FIFF: die 30. Ausgabe widmet sich den Frauen

FIFF: die 30. Ausgabe widmet sich den Frauen

15. Februar 2016

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Bald ist es soweit: Das FIFF wird die Kerzen der 30. Jubiläumsausgabe auspusten, der unermüdliche Einsatz für die Vielfalt im Kino geht weiter. Das Ereignis will würdig begangen werden. Doch anstatt die vergangenen 29 Ausgaben in einer Retrospektive Revue passieren zu lassen, nimmt das FIFF lieber seine Vorreiterrolle war und tritt ein weiteres Mal für Künstler/-innen und Kulturen ein, die mehr zu kämpfen haben als andere. Die 30. Ausgabe setzt einen besonderen Akzent und zollt den Frauen im Film Tribut. Das Programm, ganz im Zeichen der Feierlichkeiten stehend, wartet mit einer selten gesehenen Fülle an Regiearbeiten, Produktionen und Geschichten auf, die allesamt die Frauen in den Mittelpunkt stellen. Die Maxime der Vielfalt stets im Blick, unternimmt das 30. FIFF eine Reise durch die gesamte Filmgeschichte, von 1896 bis 2016, und durch die Kontinente, von Ida Lupino bis zu den afrikanischen Regisseurinnen und von Mira Nair bis zu den Kämpferinnen der Sektion Genrekino: Wilder als der Mann.

Insgesamt 126 Filme aus 62 Ländern (Rekord) stehen auf dem Programm, etwa 100 davon erzählen die Geschichten von Frauen, mehr als die Hälfte sind unter weiblicher Regie entstanden. Zu einer aussergewöhnlichen Ausgabe gehört eine aussergewöhnliche Eröffnung: In Anwesenheit des Bundesrats Alain Berset findet am Freitag, den 11. März im grossen Saal des Théâtre Equilibre ein anfangs noch leises Filmkonzert mit Kurzfilmen von Alice Guy, der ersten Regisseurin der Filmgeschichte, statt. Die Musik ertönt zu vollem Klang, wenn das Freiburger Kammerorchester im Anschluss Charles Chaplins The Kid begleitet; ein Film, der einem unserer Ehrengäste der diesjährigen Ausgabe, Geraldine Chaplin, besonders am Herzen liegt. Ebenfalls von Musik begleitet wird der Schlussfilm des Festivals: Parched, eine feministische Bollywood-Komödie von Leena Yadav. Ganz Freiburg nimmt vom 11. bis 19. März an den Feierlichkeiten teil, die von nicht weniger als vier Ausstellungen begleitet werden, darunter jene zu François Truffaut, Kate Burkhardt und Namsa Leuba.

INTERNATIONALER WETTBEWERB: LANGFILME UND KURZFILME

Mit 13 Lang- und rund 20 Kurzfilmen haben die beiden Sparten des Internationalen Wettbewerbs auch diesmal wieder einige der schönsten Produktionen des vergangenen Kinojahres im Programm. Zu sehen sein werden neben europäischen Werken hauptsächlich asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Produktionen, die hier als Schweizer Premieren laufen. Sämtliche Filmemacher/-innen haben wir als Gäste nach Freiburg eingeladen.

KÄMPFERISCHE, WÜTENDE FRAUEN VOR UND HINTER DER KAMERA

Nach dem Western, dem Sportfilm, dem Katastrophenfilm und dem Erotikkino befasst sich die erste der 2012 ins Leben gerufenen Sektionen diesmal mit Frauen, die überall auf der Welt für ihre Familien, ihre Arbeitsplätze oder ihr Überleben kämpfen. Die 18 Filme der SektionGenrekino: Wilder als der Mannstellen das Ringen der Frauen in unterschiedlichsten Facetten dar, etwa in Form zweier Porträts von Boxerinnen in dem indischen Spielfilm Mary Kom und in dem Dokumentarfilm Boxing for freedom über die beste Boxerin Afghanistans.

