Beim FIFDH sollen Bilder dem politischen Lager der extremen Rechte entgegenhalten
Auf der Bühne, von links nach rechts: Saoussen Hammami, Harry Shukman und Bruno Giussani bei der Moderation. Per Videokonferenz: Lumir Lapray und Nick Lowles. © FIFDH 2025

Beim FIFDH sollen Bilder dem politischen Lager der extremen Rechte entgegenhalten

Alexandre Ducommun 10. März 2025

Das Festival mit Fokus auf Menschenrechten bietet während einer Filmvorführung eine Beobachtung des zeitgenössischen faschistischen Aufstiegs und wird zu einem Forum für dessen Anprangerung und Widerstand gegen die Normalisierung extremistischer Ideologien.

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Der Film «Undercover: Exposing the Far Right» der britischen Regisseurin Havana Marking wurde am vergangenen Sonntagabend dem Publikum des Internationalen Filmfestivals und Forums über Menschenrechte (FIFDH) in Genf aufgeführt. Der Journalist Harry Shukman, der sich ein Jahr lang in verschiedene rechtsextreme, patriarchalische, neonazistische und faschistische Kreise eingeschleust hat, enthüllt im Laufe des Dokumentarfilms die Hassreden von Londoner Politikern. Es handelt sich um Figuren, die offen rassistische Ideologien verbreiten, die manchmal als demokratische Stellungnahmen innerhalb einiger britischer Parteien getarnt werden, um die Massen besser anzusprechen. Chris (das Pseudonym von Harry Shukman) gibt sich als reicher Erbe aus, der bereit ist, in die pseudowissenschaftlichen Studien rechtsextremer «Intellektueller» zu investieren. Er entdeckt ein Netzwerk pseudowissenschaftlicher Forschungen über angebliche Rassenunterschiede, das von Andrew Conru, einem US-amerikanischen Multimillionär, unterstützt wird.

Shukmans Erfahrung zeigt, dass es sich um eine Bedrohung handelt, die manchmal surreal erscheinen mag, weil sie so losgelöst von der Gegenwart ist. Doch die extreme Rechte hat sich vielerorts fest in der Gesellschaft, wie hier der britischen, etabliert und macht Angst. So sehr, dass das letzte Londoner Filmfestival LFF die Vorführungen des Films im letzten Moment absagen musste. Es gab jedoch keine Einschüchterungsversuche, die direkt an das Festival gerichtet waren. Das angespannte politische Klima in Grossbritannien, insbesondere aufgrund der Unruhen, die das Land im Sommer 2024 erschütterten, reichte aus, um die Sicherheit der Mitarbeitenden und des Publikums des Festivals zu gefährden. Havana Marking war am vergangenen Sonntag anwesend, um die Vorführung des Films in Genf einzuleiten, und freute sich über die Plattform. Obwohl sie die Sicherheitsbedenken des LFF durchaus nachvollziehen kann, ist sie der Meinung, dass es «der extremen Rechten zum Sieg verhilft», wenn man sich dem Phantomdruck und der Angst, die sie erzeugt, beugt.

Dem Einfluss der extremen Rechten widerstehen

Wie soll man auf die Machtübernahme der extremen Rechten reagieren, wenn die Standards der öffentlichen Debatte durch die Wiederholung ultranationalistischer oder faschistischer Äusserungen nach rechts verschoben werden? Das ist im Wesentlichen das Thema der Diskussion, die das FIFDH im Anschluss an die Vorführung des Dokumentarfilms organisiert hat. Unter dem Titel «Die Normalisierung der extremen Rechten bekämpfen» trafen sich zwei Protagonisten von «Undercover: Exposing the Far Right»: Harry Shukman, der verdecktermittelnde Journalist, und Nick Lowles, der Direktor von «HOPE not hate», einer Interessen- und Verteidigungsgruppe gegen faschistische und rassistische Aktivitäten in England, die die verdeckte Aktion in Auftrag gegeben hatte. Weitere Gäste der Debatte waren Lumir Lapray, Aktivistin und Spezialistin für Bürgermobilisierung, und Saoussen Hammami, Mitglied der «Foulards Violets», eines Kollektivs muslimischer und nichtmuslimischer Frauen, die sich mit Frauen solidarisieren, die sich entschieden haben, den Schleier zu tragen.

