Die mexikanisch-US-amerikanische Schauspielerin Salma Hayek gehört heute zu den Bestbezahlten in ihrem Beruf. Ihr Durchbruch war nicht einfach. Als sie sich für eine Rolle in einem Science-Fiction-Film bewarb, wurde sie abgelehnt mit: «Was soll eine Mexikanerin im All?».
In ihrem Buch «Reel Inequality: Hollywood Actors and Racism» zeigt Nancy Wang Yuen eindrücklich wie sich die Filmindustrie von Anfang an von einer Weltanschauung hat leiten lassen, die eine patriarchalische und westlich-weisse Norm als Machtposition definiert. In den 1920er und 1930er Jahren wurden Dunkelhäutige oder Angehörige anderer Ethnien von weissen Darstellern geschminkt oder verkleidet verkörpert. Immer standen ihre Rollen in einem despektierlichen Kontext. Heute ist man sich eigentlich darüber einig, dass ein solcher Umgang nicht mehr akzeptabel ist.
Nun kann man es nur als halben Fortschritt werten, wenn die zu spielenden Figuren von Vertretern der betreffenden Ethnien gespielt werden, sie dann aber in anderen rassistischen Klischees hängen bleiben. «Zu viele Latinos», «zu viele Afroamerikaner» oder «zu viele Asiaten» auf einer Besetzungsliste könnten das Publikum irritieren. Diese Haltung ignoriert nicht nur den realen Anteil dieser Gruppen an der US-Bevölkerung, sondern auch ihre Rolle als besonders leidenschaftliches Publikum im Kino und übers Fernsehen. Markttechnisch wäre hier also, durchaus viel zu holen. Einige Studios haben es auch längst begriffen und besetzen ihre Ensembles mit grösserer Vielfalt. Es entstehen auch vermehrt Serien wie «Beef», «Deli Boys» oder «How to Get Away with Murder», die globale Zuschauerschaft zählen.
Vieles hat sich in den letzten Jahren getan. Doch so sehr aber auch wieder nicht. Ein deutscher Käsehersteller erntet mit seinen neuen Verpackungen, auf denen auch dunkelhäutige Personen zu sehen sind, eine Flut an rassistischen Kommentaren und Boykottaufrufen. Der Schweizer Uhrenhersteller Swatch wiederum bildet, ausgerechnet für seinen umsatzstarken chinesischen Markt ein Modell ab, das sich die Augen langzieht? Mit dieser Geste mokiert man sich über asiatische Personen, das weiss eigentlich jeder.
Schaut man sich exemplarisch die Diskussionen in Onlineforen an, wenn es beispielsweise darum geht, ob die fiktive Meerjungfrau Ariel von einer dunkelhäutigen Schauspielerin gespielt werden darf, sieht man das Ende der Welt vorausgesagt. Spannend werden daher auch die Reaktionen auf einen Film wie «Slanted» von Amy Wang sein, in dem ein Mädchen chinesischer Herkunft in den USA aufwächst, dessen grösster Traum es ist, an der Highschool Abschlussballkönigin zu werden. Nur als weisse Person, ist sie sich sicher, hätte sie eine Chance darauf – und legt sich dafür unters Messer. Eines zeigt der Stoff deutlich: Bilder haben einen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung des Betrachtenden.
Auch in der Schweiz gibt es entsprechende Debatten. Es ist aber schwer, für betroffene Schauspieler und Schauspielerinnen sich offen darauf einzulassen, wenn sie nicht als «schwierig» gelten wollen. Es kursiert auch die Vorstellung, dass «Inklusion und Diversität» teuer seien. Spielt nicht viel mehr Berührungsangst eine Rolle? Oder fehlt es an der Motivation? Bislang werden in der Schweiz nämlich Daten zu Vielfalt und Gleichstellung erhoben, aber verbindliche Vorschriften existieren nicht. Initiativen wie beim Migros Story Lab, wo Gesuche anonymisiert eingereicht werden, sind zukunftsweisend.
Es ist schon schwierig genug, Frauen ihren Anteil vor und hinter der Kamera zu verschaffen. Protagonistinnen über 40 sind auch bei uns viel weniger häufig anzutreffen als Männer im gleichen Alter, noch immer geben sich Frauen mit tieferen Budgets für vergleichbare Projekte ab, der Zugang zu bestimmten Filmberufen fällt ihnen schwer, sie werden weniger häufig an Filmfestivals eingeladen, und im Schnitt verdienen Frauen 8 bis 17 Prozent weniger als Männer in den gleichen Positionen, das alles zeigen die Daten, die das Bundesamt für Kultur und andere grosse Förderstellen in der Schweiz sammeln. Massnahmen oder verpflichtende Vorgaben für Produktionen und Institutionen gibt es aber nur zögerlich. Das Cinéforom hat gerade mit Branchenmitgliedern eine Charta unterzeichnet, die Sensibilisierung noch einmal fördern soll, aber auch Handlungsanweisungen im Fall von Missbräuchen enthält. Es braucht aber viel mehr. Quoten, Boni oder sonstige Anreize? Auf jeden Fall stagnieren die Zahlen eindeutig. Dass gezielte Anreize funktionieren, zeigt das Beispiel von Österreich.
Teresa Vena
Co-Chefredaktorin