Wie Stoffe zu Filme werden
Adrien Kuenzy, Teresa Vena 24. Juli 2026
Die Entwicklung eines Films braucht Zeit. Im Schweizer Filmschaffen kann diese Phase finanziell unterstützt, begleitet, diskutiert und mitunter sogar durch Weiterbildungen, Förderprogramme oder Kommissionen strukturiert werden. Dennoch bleibt sie schwer fassbar. Denn sie erschöpft sich nicht darin, ein Dossier zu verfassen, eine Absicht zu präzisieren oder die Kriterien eines Förderreglements zu erfüllen. Ein Werk zu entwickeln bedeutet vielmehr, sich in einem noch instabilen Terrain voranzubewegen, in dem ebenso sehr nach einer Form wie nach einer künstlerischen Notwendigkeit gesucht wird.
Viele Projekte sind von Natur aus nicht geradlinig angelegt, weshalb in der Entwicklungsphase das Bedürfnis nach kreativem Spielraum besteht. So wie im Dokumentarfilm, wo nach der Grundidee umfangreiche Recherchen erst die Essenz des Films herausschälen, oder wie im Bereich der neuen Medien und der Nutzung erweiterter Realität, wo das Experimentieren mit den verschiedenen Technologien und laufende Anpassungen konstanter Bestandteil des Arbeitsprozesses sind.
Diese Freiheit ist kein Luxus – sie ist oft entscheidend für die Qualität eines Projekts und dafür, dass es seine eigene Form finden kann. Doch sie stösst auf eine zunehmend restriktive Realität: Um gefördert zu werden, muss ein Projekt bereits überzeugen, bevor es sich vollständig entfaltet hat. Genau in diesem Spannungsfeld entscheidet sich heute ein grosser Teil der Projektentwicklung – zwischen künstlerischer Intuition und den Vorgaben der Förderinstitutionen, zwischen der langen Zeit des Suchens und Erkundens und dem Takt der Einreichungsfristen. Die eigentliche Frage lautet daher nicht nur, wie viel Zeit oder Geld der Entwicklung zugestanden werden sollte, sondern welchen Raum man dem einräumt, was sich noch nicht vollständig benennen lässt.
Die Stoffentwicklung stehe in der Schweiz zu wenig an zentraler Stelle des Arbeitsprozesses und des Produktionskreislaufs der Branche. Von dieser Prämisse ausgehend, hat der Basler Filmschaffendenverband Balimage ein Konzept für eine umfassende, schweizweite Initiative entwickelt: In Zusammenarbeit mit bereits existierenden Institutionen sollen in den nächsten Jahren mehr und mehr Programme entstehen, die den Austausch und die Weiterbildung von Autoren und Autorinnen in den Vordergrund stellen.
Dass eine stärkere Gewichtung der Stoffentwicklung zu besseren Projekten führt, zeigen zahlreiche internationale Beispiele. Davon kann die Schweiz nur profitieren.