“Es gibt heute eine Tendenz zu sagen, dass der Faschismus wieder da ist, aber er war nie weg.”
Saoussen Hammami

Hammami stellt Verbindungen zwischen den Fällen von Rechtsextremismus in Grossbritannien und der aktuellen Situation in der Schweiz her. Sie wehrt sich vehement vor der Vorstellung, dass der Aufstieg des Faschismus eine neue Entwicklung sei, «es gibt heute eine Tendenz, zu sagen, dass der Faschismus zurückkehrt, aber er war nie weg». Sie prangert auch an, dass die Schweiz eine eigene Geschichte des Kolonialismus verleugne, genauso wie an der Unterdrückung von Minderheiten oder auch an der Unterstützung verschiedener faschistischer Regime beteiligt zu sein. Wie bei anderen Themen auch, müsse man auch um die Warnung vor dem Aufstieg der extremen Rechten «warten, bis eine weisse Person Alarm schlägt, damit dieser ernst genommen wird, ohne auf Menschen wie mich oder wie die rassisierten Menschen (dunkelhäutige Personen) zu hören, die seit Jahren auf unseren Strassen ermordet werden».

Eine Bedrohung, die Grenzen überschreitet

Nick Lowles warnt seinerseits vor der internationalen Organisation der extremen Rechten. «Die Politik der letzten Wochen, vor allem in den USA, hat wahrscheinlich viele Menschen an die Realität erinnert. Was auf der anderen Seite des Atlantiks passiert, passiert auch in Europa», erklärt er. Seiner Meinung nach ist die extreme Rechte in Grossbritannien zwar nicht so stark verankert wie beispielsweise in Osteuropa, aber Geld, Ideologien und Bewegungen überschreiten leicht die Grenzen. «Es geht nicht nur um die extreme Rechte», erinnert Nick Lowles. Es geht um einen internationalen Kampf zur Verteidigung unserer Demokratien und unserer Freiheiten».



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© FIFDH 2025

Dasselbe gilt für Lumir Lapray, die derzeit über die ländliche Wählerschaft von Donald Trump in den USA forscht. Indem sie sowohl die nordamerikanische als auch die französische politische Entwicklung beobachtet, weist sie auf den internationalen Charakter der rechtsextremen Bewegungen hin: «Sie [die Anhänger der extremen Rechten] propagieren nicht nur ähnliche Ideen, sondern kennen sich auch». Sie erinnert auch daran, dass sich diese Ideologien zumindest in den USA über die Volksmassen verbreiten, die zwar nicht unbedingt alle Werte der extremen Rechten teilen, aber in erster Linie von der herrschenden Politik enttäuscht sind und nach neuen Lösungen suchen.

Auch wenn die Realitäten in den einzelnen Ländern unterschiedlich sind, sind die Signale und Faktoren für das Erstarken faschistischer und rassistischer Ideologien unverkennbar. Alle Demokratien sind in Gefahr. Es stellt sich die Frage, wie man diesen Tendenzen entgegenwirken kann, oder, um es mit den Worten von Lumir Lampray zu sagen: «Wie kann man die Menschen darüber [über die Hintergründe der extremen Rechten] informieren? Und wie können wir alternative Erzählungen und Lösungen anbieten, die alle einbeziehen?» Bis diese Lösungen gefunden sind, tragen die Vorführungen des FIFDH dazu bei, über die Manipulationsmechanismen der extremen Rechten zu informieren, wie die beiden ausverkauften Vorführungen von «Undercover: Exposing the Far Right» beweisen.

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