Das, was zählt
© Kenza Wadimoff

Das, was zählt

Adrien Kuenzy 29. Oktober 2026

copy linkshare facebookshare linkedinshare instagram

Wie verteidigt man den Wert der Festivals, ohne ihn auf messbare Grössen zu reduzieren? Wirtschaftlicher Nutzen, Besucherzahlen, Ausstrahlung: Diese Kennzahlen prägen die Bilanz der Veranstaltungen unseres Kulturkalenders. Die neuste Analyse der Conférence des Festivals untersuchte acht von ihnen und zeigt, dass jeder investierte Franken an Fördergeldern im Schnitt 2,30 Franken direkte Ausgaben in der Schweiz generiert. Die lokale Wirtschaft profitiert also auch.

Diese Zahlen sind nützlich für den politischen Dialog, zeigen jedoch nicht die ganze Wahrheit. Zeit für den Austausch mit einem Filmschaffenden, ein Gespräch unter Branchenleuten oder Werke, die es sonst kaum zu sehen gibt: Unser Fokus thematisiert auch diese weniger messbaren Aspekte des Festivallebens.

Bei manchen Festivals geht es genau darum, Filme zu zeigen, die sonst nirgendwo Platz finden. So entstand das Black Film Festival in Zürich aus der Erkenntnis, dass schwarze Filmschaffende in unseren Kinos kaum vertreten sind. Das Look & Roll in Basel zeigt Werke von und mit Menschen mit Behinderungen und legt besonderen Wert auf Zugänglichkeit. Filme zum Entdecken, aber auch Raum für Begegnungen und Austausch – darin liegt die Stärke der spezialisierten Festivals. Die Co-Leiterin des Look & Roll hofft dennoch, dass diese Filme irgendwann keine gesonderte Veranstaltung mehr benötigen, um gezeigt zu werden. Bis es so weit ist, brauchen die Festivals aber Mittel, um zu überleben.

Das Bundesamt für Kultur möchte neue Festivals unterstützen, doch nicht alle erfüllen die Kriterien, und das Budget ist auf vier Millionen Franken pro Jahr begrenzt. Finanzierungen sind auch über private Partner möglich, die vor allem an den grossen Aushängeschildern der Filmbranche interessiert sind. Doch wie unterstützt man das weniger Sichtbare, wenn genau diese Sichtbarkeit für Unternehmen so wichtig ist? Gemäss Nadine Adler Spiegel bedeutet Weiterentwicklung nicht unbedingt Wachstum. So kann auch Qualität und Einzigartigkeit gefördert werden, ohne dabei höhere Besucherzahlen anzustreben.

Am Zurich Summit versprechen YouTube und TikTok, dem Film zu mehr Publikum zu verhelfen. Doch dazu müsste dieses neben der Aktivität auf den Plattformen erst einmal Zeit haben, um sich Filme anzuschauen. Festivals bieten ebendiese Gelegenheit.

Nicht zuletzt müssen gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden dieser wichtigen Veranstaltungen geschaffen werden. Philipp Clivaz spricht über die Prekarität von befristeten Arbeitseinsätzen und die Rolle der Freiwilligen. Die Zahlen liefern dabei ein gutes Argument, um Mittel zu rechtfertigen, selbst wenn sie nicht die ganze Realität abbilden....

Lesen Sie auch