Der junge Filmemacher Djibril Vuille betont, dass man Jugendliche nicht als homogenes Publikum betrachten darf, wenn man über Jugendfilme spricht. «Wie Erwachsene sind auch Jugendliche sehr verschieden», so Vuille. In der Schweiz wächst fast die Hälfte der Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf; eine Tatsache, die im Film noch zu wenig berücksichtigt wird. Vuille bedauert, dass seine Projekte zuweilen als «Nischenfilme» eingeordnet werden, da die Rollenbesetzung nicht der weissen Mehrheit entspricht – seiner Meinung nach ein Paradox, da diese Diversität einen grossen Teil der Gesellschaft widerspiegelt.
«Jugendliche sind nicht naiv: Sie nehmen alles wahr, oft sogar besser als Erwachsene», erklärt der Regisseur. Die Filmindustrie ziehe jedoch vereinfachte, verwässerte Geschichten vor, die sich an einer falschen Vorstellung jugendlicher Sensibilität ausrichten. «Wie wenn man junge Menschen vor Komplexität schützen müsste», beklagt Vuille. Entgegen dieser Logik fordert er Filme, die das Publikum nicht bevormunden und kontroverse Themen behandeln: die Wunden des Kolonialismus, die Spannungen, die bis heute zwischen verschiedenen Gruppen, Gemeinschaften und Lebensräumen bestehen. Vuille ist überzeugt, dass Jugendliche solche Themen sehr wohl wahrnehmen und sich eine ehrliche Darstellung wünschen.