Programmvorschau: Begegnungen mit und in der arabischen Welt
Gleich einem Schreckgespenst geistern Artikel über den arabischen Raum dieser Tage durch die hiesige Presse. Doch was wissen wir eigentlich über ihn – mal ganz abgesehen von den durch Medien und Mythen geprägten Stereotypen ? Die 19. Ausgabe der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur geht dieser Frage in ihrem Grossen Fokus nach und will Begegnungen schaffen. Jedoch nicht nur mit der arabischen Welt, sondern auch mit dem Kurzdokumentarfilmprojekt 5 x 5 x 5, mit Bhutan und Nepal, mit Christoph Girardet und Matthias Müller, mit Dada und mit Gangstern.
Der notgedrungen politisch brisante Film aus dem Irak, die visuelle Raffinesse des libanesischen Films, die Distanzierung bei gleichzeitiger Nähe mancher Diaspora-Araber, die ersten filmischen Gehversuche aus dem Sudan oder der trivialpopuläre Mainstream des filmindustriell geprägten Ägyptens – vom « arabischen Film » als homogenes Ganzes zu sprechen wäre vermessen, könnte das Kino der arabischen Welt doch diverser nicht sein. Und trotzdem wagten es die Programmschaffenden der Kurzfilmtage, den Grossen Fokus der diesjährigen Ausgabe unter dem Sammeltitel Arab Encounters – Visions and Realities auf ausgesuchte Facetten des arabischen Films zu legen. Uns erwarten neun Kurzfilm-Programme, welche, abgesehen von wenigen prägnanten Ausnahmen, eine Innensicht bieten: Filme von arabischen Filmschaffenden für ein arabisches Publikum, die dem westlichen Besucher neue Perspektiven eröffnen dürften.
Land im Fokus: Bhutan und Nepal zwischen Tradition und Moderne
An der Südseite des Himalaya gelegen, eingequetscht zwischen den Riesen (auch was ihre Filmindustrie betrifft) Indien und China, voneinander getrennt durch den indischen Bundesstaat Sikkim, und für vieles, kaum aber für ihre Filmindustrie bekannt: Das sind die Länder Bhutan und Nepal. Und doch besteht heute in beiden Ländern eine junge, lebhafte, unabhängige Filmszene, die den Kurzfilm als Medium für sich entdeckt hat, um zu experimentieren und Neues zu erschaffen. In den drei Programmen der Sektion Land im Fokus beleuchten die Kurzfilmtage genau dieses Schaffen und gewähren so Einblicke in das junge filmische Werk zweier Länder, die von starken politischen Veränderungen geprägt sind.
Person im Fokus: Girardet/Müller schaffen bewusst unbewusste Erinnerung
Die beiden deutschen Künstler Christoph Girardet und Matthias Müller gehören zu den international profiliertesten Vertretern des Video- und Experimentalfilms. Mit Vorliebe bedienen sie sich Versatzstücken und Fragmenten aus fremden Filmen und fügen diese dann zu ebenso virtuosen wie bewegenden Film-Collagen zusammen. 2015 widmen die Kurzfilmtage dem Künstler-Duo die Sektion Person im Fokus. Ergänzend hierzu zeigt das Fotomuseum Winterthur im Rahmen der Serie « SITUATIONS » die Arbeit « Cut ».
Weitere kuratierte Programme: Von Dada, Gangstern und materiellen Gelüsten
Dada ist alles und nichts. Dada ist tot. Dada lebt. Dada feiert Jubiläum ! 99 Jahre DADA – ein Jahr vor dem offiziellen Jubiläumsjahr (das Cabaret Voltaire wurde am 5. Februar 1916 eröffnet) mit dem Kurzfilm-Programm 99 Jahre DADA: Im Dialog mit der Gegenwart. Zudem fragt When I Grow up I Wanna be a Gangsta nach den Analogien der Rolle des Gangsters im Film damals und heute: Was nur macht den Gangster so attraktiv ? Und apropos attraktiv: Anlässlich der Ausstellung « NIRVANA – wundersame Formen der Lust » im Gewerbemuseum Winterthur zeigen die Kurzfilmtage das Programm Nirvana – Sexperimental Materialism – acht Kurzfilme über die Erfüllung erotischer Fantasien, in welchen die Grenzen zwischen Scham, Lust und Humor verwischt werden.
Mehr Informationen unter:www.kurzfilmtage.ch