Erfindergeist im Dienst  der Actionszenen
Bei den Dreharbeiten von «Mad Heidi». © Micha Hurni

Erfindergeist im Dienst der Actionszenen

Adrien Kuenzy 26. September 2024

Der Schweizer Stunt-Experte Marcel Stucki kämpft seit 20 Jahren für die Anerkennung seines Berufs.

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Die Filmbranche und insbesondere der Actionfilm stützt sich auf eine Kunst, die oft im Verborgenen bleibt: die der Stuntmen und Stuntwomen. Hinter Szenen, in denen Autos durch die Luft fliegen und Schauspielende der Schwerkraft trotzen, verstecken sich versierte Profis, die sich mit Adrenalin und Sicherheitsvorkehrungen gleichermassen auskennen. In der Schweiz hat sich Marcel Stucki in der Stunt-Branche einen Namen gemacht. Seit über 20 Jahren arbeitet er als Stuntman und Koordinator und hat an mehr als 80 Filmproduktionen in der Schweiz und im Ausland mitgewirkt. Trotz seiner Erfolge ist er der Meinung, sein Beruf erhalte noch nicht die Anerkennung, die er verdient.

Den Erfolg aufbauen

Stucki hat in letzter Zeit mehrere bedeutende Projekte koproduziert, darunter der Action-Kurzfilm «Buon Appetito» von Tanguy Guinchard sowie zwei Dokumentarfilme: «Am Filmset von Mad Heidi» ergründet den kreativen Prozess hinter den Stunts des Films «Mad Heidi», für die Stucki verantwortlich war. «Am Filmset von Neumatt», der ab Oktober 2024 auf Play Suisse verfügbar ist, berichtet über die Entstehung eines komplizierten Autostunts für die TV-Serie «Neumatt» und zeigt jeden Schritt der Zusammenarbeit mit dem Stuntman, von der Planung bis zur Ausführung.

Die Karriere des heute 42-jährigen Stucki begann auf eher unkonventionelle Weise. Nach einer Chemielehre absolvierte er zuerst in Deutschland, dann in den USA eine Stunt-Ausbildung. «Das war eine Offenbarung für mich. Ich hatte bereits Erfahrung als Turner und Wasserspringer, die körperlichen Grundlagen waren also vorhanden. Man sagte mir, ich hätte Potenzial, das hat mich motiviert», verrät er. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz musste er sich ein Netzwerk aufbauen, um sich bekannt zu machen. Dazu erstellte er unter anderem ein Videoportfolio und suchte nach Arbeitsmöglichkeiten. «Ich brauchte ungefähr fünf Jahre, um mich im Milieu zu etablieren. Alles beruht auf persönlichen Beziehungen.»

Nach zehn Jahren als Freiberufler gründete Stucki 2012 seine eigene Firma, Stucki Action. «Ein Hauptgrund dafür war mein Wunsch, alles professioneller zu gestalten, insbesondere in Bezug auf die Versicherung», erklärt er. Dank seiner Firma kann er seinen Mitarbeitenden eine angemessene Versicherungsdeckung bieten. Stucki Action koordiniert nicht nur Stunts, sondern ist auch als unabhängige Produktionsfirma in verschiedenen Bereichen tätig.

“Viele Produzenten und Produzentinnen sind sich der ganzen Vorarbeit, die hinter jedem Stunt steckt, nicht bewusst. Sie sehen nur das Endergebnis, doch die Arbeit besteht zu 80 bis 90 Prozent aus Vorbereitungen”
Marcel Stucki

Mangelnde Anerkennung

Trotz dieser Erfolge hält Stucki fest, dass der Stunt-Beruf in der Schweiz immer noch zu wenig Anerkennung erhält. «Viele Produzenten und Produzentinnen sind sich der ganzen Vorarbeit, die hinter jedem Stunt steckt, nicht bewusst. Sie sehen nur das Endergebnis, doch die Arbeit besteht zu 80 bis 90 Prozent aus Vorbereitungen», betont Stucki.

Neben seiner Arbeit an Filmsets ist Stucki Aktivmitglied des Schweizer Syndikats Film und Video (SSFV), wo er sich für hohe Sicherheits- und Lohnstandards einsetzt. «Wir haben Risikobewertungen für jeden Stunt eingeführt, ähnlich wie sie in Deutschland und Österreich angewendet werden», so Stucki. Er hofft, dass diese Standards in der Schweiz bald obligatorisch werden.

Eine weitere grosse Herausforderung ist die Verwaltung der Urheberrechte. Dank der Organisation Swissperform kommen Stuntmen und Stuntwomen in der Schweiz neu in den Genuss von Urheberrechten für ihre Darbietungen. «Diese Anerkennung ist das Resultat von über zehn Jahren harter Arbeit», berichtet Stucki. «Doch wir müssen uns weiter einsetzen, damit auch die Rechte der Stunt-Koordinatoren und -Koordinatorinnen vollständig anerkannt werden.»

In Bezug auf die Entlohnung meint Stucki, dass Stuntmen und Stuntwomen in der Schweiz zwischen 900 und 1000 Franken pro Tag verdienen, während Koordinatoren und Koordinatorinnen mit rund 1350 Franken pro Tag entlöhnt werden. Der Markt ist für die 15 bis 20 erfahrenen Stunt-Profis in der Schweiz klein, was einige dazu treibt, auf internationaler Ebene zu arbeiten oder sich zu diversifizieren. Neue Technologien wie virtuelle Produktion oder Spezialeffekte bringen auch Veränderungen für den Beruf. «Dank ihnen können virtuelle Umgebungen geschaffen werden, in denen keine Sicherheitsvorkehrungen mehr notwendig sind. Doch reale Stunts bleiben trotz allem unerlässlich».

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