Für eine starke Standortförderung
Matthias Michel über eine Stärkung des Standorts Schweiz.
Chloé Hofmann 9. Januar 2026
Liegt die Zukunft des Schweizer Films bei seinem jüngsten Publikum? In Anbetracht der wachsenden Zahl an Programmen für Vorschulkinder von 3 bis 6 Jahren in unabhängigen Kinos und an Festivals sowie der Verstärkung der Anreizsysteme für solche Angebote ist die Frage durchaus berechtigt.
Die zunehmende Aufmerksamkeit, die dem jüngsten Publikum in der Schweiz seit rund zehn Jahren gewidmet wird, widerspiegelt eine Veränderung in der Wahrnehmung von Kindern (und ihren Eltern), die heute von gewissen Schweizer Filmschaffenden als eine der wichtigsten und wirtschaftsträchtigsten Zielgruppen für den Konsum von Kulturgütern betrachtet werden.
Diese Eroberung einer neuen demografischen Gruppe von Zuschauern kann als Antwort auf das aktuelle Umfeld gedeutet werden, das geprägt ist von einem vielfältigen Kulturangebot und veränderten Gewohnheiten beim Konsum audiovisueller Inhalte. Die Panikmache rund um den exzessiven Bildschirmkonsum von Kindern trägt ausserdem dazu bei, das begleitete und kontrollierte Angebot im Kino als qualitativ hochstehende Alternative zum Heimkonsum zu fördern.
Im Bewusstsein der Bedeutung dieser Faktoren haben öffentliche Stellen und gewisse Branchenverbände Anreizsysteme für die Produktion, den Verleih und die Auswertung von Kinder- und Jugendfilmen geschaffen, die in den Augen dieser Institutionen eine Massnahme zur Erschliessung neuer Publikumskreise darstellt.
In der Tat finden sich seit 2001 unter den fünf erfolgreichsten Kinofilmen in der Schweiz jedes Jahr ein oder zwei (meist US-amerikanische) Langfilme für das junge Publikum, die mehrere Hunderttausende Eintritte generieren, wie die auf der Internetseite von ProCinema veröffentlichten Jahresstatistiken zeigen. Im Kino Houdini in Zürich läuft «Die Schnecke und der Buckelwal» seit nahezu 150 Wochen (zum Zeitpunkt dieser Zeilen) – ein absolut einzigartiges Beispiel, das jedoch das Verleih- und Auswertungspotenzial von Kinder- und Jugendfilmen illustriert und den langfristigen finanziellen Ertrag aufzeigt, den solche Produktionen bieten können.
In Anbetracht dieser Tatsachen haben gewisse Kinos Spezialprogramme für Familien entwickelt. So bietet zum Beispiel das Kino CityClub in Pully seit 2014 Vorführungen für Kinder ab 3 Jahren unter dem Namen «P’tit CityClub» an. Von 22 Vorführungen mit 1’200 Zuschauenden im Jahr 2014 wuchs der P’tit CityClub auf 148 Vorführungen mit 13’050 Zuschauenden im Jahr 2024. Gemäss Laura Grandjean, Programmverantwortliche für Kinderfilme beim CityClub, stellt dies nahezu ein Viertel der gesamten Eintritte des Kinos im Jahr 2024 dar.
Der Lausanner Verleiher Thierry Spicher (Outside the Box), der 2020 mit «Au ciné comme les grands» ein Projekt zum Verleih von Filmen für Vorschulkinder lancierte, erhielt vom Bundesamt für Kultur und von Cinéforom insgesamt 91’000 Franken an Fördergeldern für Programme mit als Schweizer Produktionen geltenden Filmen für das junge Publikum, die er in seinen Katalog aufgenommen hat.
Diese Beispiele zeigen, dass die Entwicklung des Sektors Kinderfilme in der Schweiz sowohl auf staatlichen Anreizen, als auch auf dem koordinierten Einsatz der Branchenakteure und -akteurinnen beruht, deren Arbeit bereits zu einer verstärkten Präsenz von Kinderfilmen in den Kinos geführt hat und längerfristig die Schweizer Filmlandschaft zugunsten des jüngsten Publikums verändern könnte.
Vollständiger Artikel erschienen in der Zeitschrift Décadrages, hier zu lesen.