Animation besteht aus vielen verschiedenen Techniken. Dieses Jahr rücken Sie aber Stop Motion in den Vordergrund. Hat diese Technik neuen Aufschwung bekommen in den letzten Jahren?
Uns ist tatsächlich in den letzten Jahren aufgefallen, dass Stop Motion-Filme wieder verstärkt eingereicht werden. Natürlich haben wir uns auch Gedanken darüber gemacht, warum oder woher diese Motivation kommt. Ich kann es nicht erklären. Ich stelle mir aber vor, dass es sich um eine Gegenbewegung handelt gegenüber dem Digitalen. Animation ist so digital geworden, mit 3D-Animation oder auch KI. Bei Stop Motion kann man wenig automatisieren, da muss man Einzelbilder machen. Viel ist sehr persönlich und haptisch.
In der Regel sind Animationsfilme sehr teuer. Deswegen spielen Kurzfilmformate eine wichtige Rolle. Welche Funktion übernimmt ein Festival wie Stuttgart für die Karriere der Animationsfilmschaffenden spezifisch in diesem Bereich?
Es gibt viele Menschen, die nur Kurzfilm machen und ihre Karriere im Kurzfilm sehen, und die unterstützen wir natürlich auch. Wir gehen nicht davon aus, dass alle in den Langfilm wollen. Bei vielen Filmarten geht es auch gar nicht aus finanzieller Sicht. Manche Geschichten sind doch im Kurzfilm besser erzählt. Wir versuchen, junge Talente, die neu auf dem Markt sind, viele Möglichkeiten zu geben, dass sie sich hier in Stuttgart vernetzen und weiterbilden können. Wir haben dieses Jahr zum Beispiel das Thema internationale Koproduktion. Oder wir informieren über die Angebote, die das neue Filmförderungsgesetz in Deutschland geschaffen hat. Es gibt Treffen mit Filmschaffende und Seminare.
Sie haben dieses Jahr einen Fokus auf der Schweiz. Können Sie mehr dazu sagen?
Für ein so kleines Land wie die Schweiz, hat es eine wahnsinnige reiche und grosse Filmausbeute. Wir beobachten schon seit Jahren das Filmschaffen in der Schweiz und zeigen regelmässig Filme im Wettbewerb. Es ist toll, nun mit einem Fokus die verschiedenen Facetten herausstellen zu können. In unserem Wettbewerb sind wieder verschiedene Schweizer Kurzfilme wie «On Hold» von Delia Hess oder «The Car That Came Back from the Sea» von Jadwiga Kowalska. Wie zeigen «Chris the Swiss» von Anja Kofmel und in anderen Reihen Filme von der HSLU, dem Fantoche und vielen anderen Filmschaffenden. Es wird auch ein Treffen mit Maja Gehrig geben und die Gelegenheit «Mein Leben als Zucchini» von Claude Barras nochmals zu sehen. Dass «Sauvages» im letzten Jahr in Cannes lief, war ein besonders guter Aufhänger. Es wird im übrigen auch eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit Nadasdy geben, die verschiedene Originalsets des Films präsentiert, und somit plastisch Einblick in den Entstehungsprozess gibt. Die Schweiz ist wahnsinnig stark, sowohl in der Handschrift, die entwickelt wird von den Leuten, als in den Geschichten, die erzählt werden.