Zwischen Akkorden und Sequenzen
Zeno Gabaglio (rechts) im Studio. © Giuliana Altamura

Zwischen Akkorden und Sequenzen

Chiara Fanetti 1. November 2024

Zeno Gabaglio über das Komponieren von Filmmusik und die Überwindung früherer Schubladen.

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An der Filmbiennale von Venedig 2024 wurde in der Sektion Orizzonti Extra der Film «La storia del Frank e della Nina» gezeigt, ein Spielfilm der italienischen Regisseurin Paola Randi, produziert von Fandango, Rai Cinema, Spotlight Media Productions und RSI. Als nach der Vorführung eine Gruppe junger Leute vor dem Saal über den Film diskutierte, kam die Frage auf, wer hinter dem ihrer Meinung nach äusserst gelungenen Tonspur stecke. «Wenn man mit einer Regisseurin arbeitet, die Erfahrung als Sängerin hat, ist das eine grosse Hilfe – sie weiss, was sie will und kann es auch vermitteln, lässt dir gleichzeitig aber auch die Freiheit, selbst zu entscheiden. Das war sehr wertvoll». Der Musiker Zeno Gabaglio hat auch langjährige Erfahrung im Filmbereich und arbeitet gern mit anderen zusammen. Mit Riccardo Studer, einem weiteren Fachmann aus dem Tessin, schuf er die Musik für diesen Film. Studer ist für ihn «einer der besten Tongestalter des Tessins. Ich vertraue ihm blind, sowohl seiner Sensibilität als auch seiner Art und Weise, wie er mein Material aufnimmt und mit seinem eigenen verbindet».

Viele Herzen in einer Brust

Der 1979 in Mendrisio geborene Zeno Gabaglio ist im Tessin eine bekannte Persönlichkeit und schweizweit einer der prominentesten Tessiner Musiker. Der ausgebildete Cellist verbindet ganz unterschiedliche Welten: Experimentelle Musik (mit seinem Projekt Niton), unabhängige Kultur (er arbeitete bei Radio Gwen mit, dem einzigen Alternativradio des Tessins), Institutionen (er ist Mitglied des Stiftungsrats der SUISA und Präsident des Musik-Ausschusses des Kantons Tessin), Hochschule (er ist Dozent am Conservatorio della Svizzera italiana) und Film – bisher hat er die Musik für rund 30 Produktionen komponiert. All diese künstlerischen und gemeinschaftlichen Kontexte bestehen in ihm nebeneinander: «Ich habe mich nie für nur etwas entschieden, ich möchte weiterhin meine eigene Musik machen, aber auch für das Theater arbeiten. Das ist strategisch gesehen vielleicht ein Fehler, aber ich glaube auch, dass diese Vielfalt an Erfahrungen mir ermöglicht, jeweils mit einer gewissen Frische in die verschiedenen Bereiche zurückzukehren, auch in die Filmwelt».

Grenzlinien in Schulen und Ausbildungen

Gerade diese Entdeckungsfreude macht es interessant, Gabaglio, der auch am Konservatorium unterrichtet, zu hören, wie er die Ausbildung sieht: «Menschen, die von der ‹ernsten› Musik herkommen, empfinden die Vorstellung von angewandter Musik – also von Musik im Dienst anderer Kunstformen – häufig als entwertend, aber ausserhalb der Hochschulen hat die Welt heute bereits andere Richtungen eingeschlagen, und diese Grenzen verschwinden glücklicherweise langsam». Gabaglio nimmt aber auch eine gewisse Blindheit vonseiten der sieben Kunst wahr: «In den Filmschulen werden die technischen Grundlagen zu jedem Aspekt des Filmschaffens vermittelt, ausser zur Musik. Vielleicht ist das historisch bedingt: Die Filmschulen entstanden später, man entschied sich also für Studiengänge, die nicht schon durch andere Ausbildungen abgedeckt sind. Hätte man die Situation im Tessin analysiert, hätte man aber gemerkt, dass Musik und Film nirgends verknüpft werden, weder am Konservatorium noch an der Scuola di Musica Moderna».

Die italienischsprachige Schweiz «büsst» diesbezüglich wahrscheinlich für ihre kulturelle Nähe zu Italien, wo Disziplinen im akademischen System seltener verschmelzen als beispielsweise im deutschsprachigen Raum. In der ZHdK befinden sich alle Disziplinen unter einem Dach, und es gibt seit Jahren einen spezifischen Studiengang für die Komposition von Musik für Film, Theater und Medien.

Tongestaltung

Filmschulen bieten oft eine Ausbildung in Tongestaltung an, die in den letzten Jahren zu einem Bereich geworden ist, der von der Komposition fast nicht mehr zu unterscheiden ist und über seine ursprüngliche Funktion, Klangumgebungen, Geräusche und Atmosphären zu optimieren, hinausgewachsen ist. «Die Nähe zwischen Komposition und Sound Design», sagt Gabaglia, «ist eine Folge der Transversalität und der Vermischung zeitgenössischer Poetiken, man darf heute fast jedes akustische Phänomen als Musik bezeichnen. Wenn eine Szene mit einem tief klingenden, düsteren Klangteppich unterlegt werden soll, kann ein Sound Designer diesen heute genauso gut erzeugen wie ein Musiker».

