Eine hohe Frauenpräsenz
Ausschnitt aus der Studie «Diversity on screen of Swiss films». © BAK

Eine hohe Frauenpräsenz

Die Fragen stellte Teresa Vena 22 mai 2025

Die Pilotstudie des Bundesamts für Kultur erlaubt Rückschlüsse über die Vertretung der Geschlechter im Schweizer Film. Matthias Bürcher, Leiter des Dienstes Auswertung und Angebotsvielfalt beim BAK hat unsere Fragen dazu beantwortet.

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Wozu dient die Studie?

Wir erfassen seit 2017 mit der «Gender Map» Daten zu allen hergestellten Filmen mit einem Fokus auf Repräsentanz hinter der Kamera. Die Pilotstudie ist eine Erweiterung dieser Geschlechterstatistik, um auch Daten zur Repräsentanz vor der Kamera zu erfassen. Damit soll gemessen werden, inwieweit die Schweizer Filme als Ganzes die Vielfalt unserer Gesellschaft abbilden. Die Studie wird jährlich durchgeführt.

Welche Ergebnisse sind für Sie herausgestochen?

Überrascht hat mich, wie mehrheitlich heute die Präsenz von Protagonistinnen in den Filmen ist. Dies gilt insbesondere für Filme mit weiblicher Regie. Das war vermutlich vor zehn Jahren nicht so und kann durchaus als Erfolg der Gleichstellungspolitik des BAK der letzten Jahre gewertet werden. Die Präsenz allein ist das eine, das andere betrifft die Verteilung der Sprechrollen. Es hat mich überrascht, wie klein diesbezüglich der Unterschied insgesamt zwischen Schweizer und US-amerikanischen Filmen ist. Die tiefen Werte sind fast identisch. Offenbar setzt sich die kulturelle Konstante durch, dass ein Drittel Frauenanteil als normal gilt.

Wieso wurden die USA als Vergleichsland herangezogen? Die Finanzierungs- und Auswertungsstrukturen der beiden Länder sind sehr unterschiedlich.

Wir haben international nach überzeugenden Methoden gesucht und sind auf die US-amerikanische Universität San Diego gestossen, die als einzige Institution seit mehr als 20 Jahren eine konstante Methodik anwendet und auch eine Zeitreihe produziert. Der Vergleich mit den USA diente in erster Linie dazu, die praktische Vergleichbarkeit an sich zu prüfen. Uns interessiert natürlich auch der Vergleich zu europäischen Filmen. Der Blick in die USA ist aber auch darüber hinaus interessant: Betrachtet man die Angebotsvielfalt in der Schweiz und die Bedeutung für das Publikum hier, sind die US-amerikanischen Filme sehr wohl relevant. Diese erreichen in der Schweiz einen Marktanteil von über 60 Prozent, die Schweizer Filme stehen bei leicht unter 10 Prozent.

Sie nennen es «Diversity»-Studie, während sie sich eigentlich auf Geschlechtergleichstellung konzentriert. Gibt es Pläne die Studie auf die Angehörigkeit zu verschiedenen Minderheiten, sexuelle, ethnische und soziale, zu ergänzen? 

«Gender», also das Geschlecht, ist eine der Dimensionen der Diversität. In der Statistik des BAK wenden wir oft auch die Sprache als Dimension an, weil die Sprachvielfalt in der Schweiz seit Jahrzehnten ein Diversitätsthema ist. Beide Merkmale sind relativ einfach messbar. Bei den weiteren von Ihnen genannten Dimensionen stellen sich methodische Probleme der Zuordnung wie auch der tiefen Fallzahlen, die einer statistischen Signifikanz entgegenstehen. Für diese Aspekte bräuchte es nicht-quantitative Studien.

Die Studie wurde auf Englisch verfasst, um auch andere Länder zu einer solchen Analyse zu motivieren. An welche Länder denken Sie spezifisch? Und wie wollen Sie diesbezüglich vorgehen?

Das BAK ist im engen Austausch mit den europäischen Ländern im Rahmen der EFARN (European Film Agency Research Network), der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle und Eurimages. Das BAK hat schon vor Jahren eine aktive Rolle eingenommen, als es um eine Entwicklung der Methodik der Geschlechterstatistik ging. Wir werden gleich vorgehen und versuchen, unsere europäischen Partner zu überzeugen, vergleichbare Daten zu erheben.

Wie kam es zur Zusammenstellung des Analysten-Gremiums? Es fehlen darin Filmwissenschaftler und Kritiker, scheint es. Wieso war der empirische Aspekt im Fokus?

Die Analysten und Analystinnen sind alle Mitglieder der Schweizer Filmakademie und als Stimmberechtigte für die Nominationen des Filmpreises qualifiziert, Schweizer Filme zu beurteilen. Die Fragebogen wurden jeweils doppelt von zwei unterschiedlichen Personen ausgefüllt, um die Unterschiede der Datensätze zu prüfen. Diese waren klein, da die meisten Daten objektiven Charakter haben. Ohne deren ehrenamtliche Arbeit wäre die Studie nicht zustande gekommen, denn wir haben aufgrund der angespannten finanziellen Situation des Bundes keine finanziellen Ressourcen für externe Studien. Das Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich prüft die Möglichkeit einer automatisierten Filmanalyse mit digitalen Werkzeugen zur Bilderkennung und Klassifizierung. Allenfalls können wir in Zukunft darauf zurückgreifen.

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