Claude Barras
Claude Barras. © Claude Dussez

Claude Barras

Adrien Kuenzy 29. Oktober 2024

Mit Leidenschaft formt der Walliser Regisseur und Kunsthandwerker das Material, um seinen Ideen Leben einzuhauchen.

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Ein sanfter Wind umspielt Claude Barras’ Haus im Wallis. Es herrscht eine friedvolle Atmosphäre als der Regisseur uns auf seiner Terrasse empfängt. Trotz der noch bevorstehenden Arbeit an seinem neusten Film «Sauvages», der dieses Jahr am Festival von Cannes uraufgeführt wurde, findet er die Zeit, seinen Garten zu pflegen. Seine Leidenschaft für das Material, die Erde, wird im Gespräch eindeutig, - darin spiegelt sich sein Erbe als Bauernsohn, das ihn bis heute antreibt. Ein weiterer Motor ist für ihn seine Hingabe für die «Stop-Motion»-Animationstechnik.

Nach dem Erfolg von «Mein Leben als Zucchini», der unter anderem 2016 mit dem Europäischen Filmpreis als bester Animationsfilm und 2017 mit zwei César ausgezeichnet wurde, begeisterte auch «Sauvages» Publikum und Kritik. Um seinen persönlichen Bezug zu diesem zweiten Langfilm zu beweisen, zeigt uns der Filmemacher einen Rechen, den er auf dem Dachboden seines Hauses in Venthône fand: «Vermutlich stammt er aus dem letzten Jahrhundert», so Barras. «In den 1950er Jahren bestand hier die halbe Bevölkerung aus Bauern und Bäuerinnen, die ihre Werkzeuge und Nahrung im Einklang mit der Natur selbst herstellten, ohne die Verwendung von Chemikalien. In nur zwei Generationen sank ihr Anteil an der Bevölkerung auf unter fünf Prozent.» Der 1973 geborene Regisseur erinnert sich an die grosse Artenvielfalt, die während seiner Kindheit in den Rebbergen bestand: «Rebhühner, Eidechsen». Einige Jahre später hatte Monokultur zu seinem Leidwesen alles andere verdrängt. Diese Erfahrung widerspiegelt gemäss Barras ein weltweites Phänomen, das auch auf der Insel Borneo, wo «Sauvages» spielt, voranschreitet. Der Film, der in Martigny an 17 Filmsets mit einem Budget von 13 Millionen Franken realisiert wurde, erzählt die Geschichte der elfjährigen Kéria, die den Kontakt zu ihrer Familie aus dem Volk der Penan wiederfindet, während der Regenwald, ihr Lebensraum, von Zerstörung bedroht wird.

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« Ma vie de Courgette », 2016 : gewann den Preis für den besten Animationsfilm beim European Film Awards. © Rita Productions / Blue Spirit Productions / Gebeka Films / KNM / RTS SSR / France 3 Cinema / Rhones-Alpes Cinema / Helium Films 2016.
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« Sauvages », 2024 : ist der letzte Film von Claude Barras. © Nadasdy Film
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« Ma vie de Courgette» . © Rita Productions / Blue Spirit Productions / Gebeka Films / KNM / RTS SSR / France 3 Cinema / Rhones-Alpes Cinema / Helium Films 2016.

Um dieser Geschichte des Generationswechsels und des Kampfs gegen die Industrialisierung auf den Grund zu gehen, begab sich der Regisseur vor Ort. «Ich wohnte einer politischen Versammlung von Familienoberhäuptern bei, die von Anwälten und Anwältinnen sowie Gebietsschützern und -schützerinnen unterstützt werden. Anschliessend verbrachte ich zehn Tage mit der lokalen Bevölkerung im Wald.» Dort traf er ein Mädchen, das aus der Stadt zurückkehrte, da es die Schule nicht ertragen konnte – ein Zufall, der genau seinem Drehbuch entsprach.

«Ich lasse mich oft durch Begegnungen und meine Mitarbeitenden inspirieren. Ich neige dazu, alle Energie um mich herum aufzusaugen, aber im positiven Sinn. Ich bestimme nicht alles, sondern lasse es auf mich zukommen und sortiere dann aus.» Sein langjähriger Mitarbeiter, Filmemacher und Animator Elie Chapuis, unterstreicht ihre enge Verbindung: «Ich bewundere Claudes Fähigkeit, uns viel kreativen Freiraum zu lassen, sowie seine Fähigkeiten Prioritäten, insbesondere in der Produktion, zu setzen. Vielleicht liegt dies an seiner Familiengeschichte: Bergbauern und -bäuerinnen haben ein ausserordentliches Verhandlungsgeschick!» Barras stellt diese Aufgeschlossenheit in den Dienst eines beeindruckenden Werkes, das Erzählung und Magie perfekt verbindet.

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