ogni anno coinvolgiamo otto artisti da tutta la Svizzera, chiedendo loro di realizzare un'opera d’animazione libera, senza imposizioni o vincoli, appositamente per il Festival. È il nostro evento d’apertura, sul modello di un vernissage, con le opere esposte verticalmente sugli schermi. La mostra resta poi visitabile per alcuni mesi allo Studio Foce di Lugano, che ci ospita. È un modo concreto per collaborare e creare relazioni. Anche la GSFA, l'associazione svizzera del film d’animazione, è sempre stata pronta a sostenere queste iniziative.

Uno degli aspetti centrali dei Lugano Animation Days è l'attenzione agli addetti ai lavori. Come si traduce concretamente?

Cerchiamo di creare situazioni che vadano oltre l’incontro professionale: vogliamo favorire uno scambio autentico tra i partecipanti. Lo stesso vale per le masterclass. Non vogliamo lezioni frontali in cui un ospite si limita a raccontare il proprio percorso, ma momenti di apertura e conversazione. Anche lo spazio è organizzato in questo senso: allo Studio Foce gli ospiti si trovano al centro, circondati da elementi attraverso cui presentano il proprio lavoro, e interagiscono direttamente con i partecipanti, senza limitarsi a un monologo.

Quest'anno la masterclass sarà destinata al suono nell'animazione, un aspetto fondamentale spesso trascurato. Abbiamo invitato Thomas Gassman, responsabile di Noisy neighbours, uno dei principali studi svizzeri specializzati in questo ambito, con sede a Zurigo. Non vogliamo che il Festival sia un contenitore in cui la gente guarda dei video e poi torna a casa. Cerchiamo di coinvolgere gli artisti nelle proiezioni, nelle discussioni e anche in momenti di leggerezza, come i concerti del sabato sera.

Il vostro impegno non si limita ai giorni del festival. Quali attività svolgete durante l'anno?

Il Lugano Animation Days è portato avanti da quattro persone: Alessia Passoni, Omar El Araby, Bruno Machado ed io. Lavoriamo tutto l'anno, organizzando serate estive e primaverili e portando l'animazione nelle scuole che ci chiedono di curare giornate ad essa dedicate. Da un anno stiamo sviluppando una collaborazione con la Scuola specializzata superiore d'arte applicata (SSSAA), con l'obiettivo di costruire un rapporto che vada oltre la settimana del Festival. Per noi è importante far conoscere l’animazione e aprire le porte a tutti. Per questo l’intero festival è gratuito. Finché le risorse finanziarie lo permetteranno, vogliamo mantenere questa impostazione.

Visionando centinaia di cortometraggi per ogni edizione, quali tendenze o cambiamenti avete osservato nell'animazione internazionale negli ultimi anni?

È impressionante l’aumento della stop motion. Mentre oggi tutti parlano di intelligenza artificiale, da tutto il mondo ci arrivano lavori realizzati con questa tecnica, spesso di altissimo livello, e in questi sei anni la tendenza si è consolidata. È interessante pensare che possa essere anche una reazione all'intelligenza artificiale.

Un’altra tendenza, sempre più evidente, riguarda il tono e i contenuti. Guardiamo centinaia di cortometraggi e notiamo che le storie sono sempre più malinconiche, tristi. È una sensazione molto forte: ricorre spesso il tema dello smarrimento, personale e collettivo, e molte opere raccontano la perdita di punti di riferimento dell'individuo e della società.

A proposito della stop motion, visto il suo crescente successo, state pensando di dedicarle uno spazio specifico nel programma?

In tutte le sezioni ci sono già molti lavori in stop motion, ma stiamo valutando la possibilità di creare uno spazio dedicato. Ci affascina sempre di più l'aspetto analogico dell’animazione. Abbiamo cominciato a procurarci alcune apparecchiature e vogliamo sviluppare questo progetto. Da alcuni anni invitiamo Basil Vogt, un artista zurighese che progetta e costruisce macchine ottiche analogiche e interattive per musei e scuole, ispirate a quelle che sono all'origine stessa di questo linguaggio. Quest’anno sarà presente al festival con un prassinoscopio, realizzato da lui appositamente per i LAD.

Qual è la vostra posizione sull'intelligenza artificiale e come incide sulla selezione delle opere?

L'anno scorso abbiamo organizzato, in collaborazione con lo studio luganese Centro Generativo, un dibattito sull’interazione tra animazione e IA, affrontando le opportunità e le sfide professionali, legali ed etiche. È stato molto interessante, ma per la selezione del Festival la nostra posizione è chiara: non accettiamo animazioni che includano contenuti realizzati con l’IA, nemmeno in minima parte.

Non siamo contrari all'IA in quanto tale, ma crediamo che la forza dell'animazione risieda nell’artigianalità e nel tempo consacrato alla creazione. Anche quando si lavora al computer, è fondamentale una base artistica. Realizzare un'animazione richiede tempo, e quel tempo permette di riflettere non soltanto sulla storia, ma anche sui movimenti, sulle espressioni e su ogni singolo gesto. È un processo che lega profondamente l’esperienza dell’artista a ciò che sta creando. Temiamo che l'IA possa mettere in secondo piano questa dimensione artigianale, mentre a noi interessa un'animazione che valorizzi le idee e l'espressione umana, non la facilità di produzione. Crediamo comunque che sul tema ci sia un po’ d'isteria e che, per ora, i lavori generati artificialmente risultino spesso troppo simili tra loro.

Quali sono oggi i punti di forza dell’animazione svizzera e gli aspetti su cui si potrebbe lavorare ulteriormente?

In Svizzera ci sono scuole, competenze, strumenti e opportunità, oltre a realtà d’eccellenza, come lo studio Hélium Films di Claude Barras e Élie Chapuis, a Losanna. Ogni anno le scuole formano molte persone e vengono sviluppati numerosi progetti, soprattutto nella Svizzera francese e nella regione di Zurigo, mentre nella Svizzera italiana il sostegno allo sviluppo dei progetti è più limitato.

Un aspetto su cui credo ci sia ancora margine di crescita riguarda le storie. Le capacità tecniche sono ottime, ma a volte manca la profondità nel modo di affrontare un tema, di raccontare un'esperienza personale e di renderla universale. È una questione che riguarda il settore audiovisivo nel suo insieme. Un’altra sfida è creare più opportunità professionali, affinché chi si forma possa continuare a lavorare nell'animazione artistica e contribuire allo sviluppo del settore. Le competenze e le eccellenze da cui partire non mancano.

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