Bruno Ganz
«Der Himmel über Berlin», Wim Wenders, 1987. © Collection Cinémathèque suisse. Tous droits réservés

Bruno Ganz

Anna Dafne Alessi 29. Oktober 2024

Ein Reise vom Himmel zur Hölle und zurück.

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Über die Theaterstücke und Filme, an denen Bruno Ganz (1941-2019) mitgewirkt hat, lernen wir Europa und einige seiner bedeutenden Theater- und Filmschaffenden ab Mitte der 1960er Jahre kennen. Nie verharrte der Schauspieler in einer Stadt, an einem Theater oder blieb nur einem Regisseur treu. Stets bewegte er sich weiter und erhielt den kritisch-widerständigen, unabhängigen Geist, der ihn als Sohn eines Schweizer Fabrikarbeiters und einer italienischen Einwanderin früh aus Zürich und aus der Schweiz hinaustrieb, lebendig.

Der 1941 in Zürich-Seebach geborene, zweisprachig aufwachsende Ganz erlebt hautnah die Schwierigkeiten, die der Anpassungsprozess innerhalb der eigenen Familie für seine Mutter bedeutet. Es mag jene Erfahrung von Differenz sein, die die Sehnsucht nach der weiten Welt in ihm nährt.

Als er in den 1950er Jahren am Zürcher Schauspielhaus deutsche Bühnengrössen wie die 1933 in die Schweiz emigrierte Therese Giehse erlebt, offenbart sich ihm eine Gegenwelt zur empfundenen Enge. Ohne Schulabschluss taucht er 1962 in die Theaterlandschaft Westdeutschlands ein, zuerst Göttingen, dann Bremen, ab 1970 Westberlin, wo er mit Peter Stein und dessen Ensemble die Schaubühne am Halleschen Ufer als Zentrum des politisierten Theaters der 68er-Bewegung prägt.

Unbeirrt erarbeitet sich Ganz ab 1975 neue Heimaten vor der Kamera renommierter Autoren und Autorinnen des neuen europäischen Films. Insgesamt wirkt er bei über 130 Filmen mit, der Grossteil davon Produktionen aus Deutschland, fast ein Viertel aus der Schweiz, wenige Hollywoodfilme.

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«Pane e tulipani», Silvio Soldini, 2000. © Collection Cinémathèque suisse. Tous droits réservés
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© Collection Cinémathèque suisse. Tous droits réservés

Seine sanft-eindringliche Stimme vermag sich im Film, insbesondere in Wim Wenders’ «Der Himmel über Berlin» (1987) poetisch zu entfalten. Unvergesslich bleibt die Wandlung vom kontemplierenden Engel zum sterblichen Flaneur inmitten der geteilten Grossstadt. Zusammen mit Theo Angelopoulos schreibt er mit «Die Ewigkeit und ein Tag» (1998) griechische Filmgeschichte.

Für «Der Untergang» (Oliver Hirschbiegel, 2004) sucht Ganz in den historischen Aufnahmen, mit denen er sich auf die Darstellung Hitlers vorbereitet, nach etwas nicht Hassenswertem, ohne das es ihm nicht möglich erscheint, eine Rolle zu erarbeiten. Erhalten bleibt die so ernsthaft wie komisch und ekelerregend auf den Punkt gespielte Figur.

Bruno Ganz’ Reise in die weite Welt ist aufgegangen. Sein gereifter Ausdruck als älterer Schauspieler zeugt davon. Die Sprache hat er ausgekostet, Mehrsprachigkeit filmisch ausgelebt. Sein Mut und seine tiefe Menschlichkeit haben nicht nur Weggefährten überzeugt. Spätestens nach dem Publikumserfolg «Pane e tulipani» (Silvio Soldini, 2000), in dem er als Fernando Girasole dank der Bekanntschaft mit der Hausfrau Rosalba den Weg aus der eigenen Hölle findet, schreiben ihm weibliche Fans Briefchen. Im sinnlichen Filmessay, den Laetitia Masson ihm 2015 widmet, wird er sogar als «der perfekte Partner» bezeichnet. So überraschen auch alte Boulevard-Nachrichten nicht, Ganz sei in den frühen 1970er Jahren 12 Monate mit Romy Schneider liiert gewesen und um Haaresbreite in «Pretty Woman» (Gary Marshall, 1990) Julia Roberts Filmpartner geworden. 2010 wurde Ganz von der Europäischen Filmakademie für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

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