Zwischen Stoffentwicklung,  Drehalltag und Auswertung
Levin Vieth © Simona Miele
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Zwischen Stoffentwicklung, Drehalltag und Auswertung

Silvia Posavec 4. Juni 2026

Am Werdegang des Nachwuchsproduzenten Levin Vieth lässt sich ablesen, wie ein erfolgreicher Einstieg in die Filmproduktion gelingen kann und was neben der Zahl der Kasseneintritte erfolgreiche Projekte ausmacht.

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Filmerfolge werden oftmals der Regie oder den Darstellenden zugeschrieben. Wer aber einmal an einem Filmset war, weiss, dass hinter einem gelungenen Film ein funktionierendes Team steckt – zusammengehalten von einer Produzentin oder einem Produzenten. Der Zürcher Levin Vieth (*1994) ist ein solcher und beschreibt seinen Beruf beinahe nüchtern als «die wirtschaftlich-planerische Seite der Regie». Dass er sich für dieses vielschichtige Arbeitsumfeld interessiert, das sich von der ersten Idee bis zur Auswertung in den Kinos erstreckt, war nicht immer klar.

Nach der Schule engagierte Vieth sich zunächst am Theater und war in der freien Szene als Regieassistent tätig. Später studierte er an der Universität Zürich Germanistik und Filmwissenschaft und schloss das Studium 2019 mit dem Bachelor ab. Auf der Suche nach einem Praktikumsplatz stellte er die erste bedeutende Weiche. Er erhielt zwei Angebote: zum einen in einem Kino und zum anderen bei einer Produktionsfirma. Er entschied sich für Letzteres und absolvierte ein Produktionspraktikum bei Dschoint Ventschr, der etablierten Zürcher Filmproduktionsfirma, die von Karin Koch, Werner Schweizer und Samir gegründet wurde.

Durch Erfahrung lernen

Diese Verbindung begleitete ihn durch sein gesamtes Masterstudium im Bereich Film an der Zürcher Hochschule der Künste. Karin Koch war seine Dozentin in der Vertiefung «Creative Producing». Eines seiner verlangten drei Abschlussprojekte war die Betreuung von Samirs Dokumentarfilm «Die wundersame Verwandlung der Arbeiterklasse in Ausländer». Trotz der projektorientierten Ausrichtung des Studiums ist für Vieth eines klar: «Das Studium der Filmproduktion kann nur zu einem gewissen Teil vermitteln, worum es in dem Beruf wirklich geht.» Nach seinem Studium stieg er 2023 bei Dschoint Ventschr als Produzent ein.

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Filmstill aus «Solidarity» von David Bernet. © Indi Film / Dschoint Ventschr

Die «Arbeiterklasse», wie Vieth Samirs Filmtitel abkürzt, ist mittlerweile zum ersten Filmprojekt geworden, das er über die gesamte Produktionsphase hinweg begleitet hat. Zum Alltag eines Produzenten gehört auch, dass man nicht nur an einem Thema arbeitet. Aktuell betreut Vieth acht Projekte, von denen sich fünf in der Entwicklung und drei in der Fertigstellung befinden. In der Entwicklungsphase müssen laufend neue Finanzierungsdossiers geschrieben und Eingabefristen eingehalten werden. Bei jedem Film ergeben sich neue Herausforderungen und Dynamiken zwischen Autoren und Autorinnen, der Regie und Produktion: Drehbücher werden gelesen, überarbeitet und manchmal nach viel Arbeit wieder aufgegeben. Täglich kommen neue Projektideen dazu, die gesichtet und geprüft werden.

Facetten des Erfolges

Mit jedem neuen Dossier wächst Vieths Expertise. «Durch meine Arbeit bei Dschoint Ventschr habe ich eine klare Haltung zu den Stoffen und ein gutes Verhältnis zu Partnern und Regiepersonen entwickelt», reflektiert Vieth seinen Werdegang als Produzent und sagt über die Projekte: «Wir gehen gewisse Risiken ein und sagen: Kassenerfolg ist nicht alles, eine klare Haltung gehört auch dazu.»

Was als erfolgreiches Projekt gilt, ist also auch eine Definitionssache. Mit der «Arbeiterklasse» setzte sich Vieth das Ziel von 10’000 Eintritten, mittlerweile hat der Film diese Marke um 1000 Kinobesuche überschritten. Und der Film ist weiterhin im Umlauf, Regisseur Samir zeigt ihn in Sondervorführungen, nimmt an Podien teil und präsentiert ihn auch im Ausland.

Mit «Solidarity» und «Hirschfeld - Unbekannter Bekannter» sind es mittlerweile drei Dokumentarfilme, die Vieth betreut hat, zukünftig kann er sich aber auch grössere Spielfilmproduktionen vorstellen. Dem Experimentieren mit verschiedenen Formaten, kurzen Social-Media-Inhalten oder auch KI-generierten Videoanimationen steht Vieth auch sehr offen gegenüber. Ein Schritt hin zu populäreren und zugänglicheren Unterhaltungsformen widerspricht seinem bisherigen Schaffen keineswegs, es seien schliesslich die grossen Filme von Michael Steiner gewesen, die ihn als Jugendlichen ins Kino gebracht hätten: «Ich glaube, dass man Filme produzieren kann, die eine klare inhaltliche Position mit grosser Publikumswirkung verbinden. Einige unserer Projekte haben das Zeug dazu.» Mit Neugier darf man abwarten, mit welchen Filmen Levin Vieth seine Karriere weiter aufbauen wird. Dschoint Ventschr hatte bislang einen prägenden Einfluss auf ihn und es ist zu erwarten, dass auch er künftig mit eigener Handschrift noch deutlicher hervortreten wird.

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