Derya Tuna: «Ich mag Schnelligkeit, Veränderung und Vielfalt»
Derya Tuna, Vorstandspräsidentin von Swissfilm Association. ©️ Dan Cermak

Derya Tuna: «Ich mag Schnelligkeit, Veränderung und Vielfalt»

Adrien Kuenzy 4. Juni 2026

Für die Vorsitzende des Verbands Swissfilm Association bleibt der Auftragsfilm trotz des schnellen Wandels in der Branche ein wichtiger Treiber der Schweizer audiovisuellen Industrie.

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Wie hat sich Ihre Branche in den letzten zehn Jahren verändert?

Es hat viele neue Medien gegeben, alles ist schneller geworden, die Budgets schrumpfen, die Fristen werden kürzer und die technischen Möglichkeiten vervielfältigen sich. Die Kundschaft verlangt mehr Inhalt, in verschiedenen Formaten, für die digitalen Plattformen. Ich kann vor allem aus meiner eigenen Erfahrung sprechen. Zu meinen Zeiten als «Head of TV» bei Publicis war das Verhältnis zwischen Kommunikations- und Produktionsbudget ganz anders. Heute verteilen sich die Mittel der Kundschaft auf viel mehr Kanäle und Formate. Folglich bleibt oft weniger Budget übrig für die eigentliche Produktion jedes Films.

Sehen Sie in dieser Entwicklung auch eine Chance?

Ja, teilweise. Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass «früher alles besser war». Mit TUNA Production sind wir an einem Punkt angekommen, wo dieses hohe Tempo recht gut mit unserer Arbeitsweise übereinstimmt. Wir sind agil, wir mögen Schnelligkeit und können so funktionieren. Für gewisse ältere Strukturen kann das schwieriger sein.

Wie verändert künstliche Intelligenz bereits jetzt Ihren Beruf?

KI ist natürlich ein zentrales Thema bei Swissfilm Association. Wir arbeiten derzeit an juristischen Richtlinien, damit unsere Mitglieder wissen, was erlaubt ist und was nicht, und wie sie die Werkzeuge verantwortungsvoll nutzen. Wir wollen diese Entwicklung nicht ignorieren, doch wir wollen verhindern, dass KI zu einer «unbezahlten Arbeitskraft» wird. Dieses Jahr wird es bei den Swissfilm Association Edi Awards auch zum ersten Mal eine eigene Kategorie für «KI-Filme» geben.

Was zeichnet eine professionelle Produktionsfirma heute noch aus?

Das Können. Wenn es um Geschichtenerzählen, Markenimage oder ehrgeizige Produktionen geht, brauchen die Kunden und Kundinnen auch heute noch Fachleute. Zudem steht hinter jedem Dreh eine komplette professionelle Infrastruktur: Verträge, Versicherungen, Technikteams, arbeitsrechtliche Fragen, Dreharbeiten mit Kindern oder Tieren. Wir wollen mit Swissfilm Association auch das Schweizer Können verteidigen und daran erinnern, dass wir auch in der Schweiz fähig sind, Filme auf gleichem Qualitätsniveau wie im Ausland zu produzieren.

Welche Hauptziele verfolgt Swissfilm Association aktuell?

Der Nachwuchs ist ein sehr wichtiges Thema für uns, und wir beschäftigen uns mit Fragen rund um den Frauenanteil in der Branche – ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Dieses Jahr steht zudem die «Swissness» im Fokus, also wie wir eine starke Produktion in der Schweiz bewahren und lokale Arbeitsplätze erhalten können.

Mögen Sie persönlich Auftragsfilme?

Ja, sehr. Ich mag die Schnelligkeit, den Wandel, die Vielfalt. Jeder Kunde, jede Kundin arbeitet in einem anderen Bereich, so lernt man ständig Neues. Dabei muss man aber einen wichtigen Aspekt akzeptieren: Es ist nicht «dein» Film. Viele träumen vom Autorenfilm und machen Werbung, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch im Auftragsfilm arbeitet man für eine Kundschaft, die präzise Erwartungen hat. Ich mag den direkten und konkreten Charakter dieser Arbeit.

Kann man heute noch langsam produzieren?

Ehrlich gesagt, nur sehr selten. Wir haben vor zwei Wochen eine Anweisung erhalten und am vergangenen Wochenende vier Filme gedreht. Morgen liefern wir die Arbeit bereits ab. Heute geht alles extrem schnell. Wir befinden uns in einer sehr interessanten Phase des Umbruchs. Und ich bin bereit, mit diesen Veränderungen voranzugehen.

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