Ausgangslage der Zürcher Filmförderung und Lancierung der Volksinitiative für ein Film- und Mediengesetz
Seit der Gründung der Zürcher Filmstiftung im Jahr 2004 erlebt das Zürcher Filmschaffen einen regelrechten Boom. Die Professionalisierung der Filmschaffenden war bei der Gründung der Filmstiftung explizit erwünscht, da sie die Qualität der Filme insgesamt erhöht und die Abwanderung von qualifizierten Talenten verhindert. Mit der Herstellung von 163 Spielfilmen und 147 Dokumentarfilmen und über 80 Kurz- und Animationsfilmen sowie Dutzenden Auszeichnungen an internationalen Festivals ist die Frage nach der Existenzberechtigung der ZFS mehr als beantwortet.
Auf diesem Erfolg darf man sich nun aber nicht ausruhen, denn die Entwicklung des Mediums Film geht weiter. Grenzen, die früher klar gezogen werden konnten, haben sich aufgelöst, denn Filmautoren sind heute auch für die Entwicklung von Gamestories zuständig und Regisseurinnen und Filmtechniker arbeiten längst in den verschiedensten Bereichen wie Animationsfilm, Webdok, Kinofilm oder transmediale Projekte. Auch die Qualität der Ausbildung in den audiovisuellen Berufen hat sich stark verbessert, was mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) exemplarisch belegt werden kann.
Aber auch die äusseren Rahmenbedingungen ändern sich stetig, insbesondere im Zuge der Digitalisierung der Medienformate. Der traditionelle Kulturbegriff greift insbesondere für die Audiovisionsbranche zu kurz. Da hilft es auch wenig, dass die Politik vor dieser rasanten Entwicklung mit ihren Chancen oftmals die Augen verschliesst. Der Film ist wohl ein anerkanntes Kulturgut und mitunter lässt sich damit auch Hof machen. Aber dass die Audiovision in ihrer gesamten kreativen wie wirtschaftlichen Breite das Leitmedium der Zukunft darstellen wird, wird noch verkannt. Hier liegt es an der Branche selber, aufzuzeigen, wie wichtig der Film und seine Begleitmedien sind, für die Schweizer Kultur, aber auch für die Wirtschaftlichkeit eines Standortes.
Mit der Erhöhung des nationalen Kulturetats (Kulturbotschaft) auf über 1 Mio. Franken für die Jahre 2016 bis 2020 haben National- und Ständerat unerwartet Weitsicht bewiesen. Auch die Filmbranche profitiert mit dem neuen Standortfördermodel FiSS. Im Kanton Zürich jedoch hat kürzlich ein zukunftweisender Richtungswechsel in der Kulturfinanzierung stattgefunden. Die Kulturförderung wird demnach zunehmend über den kantonalen Lotteriefonds anstatt über das Staatsbudget, welches gleichzeitig gekürzt wird, getätigt. Zwar profitiert die Zürcher Filmstiftung von den Ausschüttungen aus dem übervollen «Lotteriefondskässeli» mit jährlich zusätzlichen 3 Mio. Franken. Diese Mittel werden jedoch hauptsächlich zur Deckung von strukturellen Defiziten gebraucht und sind auf 4 Jahre beschränkt. Danach beginnt der Verteilkampf um die knappen Kulturmittel von neuem. Kulturförderung aber ist eine Staatsaufgabe. Sie ist zentraler Bestandteil einer lebendigen und vielschichtigen Demokratie und darf daher auf keinen Fall ausgelagert werden!
Damit solche politischen Händel auf Kosten der Kultur in Zukunft vermieden werden können, hat der Verein Zürich für den Film entschieden, den Film und seine artverwandten Medien wie auch das Game-Development mittels kantonaler Volksinitiative gesetzlich zu verankern. Im Herbst 2015 beginnt die Unterschriftensammlung für die 6’000 benötigten Unterschriften. Simon Hesse, Co-Präsident des Vereins meint dazu : «Wir wollen unsere Branche nicht länger der politischen Willkür ausgesetzt wissen. Die Förderung der kulturell vielfältigen als auch wirtschaftlich prosperierenden Film-, Audiovisions- und Game-Branche muss daher zwingend gesetzlich verankert werden. Die Politik muss anerkennen, dass die Audiovisionsbranche ein immer wichtiger werdender Teilnehmer in der Kulturlandschaft ist und zur Kohäsion im Kanton Zürich beiträgt». Die Rechtssicherheit der audiovisuellen Branche mit ihren gut 17’000 Beschäftigten und den rund 2‘600 KMU ist denn auch eines der Hauptanliegen der Initianten. «In einer Welt, in der das bewegte Bild und die Interaktion audiovisueller Künste zunehmend an Wichtigkeit gewinnen, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, so wie dies andere Industriesparten ebenfalls haben. Denn als zentrale Bausteine der zeitgenössischen Kultur sind Filme und Games in Zukunft nicht mehr wegzudenken», so Hesse weiter.
Mit der Initiative für ein Zürcher «Film- und Mediengesetz» soll eine der grössten Umbauphasen der Zürcher Kulturförderlandschaft in Angriff genommen werden. In Zukunft soll eine Film- und Medienstiftung (ZFM) die Bedürfnisse der gesamten audiovisuellen Kultur-Branche bündeln, denn die zahlreichen Förderangebote gleichen heute einem Flickenteppich. Die Stiftung soll zeitgemäss ausgerichtet sein und der Digitalisierung genügend Rechnung tragen. Darum ist der Verein Zürich für den Film auch eine Kooperation mit der Swiss Game Developers Association (SGDA) eingegangen. Diese junge Kultursparte soll künftig ebenfalls in der neuen Stiftung vertreten sein. Klar ist auch, dass das Förderangebot entsprechend ausgebaut werden muss, um mit der Zeit Schritt zu halten. Dies hat eine fundierte Bedarfsanalyse im Jahre 2014 eindrücklich nachgewiesen. Die Förderinstitutionen werden heute von Gesuchstellern aller Sparten überrannt. Ein zeitgemässes und kohärentes Förderinstrument ist heute daher zwingend.
Die Film- und Medienstiftung will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich der Medienstandort Kanton Zürich international gut positionieren kann. «Mit der neu ausgerichteten Zürcher Film- und Medienstiftung investieren Kanton und Gemeinden nicht nur in die Kultur, sondern auch in Zukunftsbranchen der immer wichtiger werdenden Kulturwirtschaft. Der Kanton Zürich soll erneut Pioniergeist zeigen und dem Standort zu einem international ebenso modernen wie kreativen Renommee verhelfen.»
Autoren : Simon Hesse und Andrew Katumba; Verein Zürich für den Film