Dass die Grenzen zwischen den Rollen sich auflösen, könnte in den betroffenen Berufsgruppen auch zu unklaren Situationen führen, insbesondere in Bezug auf das Urheberrecht: Theoretisch fällt die Arbeit eines Tongestalters, der Geräusche und Klänge bearbeitet und optimiert, nicht unter das Urheberrecht, jene eines Komponisten, der mit Geräuschen arbeitet, hingegen schon. Auch das ist eine Unterscheidung, die, wie die Abgrenzungen innerhalb der Hochschulen, im Laufe der Zeit und durch die Praxis überwunden werden könnte; bei experimentelleren Produktionen vermischen sich diese Elemente heute schon.

Is Film rentabel?

Bei seiner institutionellen Arbeit setzt sich Gabaglio schon lange dafür ein, dass die zeitlichen Bedingungen und die Vergütungen für musikalisches Schaffen besser werden. Seiner Einschätzung nach leidet der Bereich unter einer «musealen» Herangehensweise vonseiten des öffentlichen und halböffentlichen Sektors, der hauptsächlich Projekte unterstützt, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Bei anderen Künsten sei die Situation besser: «Im Theaterbereich sind die zeitlichen Bedingungen und die finanzielle Entschädigung für die Kreation zumutbar, in der Musik hat man immer das Gefühl, dass alles schnell und unterbezahlt gemacht werden muss. Der Film hingegen ist dank jahrzehntelanger Kämpfe einer der wenigen Bereiche des schweizerischen Kulturschaffens, in denen auch Musiker und Musikerinnen angemessen bezahlt werden: Alles kommt aus demselben Topf und wird auf die ganze Produktion verteilt. Hier hat man nicht das Gefühl, immer Selbstausbeutung betreiben zu müssen». Ebenfalls positiv: die Fondation SUISA unterstützt gezielt die Komposition von Filmmusik.

Der richtige Moment, zwischen Genres und Formaten

In Gabaglios Filmkarriere tauchen manche Namen mehrmals auf, namentlich Villi Hermann und Erik Bernasconi, aber auch Klaudia Reynicke, Stefano Knuchel und Alberto Meroni. Gabaglio arbeitete an Spiel- und Dokumentarfilmen und sogar bei Fernsehserien mit, so vor kurzem bei «Alter Ego» von Erik Bernasconi und Robert Ralston Jr., wo er zusammen mit Marcel Vaid vierhändig komponierte. «Marcel Vaid ist eine Autorität im Schweizer Filmschaffen. Es war eine produktive dialektische Begegnung, ein Zusammentreffen unterschiedlicher Ansätze und Ästhetiken». Bei Dokumentarfilmen ist man Gabaglio zufolge hingegen «in gewisser Hinsicht freier als bei Spielfilmen, weil es einfacher geschehen kann, dass die Musik, wenn sie in einer ganz frühen Phase dazukommt, den Schnitt beeinflusst. Ich würde sagen, dass die Arbeitsweise weniger vom Genre eines Filmprojekts abhängt als davon, in welchem Moment einer Produktion der Komponist ins Spiel kommt».

Versione originale italiana:

Tra accordi e raccordi

Intervista-ritratto a Zeno Gabaglio, per parlare di composizione musicale per il cinema, andando oltre le limitanti distinzioni del passato.

Alla Biennale Cinema 2024 di Venezia, nella sezione Orizzonti Extra, è stato presentato «La storia del Frank e della Nina», lungometraggio della regista italiana Paola Randi, prodotto da Fandango, Rai Cinema, Spotlight Media Productions e RSI. Fuori dalla sala, a fine proiezione, un gruppo di ragazzi e ragazze intenti a discutere del film si chiedevano chi fosse l’autore della colonna sonora, a loro parere molto riuscita. «Quando lavori con una regista che ha un passato da cantante ricevi un aiuto importante, perché sa quello che vuole e sa come chiedertelo, lasciandoti comunque la libertà di decidere cosa fare. Per me è stato prezioso». Zeno Gabaglio, che alle spalle ha una lunga carriera legata anche al cinema, è un musicista che ama collaborare e ha lavorato alle musiche di questo film con un altro professionista ticinese, Riccardo Studer, che per Gabaglio «è uno dei sound designer più bravi in Ticino. Con lui c’è totale fiducia, sia nella sua sensibilità che per come prende i materiali che gli fornisco e li unisce ai propri».