Die SektionTerra incognita:Das Dasein der Filmemacherin in Afrika offenbart den grossen filmischen Schaffensdrang vom Maghreb bis nach Südafrika. Zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum wird Le Challat de Tunis der talentierten Kaouther Ben Hania zu sehen sein. Er wird als Vorpremiere am 7. März in Bern gezeigt.

HOMMAGE UND CARTES BLANCHES, DAS KINO NEU BETRACHTET

Wer ist die schönste weibliche Figur der Filmgeschichte? Was ist der schönste Film, den eine Frau je gemacht hat? Diese Fragen hat das FIFF rund 100 Regisseurinnen aus der ganzen Welt gestellt. 30 haben geantwortet, darunter Agnès Jaoui. Das Festival zeigt ein Dutzend davon in der SektionEntschlüsselt: Und die Frau schuf das Kino. Man kann keine Hommage an die Frauen im Film veranstalten, ohne die unter dem Spitznamen «Mother» bekannte Mutter all dieser Frauen, Ida Lupino, zu würdigen. Die aussergewöhnliche Schauspielerin, die von den 1930ern bis 1978 wirkte, war die erste Frau, die eine Produktionsfirma gründete und mitten im chauvinistischen Hollywood diverse Films Noirs drehte. Pierre Rissient, eine Schlüsselfigurder Filmgeschichte, wird die Schirmherrschaft für diese Sektion übernehmen (Hommage à…: Ida Lupino, von Pierre Rissient).

Nach dem Schweiz-Libanesen Patrick Chappatte, dem Kanada-Armenier Atom Egoyan, dem Schweiz-Russen Slava Bykov und dem Franzosen mit Roma-Wurzeln Tony Gatlif kommt nun die in New York lebende indische Regisseurin Mira Nair (Salaam Bombay) an die Reihe, uns ihre Lieblingsfilme präsentieren zu dürfen: Diaspora: Mira Nair und Indien.

Die zweite der Cartes Blanches geht an Geraldine Chaplin. Nach ihrem Überraschungsbesuch beim letztjährigen Festival hat das FIFF ihr mit Freuden eine angeboten. Sie wird einige ihrer Lieblingsfilme vorstellen, darunter «einen Film von Papa», The Kid, welcher auch der Eröffnungsfilm des Festivals sein wird (Sur la carte de Geraldine Chaplin).

SONDERVORFÜHRUNGEN

Nicht nur den Stars wird beim FIFF der rote Teppich ausgerollt, auch Familien (FIFFamilie im Fernen Osten), Senioren und Seniorinnen sowie Nachtschwärmer/-innen (Midnight Screenings) werden dieses Jahr wieder auf ihre besonderen Kosten kommen. Passeport Suisse ist stolz, die Schweizer Premiere von Elena Hazanovs The Puppet Syndrome sowie die Westschweizer Premiere von Ruxandra Zenides The Miracle of Tekir präsentieren zu können.

PLANÈTE CINÉMA: DAS KINOERLEBNIS FÜR EIN JUNGES PUBLIKUM

Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich Planète Cinéma, das grösste Schulprogramm der Schweiz (mehr als 10'000 Teilnehmer/-innen), in Sachen Filmbildung für ein junges Publikum. Auch in dieser Sektion ist das Thema der 30. Ausgabe präsent. Planète Cinéma hat eine Auswahl von Filmen getroffen, die das Schulprogramm über die Jahre besonders geprägt haben, und die von Frauen stammen und/oder originelle weibliche Hauptfiguren haben.

FIFF FORUM: RAUM FÜR GESPRÄCHE ÜBER DAS KINO

Bei den Vorbereitungen für die aktuelle Ausgabe war das FIFF mit zwei Reaktionen konfrontiert: Begeisterung und Verärgerung. Müssen wir wirklich noch über die Rolle der Frauen im Film sprechen? Dieser Frage werden Filmschaffende und Fachleute im Rahmen des in Zusammenarbeit mit dem SRG veranstalteten FIFF Forum nachgehen. Ausserdem wird es einen Workshop zur Entstehung einer weiblichen Filmfigur geben, bei dem Schauspielerinnen, Filmemacher/-innen sowie Drehbuchautoren und –autorinnen aus ihrer Praxis berichten.

www.fiff.ch

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