«Ich will dich für die Hauptrolle in meinen Film», sagte der kanadische Regisseur Steven Kostanski. Einen Barbaren sollte er spielen, der sich einer ganzen Reihe von Monstern in einer undefinierbaren Welt zwischen Raum und Zeit stellt. «Deathstalker» feierte im Rahmen des Locarno-Filmfestivals seine Premiere, der Berner Schauspieler Daniel Bernhardt reiste aus Los Angeles an.
Zuhause im Actionfilm
Für den Film musste er gar nicht erst vorsprechen. Der Produzent kannte ihn bereits. Als schwertschwingenden Muskelprotz, der Köpfe und Glieder abschlagend durchs Bild geht, war er die ideale Wahl. Bernhardt freut sich über die Hauptrolle. «Leute lieben solche Filme», wusste er, nachdem er die ersten zwanzig Seiten des Drehbuchs gelesen hatte. Es ist die Art Filme, denen er seine Karriere verdankt.
Mit rund 20 Jahren verliess er die Schweiz für Paris, wo er als Fotomodell arbeitete. Danach ging er mit 28 erst nach New York und dann nach Los Angeles, um ins Filmgeschäft einzusteigen. Bei den meisten war er Kampfkunsttrainer für die Darsteller, immer öfters hat er auch selbst Protagonistenrollen übernommen. Seine Muskeln sind sein Kapital. Das brachte ihm seine Zusammenarbeit mit Jean-Claude Van Damme bei einem Werbefilm von Versace Anfang der 1990er Jahre ein und begründete seinen Durchbruch. Mittlerweile zähle seine Filmografie über 100 Titel, sagt er lachend.
Er arbeitete mit Sylvester Stallone und auch Arnold Schwarzenegger. «Arnold ist sehr freundlich und grosszügig». Ein anderes seiner Vorbilder seit seiner Jugend ist auch Bruce Lee. «Ich habe Fussball gespielt und dann Kampfkunst gemacht», sagt Bernhardt. Mit Filmen ist er ebenfalls früh in Kontakt gekommen. Er hat im ehemaligen Kino Splendid in Bern gearbeitet und viel geschaut. «Casablanca» zählt er zu seinen Lieblingsfilmen, er schaut ihn mindestens einmal im Jahr. Besonders gerne sieht er sich spektakuläre Actionfilme wie «Gladiator», «Braveheart» oder «Heat» an, Filme, wie die, in denen er selbst aktiv ist: «Ich liebe diese Welt und ich bin gut darin.»
Strenge Disziplin
Als Berühmtheit bezeichnet sich Bernhardt selbst nicht. Wenn man ihn dafür bewundert, dass er mit Hollywoodgrössen verkehrt, freut er sich, doch er gibt sich bescheiden und dankbar. Wenn er aber erklärt, wieviel Disziplin und Hartnäckigkeit für seine Laufbahn notwendig waren und sind, spürt man den Stolz über das Erreichte. «Ich trainiere jeden Tag, aber nicht, wie es sich viele vielleicht vorstellen, von morgens bis abends, sondern eineinhalb Stunden täglich.» Für «Deathstalker» musste er fünf Kilo zunehmen und Muskeln aufbauen, weswegen er zwei Mahlzeiten mehr pro Tag zu sich nahm.
Mit Bob Odenkirk, dem Star aus den Serien «Breaking Bad» und «Better Call Saul», hat er über Jahre trainiert, um ihn für «Nobody» und «Nobody 2», erst gerade in den Kinos anlaufend, fit zu machen. Odenkirk hatte noch nie Kampfsport gemacht, Bernhardt ging mit ihm Radfahren und Wandern, zeigte ihm Boxen und Kickboxen, alles damit der Schauspieler im Film zur Kampfmaschine wird. Bernhardt spielte selbst mit, an der Seite von Sharon Stone.
Seine Sprechweise und seine grosszügige, herzliche Art glaubt man, auf den US-amerikanischen Einfluss zurückführen zu können. Bernhardt ist dennoch mit der Schweiz verbunden. Vor zehn Jahren versuchte er sich auch im hiesigen Filmgeschäft, aber über einem Auftritt in einer Folge einer Fernsehserie ging es nicht weiter. Bisher bleibt er also in den USA. Von politischen Spekulationen lässt er sich nicht ablenken.
Sein Ehrgeiz treibt ihn dazu, nicht aufzugeben, immer aktiv zu bleiben und sich seine eigenen Chancen zu schaffen. So hat er schon seinen ersten Kurzfilm in eigener Regie gedreht. Die Figuren, die er spielt, nehme er ernst, sich selbst nicht zu ernst. Und sonst wolle er die machen lassen, die wissen, was sie tun. «Ich bin ein Puzzle in ihrem Plan», sagt er in aller Bescheidenheit.