Molte anime, una persona

Nato a Mendrisio nel 1979, Zeno Gabaglio è una personalità conosciuta nella Svizzera italiana ed è uno dei musicisti ticinesi più noti a livello nazionale. Di formazione violoncellista, è un anello di congiunzione tra mondi molto diversi tra loro: quello della sperimentazione (con il suo progetto Niton), quello della cultura indipendente (ha fatto parte di Radio Gwen, unica radio complementare ticinese), quello delle istituzioni (è membro del Consiglio SUISA e presidente della Sottocommissione musica del Cantone Ticino), quello dell’accademia (è professore al Conservatorio della Svizzera italiana) e quello dell’audiovisivo, avendo composto le musiche per una trentina di produzioni. Tutti questi contesti, artistici e comunitari, in lui coabitano: «non ho mai fatto una scelta esclusiva, mi piace continuare a fare musica mia ma anche per il teatro. Forse strategicamente è stato un errore ma credo che vivendo diversi tipi di esperienze poi posso tornare ad ogni ambito, anche a lavorare sui film, con una certa freschezza».

Steccati tra scuole e formazioni

Questa tendenza alla scoperta rende interessante il punto di vista di Zeno Gabaglio quando si parla di formazione, essendo anche un professore: «spesso per chi viene dalla musica “colta” l’idea di una musica applicata - quindi al servizio di altre forme artistiche - è ritenuta svilente, ma fuori dalle accademie il mondo ha già preso altre direzioni e i tempi stanno superando questi steccati, per fortuna». Gabaglio però riscontra anche una certa miopia da parte della settima arte: «le scuole di cinema hanno al loro interno tutte le formazioni tecniche che riguardano ogni aspetto della cinematografia, tranne quello musicale. Può trattarsi di un motivo storico: le scuole di cinema sono arrivate dopo, quindi hanno scelto di offrire un percorso che non era proposto già da altre formazioni. Se avessero analizzato la situazione in Ticino però si sarebbero accorti che non c’è nulla che connetta musica e cinema, né al Conservatorio né alla Scuola di Musica Moderna».

Va detto che la Svizzera italiana in questo ambito “sconta” culturalmente la propria prossimità all’Italia, dove il sistema accademico è meno incline alle contaminazioni, che ad esempio sono già in atto da tempo nel mondo germanico. Sarà per questo che alla ZhDK non solo convivono tutte le discipline nello stesso edificio ma da anni esistono percorsi di studio specifici per la composizione musicale destinata al cinema, al teatro e ai media.

Sound design

Nelle scuole di cinema esiste spesso una formazione in sound design, che negli ultimi anni è diventato un ambito quasi indistinguibile da quello della creazione musicale, andando oltre la sua originaria funzione di (ri)costruire ed ottimizzare ambienti sonori, rumori e atmosfere. Per Zeno Gabaglio la vicinanza tra composizione e sound design è «una conseguenza della trasversalità e del miscuglio delle poetiche contemporanee odierne, dove è effettivamente lecito chiamare musica quasi qualsiasi fenomeno sonoro. Ad esempio, un certo tipo di fasce sonore basse e cupe che possono accompagnare una scena oggi le può realizzare allo stesso modo un musicista o un sound designer».

Questo assottigliarsi dei confini tra i ruoli potrebbe però sollevare perplessità tra le diverse categorie professionali in gioco, soprattutto per una questione di diritti: in linea teorica il sound designer, finché valorizza e ottimizza i rumori e i suoni, non rientra nella categoria del diritto d’autore, cosa che invece è garantita al compositore, anche se utilizza dei rumori. Altre distinzioni che forse, proprio come quelle interne alle accademie, verranno superate con il tempo e la pratica; nelle produzioni più sperimentali questi elementi già si fondono.

Il cinema paga?

Con le sue attività istituzionali Zeno Gabaglio s’impegna da tempo per migliorare tempistiche e riconoscimenti finanziari per la creazione musicale, che a suo parare viene penalizzata da un approccio “museale” del settore pubblico e para-pubblico, che sostiene principalmente il recupero del passato. La situazione nelle altre arti gli sembra invece migliore: «nel teatro alla creazione vengono dati dei tempi e delle retribuzioni corrispondenti praticabili, nella musica c’è sempre l’impressione che tutto vada fatto in fretta e sottocosto. Grazie a delle battaglie decennali invece il cinema è uno dei pochi settori della produzione culturale svizzera in cui ci sono giuste retribuzioni, anche per i musicisti: il calderone è lo stesso e va su tutta la produzione. È un settore in cui non si ha l’impressione di dover sempre partecipare a dei lavori ideali». Altra nota positiva: la Fondation SUISA prevede un sostegno specifico per la creazione musicale per film.

Il momento giusto, tra generi e formati

Nella carriera cinematografica di Zeno Gabaglio ci sono dei nomi ricorrenti, su tutti Villi Hermann ed Erik Bernasconi, ma anche Klaudia Reynicke, Stefano Knuchel, Alberto Meroni. Fiction, documentari, persino serie tv, con la recente esperienza su «Alter Ego» di Erik Bernasconi e Robert Ralston Jr., dove ha composto a quattro mani con Marcel Vaid, «un'autorità nel cinema svizzero. È stato un incontro dialettico produttivo, tra approcci ed estetiche diverse». I documentari invece per Gabaglio «per certi versi sono più liberi rispetto alla fiction, perché la musica, se interviene in una fase embrionale del montaggio, è più facile che lo possa influenzare. Direi che a cambiare il metodo di lavoro non è tanto il genere di un progetto filmico ma il momento della produzione in cui subentra il ruolo del compositore».

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