Die Promotion eines Schweizer Animationsfilms wie «Sauvages» von Claude Barras ist eine komplexe Aufgabe. Nicolas Burlet, Produzent bei Nadasdy Films, betont, wie wichtig es ist, bereits während der Dreharbeiten mit der Kommunikationsarbeit zu beginnen. «Wir organisierten Besichtigungen der Filmsets im Wallis, an denen insgesamt rund 5'000 Personen teilnahmen. Das war eine gute Gelegenheit, um den Wert unserer Arbeit aufzuzeigen, doch solche Aktionen garantieren noch keinen anhaltenden Publikumsstrom in den Kinos». Für die in Stop-Motion-Technik realisierte Produktion wurden 19 Filmsets verwendet, wovon eines speziell für Besucher und Besucherinnen eingerichtet wurde. Um das Interesse des Publikums aufrechtzuerhalten, brauchte es jedoch eine fundierte Analyse und eine klare Strategie. «Wir mussten Emotionen und Unterhaltung versprechen und zugleich die Botschaft der Geschichte vermitteln», so Burlet. «Beide Anforderungen in einer Promotionskampagne zu vereinen ist nicht einfach».
Eine gezielte Kampagne
Mischa Schiwow, Verleiher bei Frenetic Films, unterstreicht, wie wichtig die Positionierung bei allen Entscheiden in Bezug auf die Promotion ist. «Wir überlegten uns, wie der Film präsentiert werden soll: als engagierte Umweltschutz-Geschichte, als Familienfilm oder als Unterhaltungsfilm für das breite Publikum. Schliesslich haben wie alle Aspekte berücksichtigt. Diese Überlegungen wirkten sich auf all unsere Entscheidungen aus», so Schiwow. «Wir verteilten das Budget von 150'000 Franken, das wir der Promotion zugewiesen hatten, auf verschiedene Bereiche: je 20 Prozent für Fernsehspots und gezielte Kampagnen in den sozialen Medien, und den Rest für strategische Partnerschaften mit Organisationen wie Greenpeace oder dem Bruno-Manser-Fonds». Zusätzlich zu diesen Initiativen wurden in der Westschweiz über 50 Vorpremieren organisiert, um die Sichtbarkeit des Films zu erhöhen.
Trotz aller Überlegungen zeigten sich teils unerwartete Resultate. «Bei den Vorpremieren zielten wir in erster Linie auf Familien ab, doch in den Kinos sassen praktisch nur Erwachsene. Das zeugt vom Interesse für Claude Barras’ Arbeit, doch es überraschte uns», so Schiwow. Burlet räumt ein, dass eine stärker auf die Abenteuer und Emotionen der Figuren ausgerichtete Kommunikation vielleicht mehr Aufmerksamkeit erregt hätte.
Bewertung und Vertrieb
Im Dezember 2024 verzeichnete «Sauvages» bereits über 30'000 Eintritte in der Westschweiz. Im Ausland wurde der Film von der Kritik gut aufgenommen (Bewertung von 3,8/5 auf AlloCiné), stand jedoch einer harten Konkurrenz gegenüber. Produktionen wie «Croquettes» generierten trotz schlechterer Bewertungen mehr Eintritte. Burlet schreibt diese Diskrepanz einer weniger klaren Positionierung und fragwürdigen Entscheidungen, wie der Wahl des Filmtitels, zu. «Sauvages ist ein plakativer Titel, doch er kann verwirrend sein. Ein Titel, der die Hauptfigur in den Vordergrund stellt, wäre vielleicht anschaulicher gewesen».
Strukturelle Grenzen
Die beiden Fachleute verweisen auch auf die strukturellen Mängel in der Vertriebsförderung für Schweizer Filme. Schiwow betont: «Ich werde mich klar ausdrücken: Die Vertriebsförderung nimmt laufend ab, was sehr problematisch ist. Auf der einen Seite erfindet man neue Förderungsmassnahmen, die noch nicht einmal erprobt sind, und auf der anderen Seite kürzt man die Fördermittel für den Vertrieb. Für mich ergibt das überhaupt keinen Sinn. Man muss dem Vertrieb ausreichende Mittel zuweisen. Derzeit beträgt dieses Budget nur 500'000 Franken und wird unter allen Vertrieben und allen Schweizer Filmen aufgeteilt». Dennoch blickt das Team zuversichtlich in die Zukunft. Der Anfang 2025 geplante Filmstart in der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz könnte dem Film mehr Publikum bringen. «Wir hoffen, dank unserer lokalen Partner wie dem Zoo Zürich ein breiteres Publikum zu erreichen», schliesst Burlet.